Stammzellen an Leukämiepatientin

Dieser junge Mann aus Gessel hat zu Weihnachten ein Leben geschenkt

Thilo Sudhaus-Middendorf aus Gessel kannte die junge Leukämie-Patientin Eva-Sophie damals nicht. Für den regelmäßigen Blutspender war dennoch sofort klar, dass er sich typisieren lassen möchte.
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Thilo Sudhaus-Middendorf aus Gessel kannte die junge Leukämie-Patientin Eva-Sophie damals nicht. Für den regelmäßigen Blutspender war dennoch sofort klar, dass er sich typisieren lassen möchte.

Eva-Sophie aus Barrien konnte Stammzellen-Spender Thilo Sudhaus-Middendorf nicht mit einer Stammzellen-Spende helfen - doch nun kam dennoch seine Chance, ein Leben zu retten.

Gessel – Es gab nur wenige Menschen auf der Welt, die der 13-jährigen Eva-Sophie aus Barrien das Leben retten konnten. Thilo Sudhaus-Middendorf war keiner von ihnen. Ende 2018 hatte sich der 22-Jährige aus Gessel typisieren lassen, um mit seiner Stammzellen-Spende der an Leukämie erkrankten Evi zu helfen. Doch die beiden passten genetisch nicht zueinander. Der junge Mann kam für eine Spende nicht infrage. Zum Glück fand die damals 13-Jährige schließlich einen anderen Spender. Und Thilo Sudhaus-Middendorf? Der musste keine Stammzellen spenden – bis er vor einigen Monaten einen Brief in seinem Postkasten fand.

Seit seiner Typisierung ist der Gesseler in der Datenbank der Deutschen Stammzellspenderdatei (DSD) als möglicher Lebensretter gelistet. 2018 wollte er einem jungen Mädchen aus seiner Nachbarschaft helfen. Zwei Jahre später nun die Frage: Kann er sich auch vorstellen einer 63-jährigen Polin, die ebenfalls an Leukämie erkrankt ist, zu helfen? Sudhaus-Middendorf zögerte keine Sekunde. „Das war für mich sofort klar: Wenn ich helfen kann, möchte ich auch helfen.“

Er willigte ein, fuhr zu seinem Hausarzt und ließ sich Blut abnehmen. Das ging dann per Kurier zur weiteren Untersuchung an die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS). „Dann habe ich lange Zeit nichts gehört“, erinnert sich Sudhaus-Middendorf. Nach mehreren Wochen plötzlich ein Anruf: Die genetischen Profile passen zusammen. Die Stammzellen des Gesselers werden mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht vom Körper der leukämiekranken Polin abgestoßen. Seine Spende könnte ihre Rettung bedeuten. Bleibt er bei seinem Entschluss zu spenden?

Zum DRK beim Krankenhaus Bremen-Mitte eingeladen

Der 22-Jährige stimmt erneut zu. Dann sei alles relativ schnell gegangen, erinnert sich Sudhaus-Middendorf zurück. Er wurde zum DRK beim Krankenhaus Bremen-Mitte eingeladen. Eine Ärztin klärte ihn über das weitere Vorgehen auf und prüfte ihn im wahrsten Sinne des Wortes auf Herz und Nieren. „Ich wurde in Bremen-Mitte einmal komplett auseinandergenommen und durchgecheckt“, so der 22-Jährige.

Dann hieß es wieder warten. Einige Wochen später kam erneut das Okay. An seinem Geburtstag, dem 23. November, nahm Thilo Sudhaus-Middendorf seine erste Hormonspritze. Sie sorgte dafür, dass vermehrt Stammzellen von den Knochen ins Blut gespült werden. Kurz darauf bekam der Gesseler leichte Rückenschmerzen. Das sei jedoch „alles halb so wild“ gewesen. Vier bis fünf Tage dauerte die Behandlung an. Dann die letzte Blutuntersuchung beim Arzt: Die Stammzellen-Konzentration im Blut reicht für eine Spende.

Am 30. November um 8 Uhr morgens bekommt Sudhaus-Middendorf im Klinikum Bremen-Mitte zwei dicke Blutspende-Nadeln in den Arm geschoben – eine rechts, eine links. Auf der einen Seite fließt das Blut aus seinem Körper, wird in einer großen Maschine von den Stammzellen getrennt, auf der anderen Seite fließt es wieder in ihn hinein – wie bei einer Dialyse. Und ähnlich lange dauert es auch: Rund dreieinhalb Stunden sitzt der junge Mann im Krankenhaus. Dabei konnte er Fernsehen gucken, lesen oder sich mit seinem Handy beschäftigen. „Man war da echt gut aufgehoben“, berichtet Sudhaus-Middendorf und erinnert sich daran zurück, wie sich regelmäßig medizinisches Personal nach seinem Befinden erkundet hat.

Wie bei der Blutspende ‒ nur etwas anders in der Farbe

Dann war der Spendenbeutel mit den Stammzellen voll. Wie bei der Blutspende habe der ausgesehen, so der Gesseler, nur ein wenig anders in der Farbe. Er habe sich noch kurz gestärkt und konnte dann direkt nach Hause. Häufige Symptome wie Abgeschlagenheit und Müdigkeit habe er nicht gespürt, die Rückenschmerzen seien schon am nächsten Tag wieder weggewesen.

Und entsprechend hört sich auch das Fazit von Sudhaus-Middendorf nach der Spende an: „Das war vom Aufwand dafür, dass man einem Menschen das Leben retten kann, auf jeden Fall machbar.“ Und vielmehr noch: „Es ist ein super Gefühl!“

Die DSD habe sich sogar um den Verdienstausfall bei seinem Arbeitgeber, der Deutschen Bahn, gekümmert und dafür gesorgt, dass er zwei Tage frei hat. „Ich hatte überhaupt keine privaten Einbußen“, so der gelernte Industriemechaniker. Es ist eine Botschaft, die er auch gerne weitergibt. Heute sei nicht nur seine ganze Familie typisiert, sondern auch viele seiner Freunde. „Jeder der noch nicht typisiert ist, sollte das machen“, findet Sudhaus-Middendorf. Für ihn ist klar: „Ich würde das jederzeit wieder machen.“ Das bisschen Freizeit, was man am Ende opfere, könne einem anderen Menschen das ganze Leben retten – und wenn es wie bei ihm auch noch zur Weihnachtszeit sei, könne es sogar das schönste Geschenk sein, was man jemals einem anderen Menschen machen kann, freut sich der Gesseler.

Stammzellen-Spender will anonymem Brief an Beschenkte schreiben

Über die von ihm Beschenkte, weiß Thilo Sudhaus-Middendorf aktuell wenig. Er wolle allerdings schon bald von der Möglichkeit Gebrauch machen, ihr anonym einen Brief zu schreiben. In zwei Jahren kann er sie dann auch persönlich treffen, wenn beide dies möchten. Er ist sich sicher: „Ich würde die kennenlernen wollen.“

Dass Thilo Sudhaus-Middendorf in seinem Leben noch einmal spenden kann und darf, ist sehr unwahrscheinlich. Die genetischen Profile müssen perfekt zueinander passen. Sollte er aber dennoch eines Tages wieder einen Brief in seinem Postkasten finden, ist seine Entscheidung schon klar: „Ich würde es sofort wieder tun.“

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