„Lärm stört die Tiere nicht“

Zimmer frei: Stadt will Weißstörche auf dem Bauhof ansiedeln

Neubauwohnung mit Aussicht wartet auf Mieter zum Erstbezug: In 14 Metern Höhe können sich Störche auf dem Bauhof jetzt ein Nest bauen.
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Neubauwohnung mit Aussicht wartet auf Mieter zum Erstbezug: In 14 Metern Höhe können sich Störche auf dem Bauhof jetzt ein Nest bauen.

Syke – Die Stadtverwaltung hat eine neue Wohnung zu vergeben. Okay, sie ist nicht gerade groß. Aber sie bietet eine hervorragende Aussicht und der nächste Imbiss ist gleich um die Ecke. Es gibt allerdings weder Fahrstuhl noch Treppe. Also sollte man schon fliegen können – und ein Storch sein.

In Okel gibt es einen Bruthorst, in Barrien, und noch einen weiteren gleich nebenan in Leerßen. Da wäre es doch gelacht, wenn sich nicht auch in der Kernstadt welche ansiedeln würden.

Die Möglichkeit dazu hat die Stadt – genauer: die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs und Stadtbiologin Angelika Hanel – jetzt auf dem Bauhofgelände eröffnet. In 14 Metern Höhe gibt es dort seit kurzem einen Nistplatz. Aus zwei ausgedienten Laternenmasten, einer alten Gitterfelge – sowas machen sich die Landwirte an ihre Trecker, wenn sie auf extrem sumpfigen Boden unterwegs sein müssen – und ein paar Verbindungsteilen. „Das Ganze haben wir dann zwei Meter tief in den Boden einbetoniert“, sagt Sven Paschenda.

Die Gitterfelge wird noch befüllt: Eine Schicht Holz, eine Schicht Zweige, eine Schicht Heu. „Den Rest muss der Storch selber machen“, sagt Paschenda.

Angelika Hanel weiß: „Ein Stocht baut ungern selbst sein Nest. Er nimmt gerne Nisthilfen an. Wenn so ein Nest dann ein paar Jahre lang bebrütet wird, kann es schon mal über eine Tonne wiegen. So viel wie ein Kleinwagen. Da kommt dann jedes Jahr noch etwas mehr oben drauf. Weil der Storch seiner Angebeteten immer noch was mitbringt.“

Hat irgendwie ein kleines bisschen was von Iwo Jima, wie die Jungs vom Bauhof hier das Storchennest aufrichten.

Muss bloß erstmal überhaupt einer kommen! Aber das sieht die Biologin ganz entspannt. „Die freie Wohnung ist zumindest da und die Lage ist ideal. Gleich hinterm Bauhof ist ein Teich. Da ist Wasser, da laichen Frösche, da gibt es andere Kleinlebewesen, die er fressen kann.“

Dieses Jahr wird es aber wohl trotzdem nichts mehr mit dem Erstbezug. Dafür ist es wahrscheinlich schon zu spät. „Störche brüten normalerweise von April bis August“, sagt Hanel. „Aber wenn dieses Jahr keiner mehr kommt, dann vielleicht nächstes Jahr. Die Jungstörche in der Umgebung können sich ja schon mal einen eigenen Horst ausspähen.“ Das meint die Biologin übrigens durchaus ernst.

Der Betrieb auf dem Bauhof ist laut Hanel kein Hinderungsgrund. „Störche sind Kulturfolger. Der Fahrzeuglärm stört sie überhaupt nicht. Und Störche haben eine sehr geringe Schutzdistanz. Wo der Graureiher schon hochfliegt, macht der Storch noch mit seiner Nahrungssuche weiter.“ Sven Paschenda ergänzt: „Der Horst steht auf dem hinteren Teil unseres Geländes beim Materiallager. Wir arbeiten ja nicht unbedingt jeden Tag direkt darunter. Und irgendwann kennt der Storch ja auch alle, die hier sind.“ Auch Paschenda meint das durchaus ernst. „Auf einem Bauernhof ist ja auch ständig Betrieb.“

Bis zu fünf Eier legt ein Storchenweibchen, erklärt Angelika Hanel. „Zwei bis drei Junge werden normalerweise flügge. Manchmal mehr, manchmal weniger. Das hängt alles vom Futter ab.“

Die Bestände galten in Deutschland lange Zeit als gefährdet. Vom Weißstorch – dem Klapperstorch – gab es in den 80er Jahren deutschlandweit keine 3000 Brutpaare mehr. Inzwischen gehen aktuelle Schätzungen wieder von etwa 5000 aus.

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