Jan Ziemann blickt auf seine ersten 100 Tage als Leiter des Syker Gymnasiums zurück

„Ein Ort der Persönlichkeitsbildung“

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Die ersten Monate liegen hinter Jan Ziemann: Er ist seit 100 Tagen Schulleiter beim Gymnasium Syke.

Syke - Von Frank Jaursch. Am 1. Februar hat Jan Ziemann seinen Posten als Leiter des Syker Gymnasiums angetreten. Die ersten 100 Tage liegen hinter dem Studiendirektor. Im Interview mit der Kreiszeitung blickt der 47-Jährige auf seine ersten Monate an der Spitze des Gymnasiums zurück.

Wie sind die ersten 100 Tage verlaufen, was gab es für erwartete und unerwartete Dinge?

Jan Ziemann: Sie waren sehr ereignisreich. Es hat viele besondere Anlässe und Ereignisse gegeben. Zum Beispiel ein Theaterstück, das Comenius-Camp, den Schülerstreik. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass das hier eine sehr lebendige Schule ist, in der viel passiert und in der die Schüler über den Unterricht hinaus vieles bewegen und an vielem teilnehmen.

Sie hatten ja in ihrer vorherigen Schule schon mal die Leiterfunktion inne, als die etatmäßige Schulleiterin länger erkrankt war. Inwiefern ist es ein Unterschied, wenn man jetzt offiziell den „Hut aufhat“?

Ziemann: Wenn Sie etwas kommissarisch übernehmen, dann kennen Sie die Grundeinstellungen, Vorlieben und die Grenzen, die die Schulleiterin hat. Dann versuchen Sie natürlich nicht, in zehn Monaten alles umzukrempeln. Man hat immer im Hinterkopf, dass dann diese Zeit ja endet und die Schule dann wieder auf dem Gleis laufen soll, in dem sie vorher gelaufen ist. Und da jetzt dauerhaft selber die Verantwortung zu haben, das ist schon ein großer Unterschied.

Das klingt wie eine Herausforderung, wenn man sich den Weg erst selbst bahnen muss.

Ziemann: Die Herausforderung ist auf jeden Fall größer. Das ist auch für mich äußerst spannend. Ich wusste aber vorher, dass es ereignisreich wird. Man hat viele Begegnungen, erlebt Neues, bildet sich weiter, erweitert seinen Horizont. Man ist aber auch gefordert, verschiedene Dinge unter einen Hut zu bringen. Die Herausforderung ist also größer, aber im positiven Sinne. Ich muss sagen, das macht mir sehr viel Spaß.

Die ersten Monate sind sicher für Sie sehr lernintensiv – mit vielen neuen Namen und Strukturen. Bleibt da schon Zeit für Kreativität?

Ziemann: Durchaus. So ist zum Beispiel eine Arbeitsgruppe Prävention entstanden. Wir hatten den „Fachtag Drogen“ hier in Syke im Rathaus, ein sehr spannender Tag. Das war so ein Anlass zu sagen: Wir wollen versuchen, ein Präventions-Konzept für dieses Gymnasium zu entwickeln. Dabei geht es uns um unsere Schüler. Um Ich-Stärkung, darum, auch mal Nein sagen zu können in einer Gruppe. Da sind wir noch mitten im Prozess.

Dann stellen wir gerade Überlegungen an: Wie können wir Schülern, die von der Grundschule kommen, den Übergang zum Gymnasium erleichtern? Es gibt da ja schon einiges hier an der Schule. Manchmal muss man nur die Dinge, die es schon gibt, neu zusammensetzen, und da sind wir gerade dabei.

Ist der Schritt aufs Gymnasium denn heute größer als – sagen wir – vor 20 Jahren?

Ziemann: Er wird heute vor allem von den Eltern als größer empfunden. Und die übertragen es manchmal auch auf ihre Kinder. Aber es ist schon ein Schritt. Die Arbeitsweise ist ganz anders. Die Kinder haben plötzlich nicht mehr Sachkunde, sondern Biologie, Chemie, Physik und Erdkunde – und dann haben sie vielleicht vier verschiedene Lehrer, wo sie vorher einen hatten.

Auch der Arbeitsaufwand ist zum Teil größer als in der Grundschule, weil die guten Schüler in der Grundschule mit Hausaufgaben, die für alle waren, schneller fertig geworden sind.

Wünschen Sie sich etwas für die nächsten Jahre, das sich hier entwickeln sollte?

Ziemann: Ich wünsche mir schon ein paar Dinge, aber die liegen zum Teil nicht in unseren Händen. Zum Beispiel würde ich mir wünschen, dass das große Engagement der Kollegen auch von offizieller Seite stärker gewürdigt wird. Und ich wünsche mir, dass man nicht in einen Kampf um die Schulformen gerät, dass wir bei einem System bleiben, in dem man sich gegenseitig unterstützt – auch in verschiedenen Schulformen. Das funktioniert in Syke gut bisher, finde ich. Und da wünsche ich mir, dass das auch auf Landesebene so gesehen wird.

Was mir auch noch wichtig ist: Eine Schule kann nur gelingen, wenn es auch engagierte Kollegen gibt. Da bin ich sehr froh, dass ich auf ein Kollegium getroffen bin, das mir gegenüber sehr offen ist, das mich sehr kollegial und aufgeschlossen aufgenommen hat. Ich merke, dass hier ein großes Engagement da ist im Kollegium für außerunterrichtliche Dinge. Die Kollegen haben die Schüler im Blickwinkel. Für mich ist Schule ein Ort, an dem nicht nur Wissen vermittelt wird, sondern es sollte auch ein Ort der Persönlichkeitsbildung sein. Das „Reifezeugnis“ stellt einem die Studierfähigkeit aus, aber es hat auch etwas mit persönlicher Entwicklung zu tun.

Noch ein Satz zu ihrem Auto, das für einen Schulleiter ja doch eher ungewöhnlich ist (ein recht betagter Kleinwagen, Anm. der Red.). Gibt es eine Geschichte dazu?

Ziemann: Ein Auto ist für mich ein Beförderungsmittel und sonst gar nichts. Das ist unser Zweitwagen, mit dem ich häufig komme. Wir haben zwei Kinder und ‘nen Hund, was soll meine Frau dann mit dem Kleinen fahren? Und der bringt mich auch von A nach B.

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