Zeitreise im Kreismuseum: Kinderkarussell aus dem Jahr 1924 ist fertig restauriert

„So ein Karussell muss leben“

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Reinhard (l.) und Petra Carstens sowie Holger Lenk freuen sich über ihr vollendetes Werk.

Syke - Von Heiner Büntemeyer. Es dreht sich wieder, das kleine, fast 100 Jahre alte Kinderkarussell mit den zwölf Pferden, vier Gondeln und vier Schweinchen der Familie Carstens. Am Mittwoch legte Reinhard Carstens auf dem Platz vor dem Kreismuseum den Hebel um, und das Karussell setzte sich mit fünf Umdrehungen pro Minute in Bewegung.

Nach Meinung von Museumsleiter Dr. Ralf Vogeding allerdings viel zu schnell. „Wir können noch schneller“ lachte Holger Lenk, der das charmante kleine Karussell im ursprünglichen „Art-déco“-Stil gemeinsam mit Reinhard Carstens wieder „aufgemöbelt“ hat.

1954 hatte sich Helmut Carstens mit dem Kauf dieses um 1924 gebauten Karussells einen Kindheitstraum erfüllt. Der gelernte Zimmermann besuchte damit die Märkte und Schützenfeste der Umgebung. Bis 1995 war das Karussell in Betrieb, danach wurde es eingemottet.

Aber Helmut Carstens war beseelt von der Idee, dieses nostalgische Karussell eines Tages wieder fahrbereit zu machen. Es war seine Idee, es auf dem Museumsgelände als Schauobjekt aufzubauen und es einzuzäunen. Vom Einzäunen hielt Vogeding überhaupt nichts: „So ein Karussell muss leben“, forderte er, und Helmut Carstens begann mit den Arbeiten. Als er 2007 starb, schien auch das Projekt erledigt zu sein, obgleich Petra und Reinhard Carstens die Pläne ihres Vaters kannten. Aber um sie umzusetzen, fehlten ihnen Zeit und handwerklichen Kenntnisse.

Beim Barrier Weihnachtsmarkt 2012 lernten sie Holger Lenk kennen, der dort wunderschöne Pyramiden und Schwibbögen ausstellte. Gemeinsam schauten sie sich die Überreste an und waren sich schnell einig: „Das Ding muss wieder laufen!“ Wenn sie gewusst hätten, was damit auf sie zukommen würde, hätten sie es sich noch einmal überlegt, meinte Reinhard Carstens.

Nach und nach fanden sich fast alle Teile wieder an, noch fehlende Dachsparren und Ziergitter fertigte Holger Lenk an. Dann wurde das Karussell zur Probe in der Werkstatt aufgebaut und siehe da: Alle Zapfen und Schmiegen passten, sogar der Elektromotor, der das Karussell antreibt, drehte noch. Nur die Farben waren verblasst, und das Dach musste erneuert werden, weil der Tüv dafür ein schwer entflammbares Material forderte. Auch die Gondeln mussten noch nachgebessert werden und sehen jetzt schöner aus als vorher. Dank einiger Sponsoren wurden auch diese Auflagen erfüllt, und Jugendliche des Syker „Instituts für angewandte Pädagogik (ifap)“ übernahmen mit viel Liebe zum Detail die Bemalung.

Damit hat sich sich der Traum des alten Schaustellers Helmut Carstens doch noch erfüllt. Seine Kinder sind stolz darauf, und Holger Lenk auch.

Viermal ist das Karussell in den nächsten Wochen am Kreismuseum in Betrieb, erstmals am Sonntag (siehe Kasten). Durchaus möglich, dass dann Kinder in den Gondeln sitzen, deren Großeltern schon damit gefahren sind. Ganz besonders würde sich Ralf Vogeding über Besucher freuen, die noch über alte Fotos von diesem Oldtimer-Karussell verfügen.

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