Futuristische Komödie „Fehler im System“ im Theater: Ensemble um Jürgen Tarrach überzeugt

Zeit für Gefühle

Mit „Fehler im System“ begeistert das Tournee-Theater Thespiskarren auch im Syker Theater. Es spielen (von links) Jantje Billker als Emma, Jürgen Tarrach als Lea, Guido Hammesfahr als Computer-Catcher Chris Müller und Tommaso Cacciapuoti als Computer-Mensch Oliver 4.0. Foto: Kerstin Diehl

Syke - Von Detlef Voges. Sex mit einem Roboter – bei Emma (Jantje Billker) ist die Zukunft längst Gegenwart. Die junge Frau hat sich über eine Partnerbörse einen Hausroboter bestellt und ein recht attraktives Exemplar bekommen, das ihrem Ex-Freund Oliver (Tommaso Cacciapuoti) äußerlich komplett gleicht. Dieser Roboter Oliver 4.0 kann nicht nur putzen und 7 500 internationale Gerichte herstellen. Er hat Gefühle und erfreut die Hausdame auch im Bett über alle Maßen.

Damit allein wäre eine Geschichte durchaus schon füllig und erzählbar. Autor und Regisseur Folke Braband hat in seinem Stück „Fehler im System“ aber noch eine Schippe drauf gelegt und die Story um eine Geschlechtsangleichung erweitert. Die Folgen sind unterhaltsam, animieren gleichsam zum Lauthals-Lachen wie zum Ernsthaft-Nachdenken.

Davon konnten sich die Zuschauer am Mittwochabend im Syker Theater überzeugen. Zu Gast war das Tournee-Theater Thespiskarren mit Brabands Komödie „Fehler im System“. Passend zum Titel war zwar Jasmin Wagner als Emma angekündigt, aber nicht präsent. Ihre Rolle übernahm Jantje Billker. Die gebürtige Ostfriesin füllte das Format dieser zukunftsorientierten, liebenswert-kratzbürstigen Frau perfekt aus.

Wie überhaupt das Ensemble punktete und die auf Lacher angelegten Plattheiten und klamaukartigen Ansätze brillant umschiffte. Allen voran Jürgen Tarrach als Emmas Papa, der sich aber einer Geschlechtsanpassung unterzieht und zu Lea wird. Mit Ohrclips, Make-up und leicht tuntigem Gehabe nimmt er die Bühne tänzelnd ein. Ein herrlicher Komödiant, der nicht überzieht, obwohl die Fallen verlockend sind.

Tarrachs Spiel merkt man in jeder Nuance die schauspielerische Qualität an, die schnell vom Anrührenden zum Nachdenklichen wechselt. Hier noch die charmante und kokette Transe, dort Lea, die einem Roboter spaßfrei erklärt, sie sei auf dem besten Weg, sich zum ersten Mal in ihrem Körper wohl zu fühlen.

Das treibt auch Oliver 4.0 um. Die Doppelrolle als Roboter und Mensch aus Fleisch und Blut verkörperte Tommaso Cacciapuoti intensiv, mal sportlich, mal hinhaltend, aber stets differenziert. Das Thema künstliche Intelligenz nahm bei ihm Gestalt an als künstliches Wesen auf dem Weg in eine menschliche Gefühlswelt – immer noch behaftet mit Fehlern im System. Zum Bedauern von Emma, die längst Gefallen an diesem Hausburschen gefunden hat, der sie nicht nur mit Boeuf Stroganoff verwöhnt, sondern auch als jemand, der Frauenherzen im Bett höherschlagen lässt.

Ein menschelndes Miteinander, das zwangsläufig Irrungen und Wirrungen produziert. Den handwerklichen Teil übernimmt dabei Guido Hammesfahr als Chris. In futuristischem Outfit erledigt er quasi die Wartung der KI (künstliche Intelligenz). Sein robustes und enthusiastisches Auftreten bildet den Kontrapunkt zu dem sensibleren Aspekt von KI und Geschlechtsanpassung, verleiht dem Stück aber Tempo und Ablenkung.

Eine intelligent-spritzige Komödie, die den Zuschauer mit Fragen nach Hause schickt. Papa wird Lea, getunt und nicht aus billiger chinesischer Ware, aber endlich im richtigen Körper. Oliver 4.0 löscht dagegen sein Gefühlsprogramm, weil es noch Fehler im System gibt. Und wenn die beseitigt sind?

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