Birne Helene mit Zukunftsmusik

Zehntes Syker Bürgermahl: Modernes Leben ist ohne Raumfahrt undenkbar

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Zehn Jahre Bürgerstiftung haben Vorstandsvorsitzendem Ralf Michel (v.l.) nach den Sternen greifen lassen – beziehungsweise nach jemandem, der sich damit sehr gut auskennt, nämlich Wolfgang Dürr. Michael Lux führt durch das Bürgermahl. 

Wenn alle Satelliten ausfallen, funktioniert die Welt, wie die Menschheit sie kennt, nicht mehr. In Bremen arbeiten fähige Leute daran, dass das nicht passiert.

Syke - Von Marc Lentvogt. 50 Jahre nachdem Neil Armstrong als erster Mensch seine Füße auf den Mond gesetzt hat (Apollo 11, 21. Juli 1969) und fünf Jahre bevor erstmals seit 1972 wieder ein Mensch den uns so nahen Himmelskörper betreten soll, war die Raumfahrt zu Gast in der Kreissparkasse Syke (KSK). Die Syker Bürgerstiftung hatte eingeladen, zwischen Kürbiscremesuppe, Cranberryrotkraut und Birne Helene einen Blick in die Zukunft zu werfen.

Beim zehnten Bürgermahl sollte, so KSK-Marketingleiter Ralf Warneke, die Frage geklärt werden, ob es sinnvoll ist, nach den Sternen zu greifen. Das begeisterte Lächeln des Hausherren vertrieb direkt erste Zweifel. Einfaches Spiel also für Wolfgang Dürr. Dürr, Director Space bei Airbus Defense and Space, trat nicht auf wie ein Firmenvertreter, sondern wie ein Raumfahrt-Fan, der versierter und informierter nicht sein könnte – leider mit dem kleinen Nachteil, dass Detailfragen aufgrund der großen und in ihrer Gesamtheit absolut nennenswerten Umfänge der Branche kaum zur Sprache kamen (siehe Infokasten unten).

Gedankenexperiment beim Syker Bürgermahl: Leben ohne Raumfahrt und Satelliten

„Wir alle nutzen Raumfahrt in unserem Leben“, führte Dürr in Syke ein. Sein Gedankenexperiment, morgen stünden keine Satelliten mehr zur Verfügung, führte „quasi in das Jahr 1957“. Wobei diese Angabe nur in Maßen stimmen kann, denn auch wenn der russische Sputnik-Satellit damals gestartet wurde, waren seine technischen Fähigkeiten darauf begrenzt, ein einfaches Signal zu senden.

Heute können diese Flugkörper, die in einer Distanz von mindestens 500 Kilometern alle 90 Minuten die Erde umrunden, deutlich mehr. Ohne sie gäbe es keine Navigation, keine genauen Wetterprognosen. Das Militär würde sich dauerhaft in erhöhter Alarmbereitschaft befinden, weil es keine präzisen Aufklärungsdaten gäbe. 

Syker Bürgermahl: 140 Unternehmen in Bremen mit der Raumfahrt verbunden

Und: Live-Fußball, erklärt Airbus-Mann Dürr, würde auch nicht so wie gewohnt den Weg auf den heimischen Bildschirm finden, wobei das wohl zumindest am Sonntag verschmerzbar gewesen ist. Als Michael Lux von der Bürgerstiftung zwischen den Gängen einen Zwischenstand aus Gladbach mit den Gästen teilte, schien zumindest niemand unglücklich, statt vor dem Fernseher in der Kreissparkasse Syke zu sein.

Doch genug der Dystopie. Es sollte ja nicht um den Erhalt des Status quo, sondern um den Griff nach den Sternen gehen. Und der lohnt sich gleich doppelt. Monetär, natürlich. 140 Unternehmen in Bremen sind mit der Raumfahrt verbunden, ein Zehntel aller deutschen Beschäftigten in der Branche arbeiten in der Hansestadt. 260 Milliarden US-Dollar Umsatz 2018 sollen sich bis 2040 auf 2 700 Milliarden verzehnfachen.

Raumfahrt Hilfe beim Kampf gegen den Klimawandel

Aber da sind eben auch noch diese Träume, die mit Geld nicht aufzuwiegen sind, deren Erfüllung die Menschen dank der Raumfahrt immer etwas näher kommen. Zwar gibt es noch keinen Replikator, der auf Picards Zuruf einen Earl-Grey-Tee entstehen lässt, aber immerhin können Kühlschränke sich schon um den Einkauf kümmern.

Momentan sind die Ressourcen anderswo aber ohnehin besser aufgehoben: Beim Kampf gegen den Klimawandel und der Analyse seiner Folgen. Nur, das ist auch klar, ist die Raumfahrt in diesem Fall eine große Hilfe, aber kein Allheilmittel. Am Beispiel von Hochwassern erklärt Dürr von Airbus in Syke: „Sie können es nicht verhindern, aber wissen, wo sie handeln müssen.“ Und da kommen die Menschen ins Spiel. Gegen fehlenden Willen, hilft keine Technik des Universums.

Erdbeobachtung: Umfasst Aspekte wie Klimaüberwachung und Kartierung. Von Überschwemmung gefährdete Gebiete können früh ausgemacht, die Zugänglichkeit von Gebieten nach Katastrophen wie Erdbeben überprüft werden. 

Satellitennavigation: Dazu gehört auch die Synchronisation von Stromnetzen. 

Satellitenkommunikation: Hauptsächlich zu nennen, ist dabei das Internet. 

Astronautische Raumfahrt: Was klingt, als hätte es nichts mit dem Leben zutun, leistet einen erheblichen Beitrag: Effiziente Fotovoltaikanlagen wurden zunächst für Satelliten entwickelt. Technologie von Assistenzrobotern, die Astronauten bei Einsätzen im All helfen, könnten Einzug in die Pflege erhalten.

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