Zahlen für den Kreis Diepholz drastisch nach oben korrigiert

Füchtlinge: Statt 800 werden es 2500

Die Flüchtlingszahlen für den Landkreis Diepholz mussten dramatisch nach oben korrigiert werden

Syke - Von Heinrich Kracke. Am Freitag ging es turbulent zu im Kreishaus in Diepholz. Kein besinnlich-adventliches Zusammentreffen mit Kaffee und Kuchen, wozu die Verwaltungsspitze die Vertreter aus Städten und Gemeinden zwischen Leeste und Lemförde eingeladen hatte, sondern eines der ganz großen Themen der Gegenwart.

Und am Ende wurde um jeden einzelnen Punkt gerungen, ehe die Abgesandten mit durchaus schwerem Gepäck die Rückreise antraten und in ihren Rathäusern erstmal Bericht erstatteten. Das Land Niedersachsen hat in der Flüchtlingsfrage die neuen Aufnahme-Quoten für die Landkreise festgelegt. Und erneut sind die Zahlen drastisch nach oben korrigiert worden. War man bisher davon ausgegangen, dass die Region bis Ende Januar knapp 800 Asylsuchende aufnehmen wird, so steht inzwischen fest: Es werden 2500 sein. Dies allerdings bis Ende März. Das bestätigte Klaus Speckmann aus dem Kreishaus Diepholz auf Nachfrage des Sonntags-Tipp.

Allein die einwohnerstarken Kommunen des Nordkreises werden bis zum Ende des Winters rund 1800 Flüchtlinge zugewiesen bekommen. Kalkuliert hatten sie bisher mit rund 650. Und ob damit bereits das Ende der Fahnenstange erreicht ist, steht noch in den Sternen. „Die Zahlen sind sehr hoch angesetzt,“ sagt Speckmann, „wir vertrauen und hoffen darauf, dass die neuen Kontingente nicht nur bis Ende März sondern schon einige Monate mehr gelten.“ Was aber tatsächlich genau auf Landkreis und Kommunen zukommt, darüber gebe es nicht ansatzweise Spekulationen. Derweil ist nach Informationen unsere Zeitung auch im Landkreis Diepholz verstärkt mit der Abschiebung von abgelehnten Asylbewerbern begonnen worden. Erste Familien und Einzelpersonen vor allem aus Balkan-Regionen, allen voran Serbien, „sichere Drittländer“ also, haben die Rückreise angetreten. Von einer grundlegenden Entspannung der Situation könne allerdings noch keine Rede sein, sagen Beobachter übereinstimmend.

Erstmals werden die Kommunen im Landkreis Diepholz auch Flüchtlinge aus den Unterkünften auf dem ehemaligen Fliegerhorst-Gelände in Diepholz und aus der Feldstraßen-Schule in Twistringen aufnehmen. Im Erstaufnahmelager in Diepholz sind nach offiziellen Angaben gegenwärtig 220 Menschen untergebracht. Hier ist die erste Welle der Angekommenen bereits vollständig weitergeleitet worden, dies vor allem in den Nordwesten Niedersachsens, ins Emsland zum Beispiel. In Twistringen ist die Anzahl der Angekommenen in den vergangenen fünf Wochen auf 140 angestiegen. Unter anderem wurde jetzt zu Teilen auch die kleine Sporthalle belegt. Noch vor Weihnachten sollen jetzt erste Asylsuchende auf umliegende Kommunen verteilt werden. „Wir gehen davon aus, dass vor allem die unbegleiteten Minderjährigen, die bisher in der Turnhalle untergekommen sind, jetzt auf den so genannten 16er-Trakt verlegt werden können,“ sagt Speckmann.

Generell abgebaut werde die Anzahl der Menschen in den beiden Erstaufnahmelagern wohl noch nicht. Weiterhin sei damit zu rechnen, dass ganze Busladungen mit Schüben von 40 bis 50 Personen die Unterkünfte ansteuerten.

Bisher sind die Asylsuchenden auf die Kommunen nach deren Einwohnerstärke verteilt worden. Dieses Kriterium wird aufgrund der beiden Erstaufnahme-Unterkünfte gelockert. Die Stadt Twistringen muss demzufolge mit weniger dauerhaft unterzubringenden Menschen rechnen.

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