Yared Dibaba sorgt für volles Theater

Niete im Bett – aber schnacken kann er!

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Gewohnt charmant: Yared Dibaba im Syker Theater.

Von Ilse-Marie Voges. Die Syker Literaturwoche war zum Auftakt mit Plattdeutsch am Samstagabend im Theater zu Hause. Gast war Yared Dibaba, der schwarze Plattschnacker aus dem Volk der Oromo im Südwesten Äthiopiens.

Als Bürgerkriegsflüchtling kam er im Alter von zehn Jahren mit seiner Familie nach Deutschland, entdeckte im Oldenburger Land seine Liebe zu Platt. Der Moderator beim NDR ist in vielen Galas und Shows auf der Bühne und im Radio in der Sendereihe „Große Freiheit“ präsent. Sein Auftreten, charmant und schlagfertig, ist beliebt und sorgte auch in Syke für ein volles Haus.

Auftaktveranstaltung der Syker Literaturwoche

Mit „Moin tosomen“ begüßte er die Gäste und ließ das Publikum gleich zu Beginn wissen, dass Platt seine Wurzeln keineswegs in der englischen Sprache habe, sondern eher in Äthiopien, in dem Land, dass er als die „Wiege der Menschheit“ bezeichnete. „In mien Dörp in Oromo snackt man ok Platt, dor leevt sotoseggen de Plattdüütschen ut Norddüütschland.“ Die Vereinnahmung von Englisch im allgemeinen Sprachgebrauch prangerte der gewitzte Moderator an. Man habe in der eigenen Sprache doch genug Worte, um sich ausdrücken zu können. Plattschnacker seien auch teilweise „Klookschieter“ (also Besserwisser), aber irgendwie höre sich alles in der niederdeutschen Sprache weicher an. Beim „Schietwedder“ zum Beispiel. „Seggt se mol ‚Du kannst mi an’n Mors kleien‘ op Hochdüütsch. Dat kummt nich so goot an.“

Dibaba verglich sein Geburtsland mit Norddeutschland. „Dor gifft dat ok grönen Kohl. Nüms bruukt dor op den ersten Frost töven. Gröönkohl hebbt wi dat ganze Johr över“, beteuerte er. In Hamburg lebt der gebürtige Äthiopier mit Frau und Kindern.

Der Moderator nahm sich locker selbst auf die Schippe, suchte den Kontakt zum Publikum und meinte, er sei schließlich der schwarze Entwicklungshelfer für Platt.

Ob denn wohl Lehrer und Bauern im Publikum seien? Bauern nicht, ein Lehrer ja! „Denn sorgt se in’e School dorvör, dat Platt snackt ward. So kann man de Sprooke erholen!“ Wer sich aus der Masse herausheben wolle, könne das bestens auf Platt tun.

Alle fünf Kontinente hat Dibaba besucht und allenthalben Plattschnacker gefunden. Menschen, die vor Generationen Deutschland verlassen, aber ihre plattdeutsche Sprache mitgenommen und weitergegeben haben. Sogar an Indianer! Menoiten in Paraguay beispielsweise.

Es gelte, Vorurteile abzubauen, ließ er das Publikum wissen. „Een swatter Keerl is goot in’n Bett, heet dat. Stimmt nich! Ik bin dor totol ‘ne Niete!“

Dibaba liest nicht, er erzählt erlebte Geschichten aus dem Leben aus aller Welt. Vom Promi-Dinner mit Barbara Schöneberger, vom roten Teppich, eleganten Veranstaltungen und davon, wie eine Frau dort zu ihm sagte: „Du bist wohl der von der Garderobe und kannst schon mal meinen Mantel weghängen.“

Dibaba ist ein Alleinunterhalter, der Humor ernst nimmt. Nach einer Stunde und zwanzig Minuten hätte er gern noch weiter erzählen können. Das Publikum wäre ihm treu geblieben und sparte nicht mit Applaus.

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