Sturmtief-Bilanz

„Xavier“: Verletzte, umgestürzte Bäume und kaputte Autos

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Auf dem Parkplatz der Ratsapotheke in Wagenfeld ist eine uralte, riesige Weide in etwa vier Metern Höhe abgebrochen. Ihre mächtige Krone begrub drei Autos unter sich. Personen kamen nicht zu Schaden. Neben der Beseitigung umgestürzter und abgebrochener Bäume wurde die Ortswehr zu einem Schornsteinbrand gerufen.

Landkreis - Von Detlef Voges und Julia Kreykenbohm. Marco Schablowski von der Einsatzleitung vor Ort lehnt sich seitlich aus dem roten Einsatzfahrzeug, das in der Feuerwehrhalle in Syke steht und ruft: „Ristedter Straße, Baum auf der Straße!“ Eine Feuerwehrfrau schreibt es auf ein Whiteboard, setzt die Uhrzeit daneben und gibt dem Einsatz eine Nummer. Die Liste ist schon recht lang und wird nach und nach von den etwa 80 Freiwilligen Feuerwehrleuten aller zehn Ortswehren und den zehn Mitarbeitern des Bauhofes abgearbeitet. Natürlich richtet sich die Einsatznummer auch immer nach der Dringlichkeit.

Das Syker Feuerwehrhaus ist gestern zur Einsatzzentrale geworden, um die Kreisleitstelle in Diepholz zu entlasten, die von Notrufen geradezu bombardiert wurde. Der Grund: Sturmtief „Xavier“, der im ganzen Landkreis für zahlreiche Schäden und Verkehrsbehinderungen sorgte, und auch den Bahnverkehr lahmlegte. So mussten über 300 Passagiere eines IC über Stunden im Bahnhof Diepholz ausharren und wurden von der Feuerwehr und dem DRK versorgt.

„Gegen 12.15 Uhr kam die erste Alarmierung aus der Samtgemeinde Altes Amt Lemförde, im Anschluss folgten bis 16 Uhr mehr als 200 weitere Einsätze“, berichtet Kreisfeuerwehr-Pressesprecher Matthias Thom. „In zehn von 15 Städten und Gemeinden wurde Sonderalarm ausgelöst. Alle Feuerwehren waren im Einsatz und wurden zentral jeweils über örtliche Einsatzleitung koordiniert. Diese Form ist vorgesehen, wenn die Anzahl der Notrufe von der Leitstelle trotz Personalverstärkung nicht mehr alleine abgearbeitet werden können.“

Auch die B6 war vom Sturm betroffen.

Die Syker richteten ihre Zentrale gegen 13 Uhr ein. Die meisten Anrufer meldeten Äste oder Bäume auf den Straßen, und die Stadt Syke war zeitweise ohne Strom, berichtet Stadtbrandmeister Stefan Schütte. Der schlimmste Fall, der ihm bislang zugetragen wurde, sei der Sturz eines Baumes auf ein Auto gewesen, in dem noch zwei Personen saßen. Beide blieben wohl unverletzt, mussten aber von der Feuerwehr befreit werden.

VW Beetle von Ast getroffen

Weniger Glück hatte die Fahrerin eines Beetles auf der B 51 im Süden von Diepholz. Ihr Fahrzeug wurde während der Fahrt von einem Ast getroffen und die Frau leicht verletzt.

Ebenfalls Verletzungen trugen vier Personen bei einem Verkehrsunfall auf der A 1 zwischen Groß Mackenstedt und Brinkum mit vier beteiligten Lastwagen davon. In Döhren fiel ein Baum auf ein Auto. Auch dort kam eine Person zu schaden. In Heiligenloh stürzten ebenfalls Bäume auf Autos. Die Feuerwehr Fahrenhorst wurde in die Straße Im Waldwinkel gerufen, wo ein Baum auf ein Haus gekippt war.

„Xavier“ wütet über Niedersachsen und Bremen

Ohne Strom waren in den Mittagsstunden auch zahlreiche Haushalte unter anderem in Eydelstedt, Aldorf und Bockstedt. Der Discounter Lidl an der Osnabrücker in Barnstorf war ebenfalls betroffen.

In Weyhe hat sich der Sturm das Trampolin von Familie Rullhusen am Bollmannsdamm geschnappt und es über Maisfelder und Bauernhöfe gepustet, obwohl es mit Steinplatten gesichert war. Der Ausflug endete ungefähr 800 Meter entfernt. In Sicherheit bringen musste die Familie auch zwei Ponys vor einer durch „Xavier“ instabil gewordenen Kastanie. Apropos Tiere: Der Tierpark Petermoor wird in den kommenden Tagen geschlossen bleiben, weil die Mitarbeiter zunächst die Sturmschäden beseitigen müssen.

Jahrhundertealte Eichen umgekippt

In Nienstedt hat der Sturm jahrhundertealte Eichenbäume umgekippt und dabei eine alte Fachwerkscheune zerstört.

Von allen Stürmen, die der Syker Stadtbrandmeister bisher erlebt hat, stuft er „Xavier“ eher als mittelschwer ein. „Schlossweide ist abgearbeitet!“, ruft Marco Schablowski in die Feuerwehrhalle, in der es inzwischen ruhiger geworden ist. Mit einem roten Stift wird der Punkt auf der Liste durchgestrichen, die mittlerweile an die 70 Einsätze zeigt. Doch selbst zur Hochzeit sei es zwar hektisch, aber koordiniert abgelaufen, sagt Schütte. Seine Kameraden hätten aber auch inzwischen Erfahrung. Einsätze aufgrund von Extremwetterlagen kämen immer häufiger vor.

Stolz ist er auf die 80 ehrenamtlichen Feuerwehrleute, die alle – teilweise von ihren Arbeitsstellen – gekommen sind, um zu helfen. „Es ist toll, so motivierte Kameraden zu haben. Dank ihres Einsatzes ist alles gut verlaufen“, lobt Schütte.

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