Schiedsmann Werner Orthmann tritt nach 15 Jahren ab

Den Wurzeln des Konflikts auf der Spur

Konflikte „übern Gartenzaun“ sind Werner Orthmann nicht fremd: Viele seiner Fälle als Schiedsmann befassten sich mit Nachbarschafts-Streitigkeiten. Ein dicker Ordner an Unterlagen ist im Lauf der Jahre zusammengekommen. Nach 15 Jahren hat der Syker sein Ehrenamt aufgegeben.
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Konflikte „übern Gartenzaun“ sind Werner Orthmann nicht fremd: Viele seiner Fälle als Schiedsmann befassten sich mit Nachbarschafts-Streitigkeiten. Ein dicker Ordner an Unterlagen ist im Lauf der Jahre zusammengekommen. Nach 15 Jahren hat der Syker sein Ehrenamt aufgegeben.

Syke - Von Frank Jaursch. Meist sind es Kleinigkeiten: der Gestank beim Grillen, die laute Musik, die aufs Nebengrundstück ragenden Äste. Ein Wort gibt das andere. Und schon ist ein Streit im Gange, der die Atmosphäre unter Nachbarn auf Jahrzehnte vergiften kann. Bevor ein solcher Streit vor Gericht landet, kommt eine Schiedsperson zum Einsatz. In Syke waren das seit vielen Jahren Werner Orthmann und Gerhard Krüger. Nun hat ein Nachfolge-Trio das Ehrenamt übernommen.

Doris Strozny ist seit Kurzem die neue Schiedsfrau in Syke, sie wird vertreten durch Heino Hassel und Uwe Möller. Horst Meyer, Leiter des Syker Ordnungsamtes, freut sich über so viel Bereitschaft: „Lange gab es kaum jemanden, der bereit war, dieses Amt zu übernehmen. Dass sich jetzt gleich drei zur Verfügung stellen, ist schon eine besondere Situation.“

Die drei Syker Bürger haben zwar schon Erfahrungen im Bereich Mediation; was allerdings in ihrem neuen Bereich auf sie wartet, dürfte auch für sie eine Überraschung werden. Einen Einblick erhalten sie aus den Schilderungen von Werner Orthmann. Der hat 15 Jahre lang in Syke „geschiedst“. Sein Stellvertreter Gerhard Krüger ist sogar noch vier Jahre länger dabei gewesen.

Probleme liegen meist tiefer, als es auf den ersten Blick scheint

„Es war ‘ne schöne Zeit“, blickt Orthmann zurück. „Ich hab viel dabei gelernt über die Menschen.“ Auf mehr als 100 Fälle ist er seit seinem Antritt gekommen. Bemerkenswert ist seine Erfolgsquote: Bei rund 80 Prozent der Fälle erzielte er eine Einigung. Bundesweit liegt diese Quote nur zwischen 50 und 60 Prozent.

Worin liegt das Geheimnis des 68-Jährigen? Orthmann zuckt mit den Schultern. „Ein bisschen mit Ruhe rangehen“, sagt er, „und austesten, was die Parteien überhaupt für ein Problem haben.“ Das nämlich liege oft viel tiefer als der augenscheinliche Stein des Anstoßes.

Im Lauf der Jahre habe er zudem gelernt, „die Leute reden zu lassen – und sich nicht vorschnell eine eigene Meinung zu bilden“. Denn beim Gespräch mit der Gegenseite stelle sich eine Situation oft ganz anders dar. Und noch eine Erkenntnis: Kein Streit ist zu banal, um ernstgenommen zu werden. „Für unsereins ist das manchmal Kleinkram“, betont Orthmann, „aber für die Leute ist das wichtig.“

Suse Laue dankte Orthmann und Krüger für ihre Bereitschaft zur Hilfe. „Es ist ein Amt, das so grau nebenher läuft, aber unendlich wichtig ist“, erklärt die Bürgermeisterin. Auch Elisabeth Kruthaup. die Direktorin des Amtsgerichts, weiß, was sie an den Schlichtern hat. Ohne ihre Arbeit würden weitaus mehr Fälle auf ihrem Tisch landen. So bleiben nur die harten Fälle. Und für die führt auch das Gericht meist keinen Vergleich mehr herbei.

Gefragt: Menschenverstand

Auch wenn sich viele Fälle ähneln: Einige außergewöhnliche Aktionen sind dem ehemaligen Schiedsmann besonders in Erinnerung geblieben. Wie der Fall, bei dem ein Mann seiner Ex-Frau nachstellte und von seinem Ex-Schwiegervater mit der Forke vom Hof gejagt wurde. Oder von der alleinstehenden Dame, die gegen ihre Einsamkeit streunende Katzen fütterte – und schließlich zum Leidwesen der Nachbarschaft 30 Tiere angelockt hatte.

Neben seiner Tätigkeit in Syke hat Werner Orthmann auch den Posten als Geschäftsführer in der Bezirksvereinigung Verden beim Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen abgegeben. Seinen Nachfolgern gibt er aufmunternde Worte mit auf den Weg. „Schiedsleute müssen nicht unbedingt ganz sattelfest in Rechtsfragen sein“, betont er. „Es reicht, wenn man mit vernünftigem Menschenverstand rangeht.“

Den Einstieg in ihr Amt hat für Doris Strozny schon begonnen: Die ersten beiden Fälle liegen schon vor. „Vielleicht“, hofft Orthmann mit einem Schmunzeln, „halten Sie’s ja ja auch so lange aus wie ich.“

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