Was wurde aus den Bildern, die Gottlieb Pot d‘Or in Syke schuf?

Vergängliche Kunst am Bau

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Gottlieb Pot d'Or

Syke - Von Heiner Büntemeyer. Dass Kunst vergänglich ist, beweisen mehrere Werke des Schweringer Künstlers Gottlieb Pot d‘Or. (1905 – 1978). Er hatte in den 60er-Jahren, als „Kunst am Bau“ Bestandteil öffentlicher Bauvorhaben war, zahlreiche Aufträge erhalten. Dazu zählten 1960 in Barrien zwei Wandbilder im Speisesaal des DRK-Seniorenheims, das 1961 geschaffene Glasfenster in der damals neu errichteten Friedhofskapelle, 1965 zwei Wandbilder und die Deckenverkleidung in der Barrier Schule sowie ein Jahr später zwei Wandobjekte im Forum der jetzigen Hacheschule.

Gottlieb Pot d‘Or war ein vielseitiger Künstler. Auf Anregung des Worpsweder Malers Heinrich Vogeler studierte er Kunst an der Kunstgewerbeschule in Bremen. Auf seinen Studienreisen besuchte er Rom und Florenz, er bereiste Holland, Dänemark, Frankreich und England. 1932 wurde er in Schweringen sesshaft.

Künstlerisch war er nie festgelegt, er malte und zeichnete, gestaltete Glasfenster und schuf Reliefs. Sogar als Theaterregisseur war er tätig. Aber die Mehrzahl seiner Werke waren Gemälde und großformatige Wandbilder. Inspiriert von Malern wie Kokoschka, Chagall und Picasso näherte er sich dem Expressionismus, dem Kubismus und dem Surrealismus. Dabei entwickelte er seinen ganz persönlichen Stil zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion.

1966, als die Hacheschule eingeweiht wurde, schuf Pot d‘Or dort in kräftigen Farben zwei große, wie ein Puzzle gestaltete Wandobjekte. Das erste zeigte einen Traktor mit Fahrer, Kindern und einem Hund. Auch das zweite Bild war so gestaltet, dass es sich Kindern erschloss. Es zeigte spielende Kinder, Katzen und Hühner.

Grund genug, nachzufragen, was nach 50 Jahren aus den Werken geworden ist. Schulleiter Bruno Ehrich war darüber erstaunt, denn solche Kunstwerke hatte er an seiner Schule noch nicht entdeckt. Aber Konrektorin Christiane Bier erinnerte sich: „Die hingen bei uns im Forum!“ Das heißt, dass sie jetzt dort nicht mehr hängen. In der Tat: Sie liegen auf dem Speicher der Schule. Immerhin, sie sind offenbar noch vorhanden.

Aus dem DRK-Seniorenheim in Barrien verschwand eines von zwei Wandbildern schon 1960 bei einem Umbau. Das zweite hing im großen Speisesaal. Es zeigte drei Personen. Zwei von ihnen musizieren, während die dritte Person ganz entspannt in liegender Haltung zuhört.

Bröckeliger Putz –

brüchiger Kleber

Leider ist es im Zuge der Umbauarbeiten vor drei Jahren „über die Wupper gegangen“, wie der ehemalige Heimleiter Klaus Richter es ausdrückt. Er habe seinerzeit versucht, es zu retten, aber die Baufachleute überzeugten ihn davon, dass der Putz, auf dem es gemalt war, zu bröckelig war.

Auch an der Barrier Grundschule wird kräftig gearbeitet, aber die Pot-d‘Orschen Decken- und Wandobjekte sind noch vorhanden. Die Betonung liegt auf „Noch“, denn es ist beabsichtigt, diese in den Osterferien ebenfalls zu entfernen.

Das farbenfrohe Wandbild im ehemaligen Durchgang zum Altbau hat unter den Bauarbeiten gelitten, weist im oberen Bereich einen kräftigen Riss auf. Außerdem wurde der Trinkbrunnen, der vor dem Bild stand, entfernt und hinterließ darauf seine Umrisse in Form einer kahlen Fläche. Aber jetzt sind auch die Deckenplatten „abgängig“, wie es in der Fachsprache lapidar heißt. Der Kleber ist brüchig geworden und soll schadstoffbelastet sein.

Ob es einen Aufschrei geben wird, wenn dieses Kunstwerk entfernt wird, ist fraglich. Eigentlich hat es mehr als 60 Jahre an der Decke gehangen, ohne dass es in irgendeiner Form künstlerische Einflüsse auf Lehrkräfte und Schüler ausgeübt hat. Es handelt sich um etwa 60 Faserplatten, die nebeneinander angebracht wurden, aber kein Mosaik bilden.

Auch wenn die Arbeiten von Gottlieb Pot d`Or nicht jedem gefielen: Das kann Kunst nicht leisten, das ist auch nicht ihre Aufgabe, aber man konnte darüber ins Gespräch kommen. Und das wird bald vorbei sein.

Wahrscheinlich müssen Lehrkräfte und Schulkinder in der umgebauten Grundschule jetzt selbst für Kunst am Bau sorgen.

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