Walter Sittler und Mariele Millowitsch im Syker Theater

„Alte Liebe“: Wunderbar unterhaltsame Szenen einer Ehe

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Harmonieren gut miteinander: Mariele Millowitsch und Walter Sittler.

Syke. - Von Ilse-marie Voges. „Wie alt muss man werden, um seine Frau zu verstehen?“, fragte Walter Sittler am Dienstagabend im Syker Theater ins Publikum. Geantwortet hat niemand. „Sehr alt!“, hat vielleicht manch Ehemann gedacht. Oder anders: „Mann“ versteht „sie“ gar nicht!

Die Lesung aus „Alte Liebe“ nach dem Roman von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder war reales Zeitgeschehen und wohl bekanntes Terrain für viele Leute, die in ihrer Ehe - besonders beim Älterwerden - entdecken, was ihnen gefehlt hat, was tägliche Gewohnheit geworden ist und wie die Liebe vom Alltag überholt wird.

Mariele Millowitsch überzeugte als besorgte Mutter, Walter Sittler auf seine bekannt unaufgeregte, ruhige Art. Beide Schauspieler beeindruckten das Publikum im ausverkauften Syker Theater. Auf der Bühne benötigten sie lediglich Tisch, Stuhl und Leselampe, um das Publikum zu fesseln - mit einer Geschichte, die zu einem bunten Strauß gegenseitiger Vorwürfe, bissiger Kommentare, von Ängsten, aber auch vergnügten Kommentaren zusammenwächst.

Lore und Harry sind beide schon im Rentenalter. Lore arbeitet immer noch in der Bibliothek. Gloria, die einzige Tochter des Paares, will heiraten. „Der Mann ist wohlhabend, ist steinreich und macht sie glücklich“, sagt die Mutter. Das sieht Vater Harry anders. „Er ist ein Großkotz, und es wird ihre dritte Ehe. Ich fahre da nicht mit hin.“ Lore kann es nicht fassen. Es ist immerhin ihre einzige Tochter.

Lore, die sich auf eine Lesung mit Martin Walser freut, wird von Harry aufgezogen. „Du verblödest bei dem arroganten Martin.“ - „Und du beim Golfspielen“, ruft sie. Szenen einer Ehe.

Getrennte Schlafzimmer eingerichtet

Lore liest Todesanzeigen in der Zeitung, Harry Politik und Sport. Das Alltagsleben ist geprägt von Harrys geliebter Gartenarbeit und vom Besuch bei Lores kranker alter Mutter, die seit Jahren im Heim liegt. Die Eheleute haben inzwischen getrennte Schlafzimmer, reden über Patientenverfügungen, streiten und vertragen sich.

Am Ende fährt Harry doch mit zur Hochzeit seiner Tochter. Die anderen Gäste der Hochzeitsgesellschaft empfinden beide als oberflächlich. Die Eheleute ziehen sich in ihre Hotel-Suite zurück, genießen ein heißes Bad, Champagner, eine heiße Nacht und reisen am Morgen ab.

„Ich möchte mich noch mal verlieben“, träumt Lore laut. „Warum nicht noch mal im Alter heiraten? Hat Gerd Schröder doch auch gemacht.“ Harry sieht das anders. „Das Schönste am Zusammenleben ist der Satz ,Weißt du noch?‘“, lächelt er. Und dann sagt er: „Ich liebe dich! Obwohl - ich bin ein sturer alter Zausel geworden.“ Das Paar findet zurück zum Einklang im Alter. Harry macht seiner Lore wieder Komplimente.

Lore stirbt nach einem Herzstillstand. Harry leidet still und verspricht sich und der Partnerin, dass er all ihre Bücher lesen will, die besonderen, die auf dem kleinen Sekretär stehen. Er will all ihre persönlichen Sachen behalten. Sittler spielt auch diesen Part überzeugend und berührend.

Mit lang anhaltendem Beifall revanchierte sich das Publikum für einen wunderbar unterhaltsamen Abend.

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