Der digitale Zwilling hilft

WS-System beim Business Lunch: „Menschen sind zu wichtig für blöde Arbeiten“

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Zack, und da klebt das Namensschild. Gastgeber Constantin von Kuczkowski (rechts) macht den Referenten des Tages Jörg Naffin startbereit für dessen Auftritt beim Business-Lunch.

Syke - Von Michael Walter. In ungewohnt kleiner Runde kamen gestern Vertreter Syker Unternehmer zum Business-Lunch im Restaurant Da Nino zusammen. Lediglich 18 Teilnehmer und damit nicht mal halb so viele wie üblich hatten sich angemeldet. „Liegt wohl am speziellen Thema“, vermutete Gastgeber Constantin von Kuczkowski von der Syker Außenstelle der IHK Hannover. „Industrie 4.0“ lautete das. „Und viele glauben, dass das nur die Großen betrifft.“

Den Gegenbeweis wollte Jörg Naffin antreten. Er arbeitet im Vertrieb der Firma WS-Systems aus Seckenhausen. „Raten Sie mal, was die mit Bosch und Siemens gemeinsam haben“, forderte Kuczkowski seine Gäste auf. Die Antwort gab er gleich selbst: „Alle haben den Industrie 4.0-Award 2017 bekommen.“ Und das sei für ein kleines regionales Unternehmen höchst ungewöhnlich.

„Wir sind auf den ersten Blick ein klassischer Montagebetrieb“, stellte Naffin seinen Arbeitgeber vor. Sein Chef vertrete die Ansicht: „Menschen sind zu wichtig für blöde Arbeiten.“ In der Folge habe er sich zum Ziel gesetzt, einfache, stupide, monotone und vielleicht auch gefährliche Arbeiten von seinen Mitarbeitern fernzuhalten. Beispielsweise mithilfe von Cobots.

„Das sind im Prinzip Leichtbau-Roboter, die mit einem Menschen zusammenarbeiten“, erklärt Naffin und greift auf einen bildhaften Vergleich zurück: „Wie ein digitaler Zwilling auf der Schulter.“

„Wir können Menschen höherwertige Aufgaben geben“

Praktisches Beispiel: Sein Unternehmen baut Türgriffe für einen Kleinwagenhersteller. Bei der Baugruppenmontage und der Qualitätskontrolle unterstützt eine Datenbrille den Werker. Der digital vernetzte Montagearbeitsplatz ist mit diversen Sensoren, Kameras und Wiegezellen ausgestattet. Das elektronische Assistenzsystem begleitet den Werker durch den Montageprozess und beobachtet dabei seine Tätigkeiten. Über die Datenbrille (ähnlich wie beim Head-up-Display im Auto) erhält der Werker Anweisungen und Korrekturhinweise, sofern ein Montagefehler vorliegt. Hierbei unterstützt uns der digitale Zwilling.“

„Ja, ihr wollt doch nur Personal einsparen“, komme da häufig als Vorwurf, sagt Naffin. „Stimmt nicht. Wir haben nur keine Lust auf Troubleshooting. 80 Prozent aller Vorgänge laufen glatt und erfordern nur 20 Prozent der Aufmerksamkeit. Die restlichen 20 Prozent der Vorgänge erfordern 80 Prozent Aufmerksamkeit. Und das wollen wir nicht.“

Naffin weiter: „Sicherlich werden durch Digitalisierung Arbeitsplätze wegfallen.. Aber es entstehen neue mit größerer Kompetenz. Wir können Menschen höherwertige Aufgaben geben.“

Ja: Durch solche Systeme seien auch negative Produktionskontrollen möglich, bestätigt Naffin. Nach dem Motto: Dein Kollege braucht für einen Arbeitsschritt zehn Sekunden weniger als du. „Das wollen wir aber nicht. Weil sofort die Qualität darunter leidet, wenn es nur noch ums Zusammenkloppen von Teilen geht.“

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