Wortgewalt ohne viel Gedöns

Comedian Jens Heinrich Claassen im Gleis 1

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Gut gelaunt auf einer seiner Lieblingsbühnen: Jens Heinrich Claassen bei seinem Auftritt im Gleis 1.

Syke - Von Angelika Kratz. Dreimal ist Bremer Recht. Das gilt auch für Comedian Jens Heinrich Claassen. Der hatte gerade sein Traumschiff Aida verlassen und Zeit, mal wieder in Syke vorbeizuschauen. Schließlich ist das Gleis 1 eine seiner Lieblingsbühnen!

Angereist war er nicht mit der Bahn; vielmehr, so beteuerte er, parke er seinen schlichten Maybach vor der Tür, denn die Schlüssel für den neuen Einser-BMW erhalte er erst am Mittwoch. Man musste Claassen nicht alles abnehmen. Abgenommen hatte er schließlich selbst reichlich – das war unter dem viel zu großen orangefarbenen Ernie-T-Shirt unübersehbar.

„Freuen Sie sich, dass ich da bin“, begrüßte Claassen seine Gäste sehr selbstbewusst. Erstaunlich, denn er brachte doch laut Programmankündigung nur Durchschnitt mit nach Syke. Die 13 Zentimeter eines durchschnittlichen Mannes sollten dabei, so versicherte er, nicht vom Sex handeln. „Oh“, klang es leicht enttäuscht aus dem Publikum.

„Ich habe noch nie eine Frau geküsst“

Und wie groß ist denn nun der Durchschnitt? Die Zuschauer zeigten selbst zwischen Daumen und Zeigefinger an, was sie unter 13 Zentimetern verstehen. Die vielen unterschiedlichen Auffassungen passten genau zum Thema.

Der Münsteraner verstand es einmal wieder, seine Zuhörer ohne großes Gedöns aus dem Alltag zu entführen – und ihn einfach lieb zu haben. „Ich habe noch nie eine Frau geküsst“, fast mochte man ihm glauben. Aber nur, bis er seinen Freund Bernd ins Spiel brachte, seinen geliebten „Krummsäbel und Zitteraal“, der nur in Calvin Klein geparkt sei. Da war dann doch die erotische, leicht versaute Nummer, auf die das Publikum heimlich gewartet hatte. Auch auf den ersten Blick harmlose Typen im Sesamstraßen-T-Shirt sind tief wie stille Wasser. Beweis: Jens Heinrich Claassen aus Münster.

„Seid dankbar, hier zu wohnen“

„Träume nicht dein Leben, ich träume immer so einen Scheiß!“, gab es die Warnung an alle – gefolgt von der kreativen schwedischen Übersetzung des Pippi-Langstrumpf-Lieblingssongs mit einem Blick in den Ikea-Katalog. So schien die Aufzählung von Köttbullar, Billy & Co. fast einen Sinn zu ergeben.

„Jeder, der durchschnittlich ist, kann was“, kam die Mutmachthese, denn schließlich könne er selber schnarchen. „Ach Jens sieh ein, du bist kein Hauptgewinn“, sang das begeisterte Publikum mit. Dem folgte ein Entschuldigungslied an die Eltern, den Rosenkohl und Spinat und die sich daraus sicherlich ergebende Frage, ob man über den Wolken erreichbar sein muss. Kleine ernsthafte Augenblicke zum Nachdenken über Beziehungen knüpfte Jens Heinrich Claassen mit ein und wurde beim Gedanken an seinen verstorbenen Vater ein wenig leiser.

„Lasst Kinder Kinder sein, seid dankbar, hier zu wohnen“, gab es mit auf den Weg. Was Butter, ein Lampenschirm, Groko, Elefant, Käsefuß und Besamungstechniker melodisch verbindet, erlebte das Gleis 1 zum Abschluss eines überaus lebendigen Comedian-Abends.

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