Philsophisch-skurrile Betrachtungen von Martin Herrmann in der Wassermühle

Wortakrobat mit Taschenharfe

Mal nur mit Worten, mal mit Gitarre: Martin Herrmann - Foto: Jantje Ehlers

Barrien - Von Dagmar Voss. Durch die komisch-satirische Brille die Weihnachtszeit betrachten: Das macht Jahr für Jahr Anfang Dezember den „alternativen Nikolausabend“ in der Barrier Wassermühle aus. Diesmal gab es eine Premiere: Zum ersten Mal war Martin Herrmann zu Gast.

Unkonventionell, wortgewandt und immer mal wieder mit Gitarre nahm er den Weihnachtsgeschenk-Terrorismus aufs Korn. Mit schrägem Liedgut, witzigen Wort- und Satzkombinationen und jeder Menge Tipps und Tricks. Dazu gesellten sich philsophisch-skurrile Betrachtungen zu Familie, Müttern, Vätern und Beziehungen. Mal aus seiner rechten, der „Sprech-Ecke“, dann aus der linken „Liedermacher-Ecke“ der Kleinkunstbühne.

Bevor Martin Herrmann aber seine Geschenke auspackte, musste er noch schnell betonen, dass er mit seiner doppelten Männlichkeit gebeutelt sei – Herrmann, als Herr und Mann, also quasi ein Östrogen-Seismograph. Und dann komme auch noch der Martin dazu, der Heilige, der für die Heiligkeitsprüfung seinen Mantel zerteilte. Typisch Mann eben, denn da sind ja wahrscheinlich beide in der kalten Winternacht erfroren. Frauen seien da klüger, die hätten den Armen, dünn Bekleideten bestimmt mit nach Hause genommen zum Wärmen.

Selbstredend durften da klassische, leicht abgewandelte Gesänge nicht fehlen wie „Morgen kommt der Weihnachts-Herrmann“. Im Sack hatte er unter anderem eine höchst moderne Kopfbedeckung, das Stringkopftuch. Also ein Stück Seil, das er um sein Haupt schlang. Ob davon jemand geil werden kann, blieb offen. Aber dafür stimmte er sein Lied „Turbogeil“ an; Klangliches zum Überschreiten der Lichtgeschwindigkeit, anonyme Überholiker und die Quintessenz: „Turbo ergo sum“.

Immer wieder in hoher Geschwindigkeit auch Herrmanns Wortspielereien. So das „bayerische Krippenspiel zu zügigem Blues“, bei dem sich herausstellt, dass die Heilige Familie schon damals ziemlich modern war. Patchwork mit fremdem Vater, der sich schnell verdrückte – und schließlich noch eine groteske Werbung für Windeln.

Urkomisch wurde es beim Lied über die Welt der Harmonien und Dissonanzen. Gespielt auf einer „tibetischen Taschenharfe“, also einem Eierschneider. Herrmanns Empfehlung an die Männer: „Spielen Sie das dreimal, dann fällt die Umworbene sicher ins Nirwana.“

Für die überzeugten Krawatten-Täter zum Fest hatte er seine ganz eigene Erfindung dabei, die Gürtelkrawatte. Immerhin weist sie, am Gürtel befestigt und steif gemacht, nach oben zum Gehirn. Die Botschaft lautet – im Gegensatz zur klassischen Krawatte mit dem Richtungszeiger nach unten: „Ich kann auch denken.“

Den Kontrast lieferte Martin Herrmanns „Viagra-Lied“ mit dem Refrain: „Runter mit der Pille, Schwänzchen in die Höh.“

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