Falsche Zahlen vom RKI

Wochenlang zu niedrige Inzidenzwerte: Kreis Diepholz bereits seit 12. April über 100er-Grenze

Ein Berechnungsfehler beim Robert-Koch-Institut (RKI) hat allem Anschein nach dafür gesorgt, dass der Landkreis Diepholz seit Wochen zu niedrige Inzidenzwerte übermittelt bekommen hat. Mit schwerwiegenden Folgen.

  • Robert Koch-Institut ermittelt Sieben-Tage-Inzidenz aus nur sechs Werten.
  • RKI verweist auf „Meldeverzug“.
  • Landkreis Diepholz ruft Krisenstab des Landes zur Klärung an.

Syke – Nach Recherchen dieser Zeitung sorgten die falschen Werte dafür, dass im Landkreis Diepholz der Inzidenzwert lange unter der für die „Bundes-Notbremse“ wichtigen Marke von 100 blieb, obwohl die tatsächliche Anzahl der Meldungen des Gesundheitsamtes deutlich höher lag.

Unklar blieb am Wochenende zunächst, ob der Landkreis Diepholz mit einer Allgemeinverfügung auf die Entwicklung reagieren würde. Der massive Ausbruch in einem landwirtschaftlichen Betrieb in Kirchdorf machte diese Überlegungen letztlich hinfällig, da der Landkreis selbst mit den falschen Berechnungen drei Tage in Folge über der Grenze von 100 lag und somit ab Mittwoch die Notbremse gelten dürfte. Nach den Berechnungen der Kreiszeitung lag der tatsächliche Inzidenzwert – beruhend auf den Meldungen des Gesundheitsamtes des Landkreises – bereits seit dem 12. April konstant über 100.

Das Robert Koch-Institut.

Für Freitag hatte das RKI einen Inzidenzwert von exakt 100 gemeldet, nach Berechnungen der Kreiszeitung lag der wirkliche Wert aber bei 127. Wie eine Sprecherin des Landkreises mitteilte, habe man am Freitag den Krisenstab des Landes angerufen – mit der Bitte um Aufklärung, welche Werte denn nun tatsächlich gelten.

Keine RKI-Antwort auf Nachfragen des Landkreises

Die Diskrepanz zwischen den Werten hatte bereits in den vergangenen Wochen für Verwirrung gesorgt. Mediennachfragen hatte das RKI stets mit dem Hinweis auf den „Meldeverzug“ einzelner Landkreise beantwortet. Auch der Landkreis Diepholz selbst hatte wegen der „zum Teil deutlichen Unterschiede“ zwischen den Werten des niedersächsischen Landesgesundheitsamts (NLGA) und des RKI nachgefragt, aber keine Antwort vom Institut bekommen.

Das Robert-Koch-Institut selbst erklärte in einer Stellungnahme, in den Werten keinen Rechenfehler zu sehen. In den Erläuterungen der RKI-Veröffentlichungen werde darauf hingewiesen, dass „durch Meldeverzug eine gewisse Unterschätzung“ der Sieben-Tage-Inzidenz entstehe, meinte eine Sprecherin jedoch.

Landkreis: Haben rechtzeitig gemeldet

Täglich melden die Gesundheitsämter ihre Werte dem Landesgesundheitsamt; dort werden die Zahlen einer Plausibilitätsprüfung unterzogen und gehen dann weiter an das RKI. Warum das Institut in den vergangenen Wochen regelmäßig die Diepholzer Werte nicht rechtzeitig erhalten hat, blieb am Wochenende unklar. Der Landkreis Diepholz betonte, die Werte über eine Meldesoftware rechtzeitig an das Landesgesundheitsamt weitergeleitet zu haben.

Wie aus den Rohdaten des RKI ersichtlich ist, betrifft der Rechenfehler nicht nur den Landkreis Diepholz. Wie viele Landkreise oder kreisfreie Städte zu niedrige Werte vom RKI erhalten haben, ist derzeit noch unklar.

Sechs-Tage-Inzidenz statt Sieben-Tage-Inzidenz

Entstanden sind die falschen Werte offenbar durch das Fehlen der aktuellen Tagesmeldungen des Landkreises in den RKI-Datensätzen. In diesen Fällen setzte der Algorithmus offenbar eine Null an die Stelle und verwendete damit statt sieben lediglich sechs Werte, um den Inzidenzwert zu errechnen.

Rubriklistenbild: © dpa/L. Ferstl

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