Expertentag in der Realschule

Wissen, worauf es bei der Berufswahl ankommt

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Die Präsentationen von Ikea gehörten gestern zu den meistgebuchten beim Expertentag an der Realschule.

Syke - Von Michael Walter. So ändern sich die Zeiten: Als die Realschule vor Jahrzehnten ihren „Expertentag“ erfand, musste Albert Bülter – damals Fachschaftsleiter Arbeit, Wirtschaft und Technik im Kollegium – noch ganz schön Überzeugungsarbeit leisten, um Ausbilder aus den Betrieben in der Region an die Schule zu holen. Heute kann sein Nachfolger Christian Reincken deutlich entspannter an die Arbeit gehen.

Das liegt nicht nur daran, dass sich diese Veranstaltung zur Berufsorientierung längst etabliert hat. Im Zeichen des Fachkräftemangels ist sie für viele Ausbildungsbetriebe eine willkommene Plattform, um sich zu präsentieren und sich für gute Bewerber attraktiv zu machen.

Gestern waren es Ikea, BASF, Cordes & Graefe, die AOK, die Volksbank, das Syker Finanzamt, Könenkamp & Eickhoff, Airbus und das Mercedes-Benz-Werk Bremen, die mit Ausbildern und mit Auszubildenden an die Schule gekommen waren. Je zwei davon konnte jeder der knapp 110 Schüler des neunten Jahrgangs auswählen und sich über die verschiedenen Ausbildungsberufe in den Betrieben informieren. Und wie man überhaupt an sie ran kommt.

„Wir wollen, dass unsere Schüler diese Informationen eben nicht von den Lehrern bekommen, sondern aus erster Hand, von ortsansässigen Unternehmen“, sagt Schulleiter Rolf Rosenwinkel. „Die Schüler glauben den Experten mehr als uns, worauf es ankommt und worauf ein Betrieb bei einer Bewerbung achtet.“

Das Sozialverhalten zählt

Das sind zum Beispiel (Eltern jetzt bitte beim nächsten Absatz weiterlesen!) gar nicht mal so sehr die Schulnoten, sondern vielmehr das Sozialverhalten. „Die Zensuren könnten wir verbessern, das andere eher nicht“, sagt etwa Jens Winkler. Er ist Meister in der Ausbildung beim Bremer Mercedes-Werk. Von den rund 400 Azubis in der Fabrik betreut er ab dem neuen Ausbildungsjahr 70. Teamfähig und zuverlässig sollen die Azubis sein. Darüber sagen Zensuren wenig, aber die Bemerkungen im Zeugnis viel. Unentschuldigte Fehltage können zum Beispiel ein Killerkritrium sein.

Warum kommt Bremens größter Arbeitgeber ausgerechnet an die Syker Realschule zu so einer Informationsveranstaltung?

Die Angst vor dem Bewerben nehmen

„Wir suchen für 2018 etwa 150 Auszubildende in acht technischen Berufen“, erklärt Winkler. „Hauptschüler, Realschüler und Abiturienten. Wir wollen eine gute Durchmischung haben. Und dafür müssen wir uns zeigen, um Interesse zu wecken. Wir wollen den Schülern die Angst nehmen, sich zu bewerben, auch wenn sie nicht so ein super Zeugnis haben.“

Die Schüler nehmen das wahr. „Die haben hier schon alle ziemlich Interesse, Werbung für sich zu machen“, sagt etwa Deborah Bruns. Die 15-Jährige hat sich zuerst die Präsentation von BASF angehört. Ihre Mitschülerin Emily Kobiella war bei Ikea und Mathis Winter bei Airbus. Alle drei sagen übereinstimmend: Die Zeit dafür hat sich gelohnt. „Die meisten Fragen haben sich von selbst beantwortet.“

Laut Schulleiter Rolf Rosenwinkel beginnen von den rund 120 Schülern eines jeden Abschlussjahrgangs erfahrungsgemäß lediglich 25 bis 30 eine Ausbildung. Der Rest geht weiter zur Schule. „Die meisten aber nur, weil sie noch nicht wissen, was sie beruflich machen wollen“, hakt Schul-Pressesprecherin Anne-Christine Lumpp ein. Und Rosenwinkel ergänzt: „Wir möchten sie ja aber direkt in Ausbildung bringen.“

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