Wissen vertreibt Vorurteile

Sykerin Anne Degler: Von der Schützen-Skeptikerin zur Königin

Begeisterte Schießsportlerin: Anne Degler. - Foto: Jantje Ehlers

Syke - Von Marc Lentvogt. Ein Jahr als Schützenkönigin liegt hinter Anne Degler. Sie hat nicht lange auf den Titel hingearbeitet. Ganz im Gegenteil: Früher hat sie das Schützenwesen mit Argwohn betrachtet. 2014 hat sie dann einen Blick in den Verein geworfen. Seitdem schaut sie anders auf die Thematik. Wir fragen, wie es zu dem Wandel gekommen ist und warum Degler jedem die Teilhabe in einem Schützenverein nur empfehlen kann.

Frau Degler, ein Jahr als Schützenkönigin liegt hinter Ihnen. Wie haben Sie das erlebt?

Anne Degler: Normal? (lacht) Ich mache mir aus Titeln nichts. Für mich zählt eher: Ich habe einen Wettkampf gewonnen. Von daher war der beste Moment, vorne zu stehen, die Spannung zu haben und dann tatsächlich gewonnen zu haben. Vorher habe ich zwei Jahre nicht auf den Titel geschossen, dann wollte ich es aber wissen.

Früher waren sie sogar sehr skeptisch, was die Schützen insgesamt betrifft. Warum?

Degler: Mit 14 bin ich nach Syke gekommen. Ein Jahr später habe ich mich in jemanden aus einem anderen Kulturkreis verliebt. In Syke habe ich gar keinen Anschluss gehabt. Ich war nur in seinem Bekanntenkreis unterwegs. Auch wenn ich den Schießsport damals schon gern ausprobiert hätte, kam es aufgrund vieler Vorbehalte nicht dazu. Zum Einen das Vorurteil, es gehe nur um Alkohol und zum anderen der Gedanke, es wären alles Nazis – allein wegen der Uniformen. Diese Vorbehalte waren da.

Warum sind Sie 2014 trotzdem zum Schützenverein gekommen?

Degler: Drangekommen bin ich durch meinen damaligen, neuen Partner. Man hat etwas gesucht, was auf einen freien Tag passt. Ich wollte das Schießen immer mal ausprobieren, hatte das innere Gefühl, es könnte etwas sein, was ich kann. Mein Partner kannte das einfach aus seinem Leben und hat mir die Scheu genommen. Dann sind wir zum Syker Schützenverein gekommen. Dort hat es uns sehr gefallen und aufgrund dessen, dass es ein sehr günstiges Hobby ist, sind wir eingetreten.

Alle Vorbehalte waren sofort weggewischt?

Degler: Am Anfang habe ich gesagt: Nein! Eine Uniform werde ich nicht anziehen. Meine Pionieruniform habe ich schon nicht angezogen. Aber, so ein Ding hat ja auch einen Sinn – wo soll das ganze Lametta ran? (lacht) Von daher habe ich natürlich eine Uniform. Wenn man es alles kennenlernt, ist es was anderes, dadurch werden die Vorbehalte ausgeräumt.

In der Öffentlichkeit ist das Thema Schießen regelmäßig ein Thema. Wie beurteilen Sie den Sport moralisch?

Degler: Nennen wir es nicht immer bösartig Waffe, sondern Sportgerät. Das Sportliche wird oft in den Hintergrund gerückt. Es geht nicht darum, auf irgendwelche Menschen, die einem nicht passen, zu ballern. Auch nicht um irgendwelche aggressiven Potenziale, die in Menschen und Gesellschaften umherschwirren. Es geht um Lernen, um Ergebnisse und um Gemeinschaft.

Das Ergebnis wird aber zum Beispiel sichtbar, indem beim Schweineschießen auf Körperteile eines Lebewesens geschossen wird..

Degler: Ja, manche sind erschrocken, wenn sie das hören, aber wir schießen ausschließlich auf Holzfiguren. Es ist auch egal, ob das Kinder oder Erwachsene sind, ich musste das auch erst lernen. Da gibt es dann erfahrene Sportler, die diese Phase begleiten.

Können die Kinder etwas Sinnvolles aus dem Engagement im Schützenverein mitnehmen?

Degler: Ich weiß, es gibt Kritik: Oh Gott, Kinder und Waffen. Aber es ist ein Sport. Man kann da nicht einfach hinlaufen und wie im Wilden Westen rumballern. Für Kinder ist das praktisch. Wenn sie schießen wollen, müssen sie sich an Regeln halten, zur Ruhe kommen und lernen, sich zu konzentrieren.

Um ein weiteres Vorurteil zu bemühen: Der Schützenverein ist für Jugendliche also mehr als Party?

Degler: Jeder muss, beispielsweise bei den Arbeitsdiensten zur Vereinspflege, Verantwortung übernehmen. Viele weisen das in dieser Zeit ja von sich. Ja, es gibt einen Werteverfall, aber ein Schützenverein kann das auffangen. Traditionen kommen ja auch irgendwoher, das ist nicht alles ohne Sinn.

Es gibt Vorbehalte gegen Uniformen, Vorbehalte gegen das Einbeziehen von Kindern – mit welchen Vorbehalten müssen sie aufgrund terroristischer Akte in den USA leben?

Degler: Manche Dinge fallen auf uns Schützen zurück. Dann heißt es: Die Bösen da, die mit den Waffen hantieren. Das regt uns natürlich auf. Da wird gern vergessen, dass der Schießsport eine lange Tradition in Deutschland hat. Wie überall erschüttert das auch uns. Das erschüttert alle. Die Freizügigkeit, die dort herrscht, hat aber nichts mit unseren Vorschriften und unserem Sport zu tun.

Was macht diese Tradition für Sie als ehemalige Skeptikerin heute aus?

Degler: Vereinswesen kannte ich vorher gar nicht. Toll finde ich, dass von Alt an Jung weitergegeben wird. Jetzt werden Mehrgenerationenhäuser aufgemacht, genau diese Prinzipien gibt es im Verein schon seit Jahren. Die werden dort gelebt. Es ist dieses sehr große positive Paket von Sport, Gemeinschaft und Spaß für die ganze Familie.

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