„Paulette“ im Syker Haus begeistert Zuschauer

Oma wird zum Hasch-Dealer

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Diana Körner (rechts) blühte in ihrer Rolle als Drogenverkäufer-Oma „Paulette“ richtig auf.

Syke - Von Ilse-Marie Voges. Der französische Film, Tragikkomödie „Paulette“, sorgte 2013 mit herausragender Leistung von Bernadette Lafont für Preise und Beachtung. Die Produktion für das Theater, „Paulette – Oma zieht durch“ hat das Theater A.gon München übernommen. Damit ist es am Samstag mit der Aufführung im fast voll besetzten Syker Haus auf die Bühne gegangen.

Schrill, grotesk, mit gelegentlicher Übertreibung, wurde das Publikum in einen höchst ungewöhnlichen Alltag versetzt. Die wahre Geschichte aus einem heruntergekommenen Stadtviertel in Frankreich kann weltweit geschehen.

Paulette lebt in einem Container

Paulette (Diana Körner) lebt in einem Container, hat einst erfolgreich mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann ein Restaurant geführt. Nun muss sie von einer Mindestrente leben. Sie bekreuzigt sich, sucht Vater Baptiste (Hans-Jürgen Helsig) auf, beichtet dem Kirchenmann ihre Sünden, obwohl dieser schwarz ist. Paulette geht auf in ihrer Rolle als Rassistin. Sie hat geklaut, dem Nachfolger in ihrem Restaurant Kakerlaken ins Essen getan. Zwanzig „Gegrüßet seist du Maria“ bringen sie nicht weiter. Ihre Tochter Agnes ebenfalls nicht, die mit Enkel Leo (Sandrino Herrklotsch) ein Kind von Ousmane (Doppelrolle von Helsig) hat.

„Alles Bananenfresser“, schreit Oma, die vom schwarzen Kind auf keinen Fall Oma genannt werden will. Geschrien wird in dem Stück überhaupt viel, da stoßen Welten aufeineinander. Der Gerichtsvollzieher (Lutz Bembeneck auch in der Rolle als Nachbar Walter und russischer Drogenbaron Taras) konfiziert alles, was beweglich ist in Omas Container. Paulette muss handeln. Sie ist arm, das Wühlen in Mülltonnen muss enden. Sie beobachtet Junkies vor der Tür, sieht, wie viel Geld Besitzer wechselt und beschließt, ins Drogengeschäft einzusteigen.

Tragik und Humor liegen dicht beieinander

Diana Körner wird ihrer Rolle als „Shitverkäuferin“ gerecht. Weiche Drogen, Haschisch und Marihuana, bringt sie locker unter die Leute, unverdächtiges Aussehen und Cleverness helfen ihr. Diana Körner hat Spaß an ihrer Rolle, ist schrullig und kreativ. Sie verkauft mehr Drogen als die jugendlichen Dealer, die sich gern der Fäkalsprache bedienen. Damit hat Oma kein Problem, ihre Konversation ist in inzwischen auch in der Gosse gelandet, ihre Geldbörse dafür reichlich gefüllt. Selbst der schwarze Schwiegersohn, Polizist im Drogendezernat, wird von ihr gebraucht und angenommen.

Leo, der schwarze Enkel, die kleine Buschtrommel, auch. Er verhilft ihr sogar zu neuen Ideen. Die Drogen werden in Kuchen verpackt, die Leute sind scharf auf die neuen Afghanen-Kekse. „Schließlich alles Bio“, lacht die Drogen-Oma, deren Geschäft blüht.

Paulette hat sich in der Szene einen Namen gemacht, steigt aber aus, als der Gangsterboss verlangt, die Drogenkekse auch an Grundschulen zu verteilen.

Die Tragik liegt gleich neben dem Humor mit Kalauern. In vielen Ländern gibt es viele Menschen, die von ihrer Rente allein nicht leben können. Insofern ist Paulette ein aktuelles Stück. Ein wenig mehr Ruhe und gelegentliche Besinnung hätten dem Stück aber gutgetan.

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