Lebensmittelüberwachung prüft Stände

Wirbel um Syker Wochenmarkt -  Hygienekontrolle wirft Fragen auf

Typische Wochenmarktszene – wir haben aber ganz bewusst auf ein Bild aus Syke verzichtet. Archivbild: dpa
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Typische Wochenmarktszene – wir haben aber ganz bewusst auf ein Bild aus Syke verzichtet. 

Ein Lebensmittelkontrolleur inspiziert in Syke die Stände des Wochenmarkts. Über das, was dann passiert, gehen die Schilderungen weit auseinander. Während die Einen von harmloser „Belehrung“ einiger Standbetreiber sprechen, sehen die Anderen das Ende des Wochenmarkts in Syke gekommen.

Syke - Am Ende dieses Kontrollgangs soll ein Anbieter angeblich in Zukunft kein Brot und keine Eier mehr verkaufen dürfen und sein Gemüse künftig nur noch nach Güteklassen sortiert auslegen. Einer anderen Anbieterin wird angeblich der Stand geschlossen, weil sie ihre Ware in einem Lieferwagen zum Markt bringt, der Roststellen hat. Ein weiterer Händler verlässt seinen Stand, um dem Kontrolleur etwas zu zeigen, und wird anschließend nicht wieder hinter seinen Tresen gelassen, weil er dort nicht mit den Klamotten am Leib verkaufen darf, die er jetzt auf der Straße getragen hat, und sich erst umziehen müsse. 

Marktbesucher sind irritiert

Es geht außerdem um fehlende Deklarationen von Inhaltsstoffen und Allergenen. Einige Marktbesucher sind irritiert bis verstört. Andere haben den Eindruck: Das war’s jetzt mit dem Wochenmarkt. Völlig anders stellt Karljosef Graf das Geschehen dar. Er war zwar selber nicht dabei, leitet aber den für die Lebensmittelkontrollen zuständigen Fachdienst im Veterinäramt des Landkreises und hat auf Anfrage der Kreiszeitung mit dem Kontrolleur gesprochen.

„Keine Anweisung, irgendeinen Stand zu schließen“

 „Es hat nicht mal ein Verwarngeld gegeben, und es gibt überhaupt keine Anweisung, irgendeinen Stand zu schließen“, ist seine Erkenntnis. Grundsätzlich stellt Graf klar: „Solche Kontrollen sind das gute Recht der Lebensmittelüberwachung. Unsere Kontrolleure haben jederzeit Zugang zu allen lebensmittelverarbeitenden Betrieben. Diese Kontrolle auf dem Wochenmarkt ist auf Aufforderung durch die Stadt Syke erfolgt. Ob dazu ein konkreter Vorfall Anlass gegeben hat, ist mir nicht bekannt.“

Aufregung nicht nachvollziehbar

Der ausführliche Kontrollbericht lag Karljosef Graf zum Zeitpunkt unserer Anfrage noch nicht vor. Er weiß jedoch: „Der Kontrolleur hatte 2016 sein 40-jähriges Dienstjubiläum. Ich würde sagen, das ist der erfahrenste Mann im Landkreis. Er hat ganz normal die hygienischen Zustände überprüft. Wenn er Mängel feststellt, spricht er das an. Aber da war jetzt nichts Gravierendes. Da ist die Wahrnehmung offenbar eine andere.“

Die Aufregung unter den Beobachtern dieser Kontrolle kann Graf nicht nachvollziehen. „Mag sein, dass die Beobachter so eine Situation nicht kennen“, kann er nur spekulieren. „Die betroffenen Anbieter sind mündlich ermahnt worden.“ Mehr sei nicht passiert. „Finito!“

Verwunderung über den Wirbel

Graf wundert sich über den Wirbel, den die Aktion verursacht hat. „Ich weiß nicht, ob die Leute verstanden haben, dass wir in ihrem Interesse handeln. Solche Kontrollen sind gelebter Gesundheits- und Verbraucherschutz, der Sicherheit und hygienische Unbedenklichkeit herstellt. Normalerweise erleben wir das eher umgekehrt. Dass Kunden sich beschweren und fragen: Wo war denn da die Lebensmittelkontrolle? Was macht die denn eigentlich den ganzen Tag?“

72-jährige Standbetreiberin kommt nicht wieder

Noch wieder anders klingt die Schilderung des „Hauptopfers“ dieser Kontrolle. „Mir ist gesagt worden, ich darf keinen Kuchen verkaufen, weil ich keinen Meister im Backhandwerk und keine Gewerbeanmeldung habe“, sagt die 72-jährige Standbetreiberin, die seit mehr als 22 Jahren als Anbieterin auf dem Wochenmarkt ist. War, müsste es korrekt heißen. Denn als Konsequenz aus der Kontrolle wird sie nicht mehr wiederkommen.

Die Betreiberin betont: „Der Kontrolleur hat mir nicht den Stand dichtgemacht, und er hat auch nicht meinen Kuchen bemängelt. Was er noch reklamiert hat, war lediglich der Tritt an meinem Bus.“

Die Situation sei ihr sehr unangenehm gewesen und sie habe sich auch sehr aufgeregt. Formal habe der Kontrolleur aber recht. „Bis vor zwei Jahren waren wir noch Landwirtschaft, da brauchte ich keine Gewerbeanmeldung. Da hatte ich auch noch keinen Kuchen“, sagt die Anbieterin. „Darüber habe ich mir gar keine Gedanken gemacht. Der Kontrolleur hat mir auch Wege aufgezeigt, wie ich den Stand trotzdem weiterbetreiben könnte. Aber jetzt will ich nicht mehr.“

„Das ist ein saudummes Gefühl“

Eigentlich hätte sie die 25 Jahre Wochenmarkt noch gerne vollgemacht. „Aber mir fehlt das Vertrauen.“ Weniger wegen der Kontrolle selbst als vielmehr der Hintergründe wegen.

„Jemand muss mich ja in irgendeiner Form angezeigt haben“, sagt sie. „Und das ist ein saudummes Gefühl, wenn du bei jedem Kunden denkst: War der das vielleicht? Oder der?“

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