Landtagskandidaten im Interview

Heinz-Jürgen Michel: „Wir wollen die Sau rauslassen“

Heinz-Jürgen Michel

Landkreis - „Global denken, lokal handeln!“ – das ist für Heinz-Jürgen Michel eine wichtige Maßgabe. Der 50 Jahre alte Naturkosthändler aus Syke kandidiert für die Grünen. Was ist seine Stärke? „Mich in Details einarbeiten, aber dennoch den Überblick behalten“, antwortet er.

Seine Schwächen: „Cola, Pommes frites und Schokolade.“ Der Politiker aus Syke bezeichnet sich selbst als „ziemlich furchtlos“. Sorge bereiten ihm allerdings „die zunehmende Akzeptanz von Rassismus und Fundamentalismus“. Im Interview nimmt der Stellung zu aktuellen landespolitischen Themen. Die Fragen stellte Anke Seidel.

Wenn landesweit mindestens 300 Lehrer an den Schulen fehlen, weil es nicht genügend Bewerber gibt, dann ist das ein Kardinalproblem im Bildungsbereich. Denn Bildung schafft die Grundlagen für eine erfolgreiche Zukunft – persönlich, gesellschaftlich und wirtschaftlich. Wie wollen Sie das akute Lehrermangel-Problem lösen und wie wollen Sie das finanzieren?

Heinz-Jürgen Michel: Die Mittel für eine ausreichende Unterrichtsversorgung sind da. Wir müssen den Beruf attraktiver machen und die Zahlen der Absolvent/tinnen an den Universitäten erhöhen. Kurzfristig brauchen wir eine erleichterte Einbindung von Pensionär/innen, Quereinsteiger/innen und Menschen mit Abschlüssen ausländischer Universitäten.

Dass die Polizei in Niedersachsen verstärkt werden muss, ist – wie Wahlprogramme beweisen – politisch unstrittig. Wie viele neue Kräfte wollen Sie einstellen – auch mit Blick auf die bevorstehende Pensionierungswelle? Und vor allem: Wie wollen Sie diese Polizisten in Zeiten des Fachkräftemangels gewinnen?

Michel: Die niedersächische Polizei hatte noch nie so viel Personal wie heute. Daran wollen wir festhalten. Mit einer modernen Ausstattung, finanziellen Verbesserungen und einer guten Vernetzung mit den Nachbarländern wollen wir den Polizeiberuf attraktiv halten und Niedersachsen sicher bleiben lassen.

Haben Sie Sorge um die Innere Sicherheit in Niedersachsen? Wenn ja, was muss dann sofort umgesetzt werden?

Michel: Mir macht die Zunahme von Islamismus und Rechtsextremismus Sorge, die innere Sicherheit Niedersachsens sehe ich dabei aber nicht bedroht.

Die Klagen über eine überlastete Justiz scheinen kein Ende zu nehmen. Der Niedersächsische Richterbund fordert 250 neue Stellen für Gerichte und Staatsanwaltschaften. Wie stehen Sie zu dieser Forderung?

Michel: Ähnlich wie bei der Polizei brauchen wir gut ausgestattete Staatsanwaltschaften und Gerichte, damit anstehende Verfahren zügig abgearbeitet werden können und niemand Jahre auf einen Prozessbeginn warten muss.

Niedersachsen hat Schwein– sprich mit 8,01 Millionen Borstentieren mehr Schweine als Bürger (7,7 Millionen Einwohner). Der Tierschutz in der Landwirtschaft hat deshalb – nicht nur für Schweine – enorme Bedeutung. Was würden Sie sofort verbessern?

Michel: Wir wollen in der Sauenhaltung aus der Kastenstandshaltung aussteigen, sozusagen die Sau rauslassen. Wir wollen die Agrarförderung umbauen für eine tierschutzgerechte, umwelt-, -natur- und klimaverträgliche Landwirtschaft. Auch bei Schweinefleisch soll ähnlich wie auf dem Ei die Haltungsform im Laden einfach erkennbar sein.

Die schätzungsweise 120 Wölfe in Niedersachsen haben laut Landesjägerschaft in neun Jahren 500 Nutztiere gerissen. Der Konflikt zwischen Nutztierhaltern und Wolfsanhängern wird immer schärfer. Haben Sie eine Lösung?

Michel: Dass der Konflikt schärfer wird sehe ich nicht. Das Wolfsmanagement wird immer professioneller, die Öffentlichkeitsarbeit wird verstärkt und die Tierhalter/innen werden entschädigt. Der Wolf ist eine streng geschützte Tierart, da wo es Konflikte gibt, wird eine Lösung gefunden. Die Sicherheit der Menschen geht dabei immer vor.

Alle Kandidaten, alle Ergebnisse

Die weiteren Kandidaten im Wahlkreis und die Ergebnisse am Wahlabend finden Sie in unserem Überblick.

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