Unfallbilanz 2015: Polizei setzt auf Präventionsarbeit und Verkehrsüberwachung

„Wir wollen auch auf Schleichwegen kontrollieren“

Unfall in Syke: Für die Polizei gab es auch 2015 viel zu tun.  - Archivfoto: Köhnken

Syke - Acht Personen sind im vergangenen Jahr bei Verkehrsunfällen im Bereich des Polizeikommissariats Syke ums Leben gekommen. „Das sind natürlich schon acht zuviel“, sagt Polizeirat Andreas Kunath, Leiter des Kommissariats, bedauernd. Die recht hohe Zahl an getöteten Verkehrsteilnehmern wirft einen Schatten auf die Unfallbilanz für das Jahr 2015. Darüber hinaus aber hat Kunath durchaus Belege, dass das neue Konzept der Polizei Wirkung zeigt.

Die verstärkte Verkehrsüberwachung ist eine wichtige Säule der neuen Polizeistrategie. Die 70 Mitarbeiter starke Belegschaft des Kommissariats setzt verstärkt auf Alkohol- und Geschwindigkeitskontrollen. Das ist unter Umständen ärgerlich für Betroffene, aber auf Dauer wirksam, ist sich Kunath sicher.

Als Beleg dafür wertet er den Rückgang an „kritischen Verkehrsereignissen“ im vergangenen Jahr, zu denen neben tödlichen Unfällen auch solche mit schweren Personenschäden zählen. Diese Zahl ist innerhalb eines Jahres von 63 auf 50 zurückgegangen. „Das führe ich auch auf unsere Verkehrsüberwachung zurück“, so Kunath.

Die ist durchaus nicht immer auf das Verhängen eines Bußgeldes ausgelegt. Die Mitarbeiter im Einsatz- und Streifendienst suchen oft auch den Dialog mit den Verkehrsteilnehmern, um auf Gefahren hinzuweisen. Gerade bei Motorradfahrern – denn die sind im Bereich des Kommissariats (Syke, Bassum, Twistringen, Bruchhausen-Vilsen) ein ganz besonderes Problem.

Im benachbarten Bereich Stuhr/Weyhe mache das Motorradfahren „nur bedingt Spaß“, ergänzt Hartwig Zierath, Leiter des Streifendienstes beim Kommissariat Syke. „Aber hier ist das Straßennetz durchzogen von Freizeitstrecken für Kradfahrer.“

Die kurvenreichen Strecken fordern alljährlich ihren Tribut. Auch 2015 ereigneten sich alle Unfälle mit tödlichem Ausgang außerhalb geschlossener Ortschaften, drei der acht getöten Menschen waren Motorradfahrer. Oft ist Selbstüberschätzung eine Ursache für einen solchen Unfall, „es ist eigentlich fast immer menschliches Versagen“, so Zierath.

Die Mitarbeiter im Streifendienst tun ihr Bestes, um die Zahl der Unfälle zu reduzieren. Und das funktioniert im Wechselspiel aus Dialog und Sanktionierung. Die Kontrollen sind in den vergangenen Monaten intensiviert worden. Mit Folgen: Die Anzahl der „folgenlosen Alkohol-Delikte“ (die Kontrollen, bei denen ein Fahrer alkoholisiert am Steuer erwischt wurde, ohne einen Unfall verursacht zu haben) stieg 2015 um elf auf 62.

Mehr Autofahrer alkoholisiert erwischt

„Es ist durchaus unser Ziel, diese Zahl noch zu erhöhen“, betont Andreas Kunath. Denn wenn die Sorge vor einem Verlust des Führerscheins einen Betrunkenen vom Autofahren abhält, kann das Menschenleben retten. Und Kunath geht noch weiter: „Die Kontrolldichte ist anscheinend noch nicht hoch genug“, sagt der Polizeirat mit Blick auf 26 Unfälle unter Alkoholeinfluss. „Diese Zahl zeigt uns, dass da noch Potenzial ist“, so Zierath.

Verstärkt kontrollieren die Besatzungen der Streifenwagen auch Bereiche jenseits der Samstagnacht und der Hauptverkehrsstraßen. „Wir wollen auch verstärkt auf Schleichwegen kontrollieren“, so Kunath.

Auf der anderen Seite steht der Appell an die Vernunft. Freiwillig unterstützen zehn junge Polizisten die Ausbildung in den Fahrschulen. „Das kommt super an“, sagt Kunath.

Der wichtigste Faktor ist und bleibt aber der Verkehrsteilnehmer selbst. Vernunft verhindert Unfälle. Dazu gehöre auch, andere Fahrer zu beobachten und bei auffälliger Fahrweise der Polizei zu melden.

Und auch das Melden von Unfallfluchten zählt dazu. Immerhin 40 Prozent der 317 Unfallfluchten konnten im Jahr 2015 aufgeklärt werden. „Das haben wir aufmerksamen Bürgern zu verdanken“, sagt Kunath. Er ermuntert Zeugen, „im Zweifelsfall einmal mehr die 110 zu wählen. Wer was beobachtet und uns anruft, meldet eine Straftat!“

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