„Wir wollen Ärzte, die zu uns passen“

Landkreis zieht positives Fazit von „Ärztlich willkommen“

Landkreis Diepholz - Wäre es eine Datingshow, könnte sie statt „Bauer sucht Frau“ „Land sucht Arzt“ heißen. Sie läuft bereits eine ganze Weile und Kandidat „Land“ bemüht sich redlich, seinen Auserwählten zu gefallen, damit diese aufmerksam werden, herziehen – und bestenfalls für immer bleiben. Doch statt eines Fernsehformats, das die beiden Parteien zueinander führt, gibt es die Kampagne „Ärztlich willkommen“, an der auch der Landkreis Diepholz teilnimmt.

Die erste Phase der dreijährigen Kampagne sei nun ausgelaufen, teilt das Marketingunternehmen Marktrausch mit. Ihr Ziel: angehende Mediziner in Niedersachsen auf die Vorteile einer Niederlassung im ländlichen Raum des Bundeslandes aufmerksam zu machen. Welches Fazit zieht der Landkreis?

„Die Kampagne hat es geschafft, das Thema in das Bewusstsein der Bevölkerung zu tragen“, sagt Stefan Hempe vom Gesundheitsamt. „Wir haben dadurch Mediziner an den Universitäten erreicht, die vielleicht gar nicht wussten, dass es den Landkreis Diepholz überhaupt gibt.“

Doch auch wenn grundsätzlich alle Medizinstudenten wichtig sind – besonders interessant für den Landkreis seien diejenigen, die vor ihrer Weiterbildungsassistenz zum Facharzt stehen. „An die müssen wir nun ran“, sagt Hempe. Denn diese Leute planten meist schon stärker ihre Zukunft als Erstsemester, überlegten vielleicht, eine Familie zu gründen. „Denen könnten wir zeigen, was das Landleben alles zu bieten hat, und mit Gemeinschaftspraxen werben.“

Erntephase hat begonnen

Den Erfolg der Info-Kampagne zu messen, sei natürlich schwer. Aber zumindest verzeichne die Internetseite des Landkreises nach solchen Aktionen vermehrt Klickzahlen, weiß Landrat Cord Bockhop. Trotz des hohen Ärztebedarfs sagt er ganz klar, dass man nicht wahllos jeden Mediziner nehme: „Wir wollen Ärzte, die zu uns passen und die gerne kommen.“

Was ihn stolz macht, sind die ersten Erfolge, die der Landkreis mit seinem eigenen Beitrag zu „Ärztlich willkommen“ erzielt: nämlich das Stipendium für Medizinstudenten. „30 sind aktuell im Programm, fünf Stipendien sind vergeben, ein Arzt hat seine Stelle in Bassum angetreten (wir berichteten) und will Hausarzt werden“, sagt Hempe. Demnächst habe man noch ein Gespräch mit einem Studenten, der sich zum Facharzt weiterbilden lässt und im Frühjahr das nächste. „Die erste Erntephase hat begonnen“, scherzt Hempe. Das Fundament sei gelegt, auf das man nun bauen könne.

Die nächsten Schritte

Diese Sicht teilt auch Bockhop. Demnächst komme man mit den Verantwortlichen zusammen, um eine Manöverkritik zu machen: Wie ist es bisher gelaufen? Was wollen wir beibehalten? Was werden wir künftig anders angehen? So erreiche man mit dem Stipendium eben nur Leute aus der Region, sei aber weit weg von den Universitäten. „Wir befinden uns im Grunde ja auch in einer Art Lernphase, in der wir schauen müssen, was funktioniert“, so Bockhop.

Der Bewerbungsschluss für das Stipendium beim Landkreis Diepholz war übrigens am 31. Oktober. 

juk

Rubriklistenbild: © dpa/dpaweb

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