Betreiber des Okeler Nostalgie-Museum stehen mit dem Rücken zur Wand

„Wir kämpfen ums Überleben!“

Elke und Wolfgang Kaeding schmökern in ihrer Klönstuuv schon mal ein bisschen in „Roter Mohn verblasst nicht“ vom Bremer Autor Wilfried Stüven. Er ist am Samstag um 19.30 Uhr zu einer Autorenlesung im Nostalgie-Museum zu Gast. Die Einnahmen aus solchen Veranstaltungen sind für Kaedings aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn wegen der Abstandsvorschriften dürfen im Moment keine 20 Gäste mehr in den Saal. Seit 2017 betreiben Kaedings das Nostaglie-Museum – privat und ehrenamtlich.
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Elke und Wolfgang Kaeding schmökern in ihrer Klönstuuv schon mal ein bisschen in „Roter Mohn verblasst nicht“ vom Bremer Autor Wilfried Stüven. Er ist am Samstag um 19.30 Uhr zu einer Autorenlesung im Nostalgie-Museum zu Gast. Die Einnahmen aus solchen Veranstaltungen sind für Kaedings aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn wegen der Abstandsvorschriften dürfen im Moment keine 20 Gäste mehr in den Saal. Seit 2017 betreiben Kaedings das Nostaglie-Museum – privat und ehrenamtlich.

Okel – Mit dem Nostalgie-Museum haben sich Elke und Wolfgang Kaeding einen persönlichen Traum erfüllt: Seit 2017 zeigen sie in der ehemaligen Gaststätte Winkelmann auf etwa 300 m² Ausstellungsfläche historische Autos, Zweiräder, Mode, Alltagsgegenstände des vergangenen Jahrhunderts und Okeler Heimatgeschichte. Rein aus Leidenschaft ehrenamtlich und ohne Gewinnabsicht. Die Frage ist, wie lange noch. Denn sie bekennen: „Wir kämpfen ums Überleben!“

Bisher trug sich ihr Museum gerade so eben selbst. Inzwischen ist das anders. „Wenn weiter die Gäste ausbleiben aus Angst vor Corona oder geschlossenen Räumen, können wir die Miete nicht mehr bezahlen“, sagt Elke Kaeding. Und Wolfgang Kaeding ergänzt: „Wir brauchen im Monat 1000 Euro, um alle Kosten zu decken. Die haben wir bisher immer knapp gehabt. Aber inzwischen schon lange nicht mehr.“

Das ging im April 2019 los, als die Bauarbeiten an der Ortsdurchfahrt begannen. „Es gab von April bis Weihnachten keinen Durchgangsverkehr mehr, und damit auch keine Oldtimer. Die haben sich sonst gerne bei uns getroffen und auf Ausfahrten Kaffepause hier gemacht“, sagt Wolfgang Kaeding.

Um das auszugleichen, hatte Elke Kaeding eine ganze Reihe Veranstaltungen ab Frühjahr 2020 geplant. Dann kam Corona. Und damit war das Museum dann erstmal komplett dicht. Doch die Kosten liefen weiter.

„Hören wir auf? Hat Weitermachen überhaupt noch Sinn? – Diese Diskussion haben wir schon geführt“, sagt Wolfgang Kaeding. „Aber wir haben so viel Arbeit und Liebe hier reingesteckt und darüber so einen lieben Menschenkreis kennengelernt, das möchten wir nicht mehr missen.“

Soforthilfen konnten sie in Anspruch nehmen. „Drei Monate waren wir damit safe“, sagt Wolfgang Kaeding. „Das war die Zeit, in der wir geschlossen bleiben mussten. Seit Pfingsten haben wir wieder auf.“ – „Und es waren seitdem auch erstaunlich viele Besucher da“, ergänzt seine Frau. Bloß: Das reicht nicht.

Der Eintritt ins Museum ist frei. Ein bisschen Geld kommt an den normalen Öffnungstagen (immer nur sonntags) durch den Verkauf von Kaffee und Kuchen rein. Darüber hinaus nur durch Veranstaltungen. Und da liegt der Hase im Pfeffer: Die sind derzeit nur sehr eingeschränkt möglich. „Normalerweise passen 60 bis 70 Leute in den Saal“, sagt Elke Kaeding. „Jetzt dürfen wir wegen der Mindestabstände nur noch 16 reinlassen.“ Und auch darüber dürfe man sich kein falsches Bild machen: Schon vor Corona ging der weitaus größte Teil der Einnahmen für die Gagen der Künstler, die Werbung und bei Musikveranstaltungen für die Gema-Gebühren drauf.

Heißt: unterm Strich bleibt jeden Monat ein ordentliches Defizit. „Das zahlen wir im Moment von der Rente“, sagt Wolfgang Kaeding. „Aber dieses Problem haben jetzt doch alle. Wir wollen nicht rumjammern!“

Für beide steht fest: Aufhören wollen sie nicht. Wolfgang Kaeding: „Für meine Frau ist das hier wie ein Baby. Und ich sage zwar immer, ich bin nur der Hausmeister. Aber ich gehe selbst ja auch in vielen Sachen hier auf. Wenn ich eine Führung hatte und dann gesagt bekomme: Wir hätten ja nie gedacht, dass es auf dem Dorf so etwas überhaupt gibt – das ist dann schon schön.“

Samstag haben Kaedings eine Lesung: Der Bremer Autor Wilfried Stüven liest aus „Roter Mohn verblasst nicht.“ Finanziell wird auch da nichts hängenbleiben, bei nur 16 Plätzen. „Aber die Künstler freuen sich ja auch, dass sie wieder auftreten dürfen“, sagt Wolfgang Kaeding. Und Elke hakt ein: „Dass wir beide hier für lau arbeiten, kennen wir ja nicht anders.“

Von Michael Walter

Das Nostalgie-Museum Okel zeigt neben Oldtimern mit zwei und vier Rädern auch eine ganze Menge Mode und Lifestyle aus den 30er bis 70er Jahren.

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