„Wir haben alles erreicht“

Lukas-Schüler Julian, Mats und Lauri sind „Jugend forscht“-Regionalsieger

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Eiskalt kommen die Getränke aus dem Getränkeautomaten, den Mats Henry Schmitt (v.l.), Lauri Block und Julian Schultzen konstruiert und gebaut haben.

Bassum - Von Marc Lentvogt. Eine Limonadenflasche kippt auf einer Party um, der Fußboden klebt, die Klamotten sind nass, das „Jugend forscht“-Projekt ist geboren – so zumindest im Fall von Julian Schultzen (14), Lauri Block (13) und Mats Henry Schmitt (13) von der Lukas-Schule. Sie fanden dieses Szenario eher unattraktiv und haben einen tragbaren Getränkeautomaten gebaut.

In der „Jugend forscht“-Juniorsparte „Schüler experimentieren“ haben sie beim Regionalwettbewerb in Diepholz damit so sehr überzeugt, dass sie als Erstplatzierte zum Landeswettbewerb nach Oldenburg dürfen und mit einem Sonderpreis des Vereines zur MINT-Talentförderung ausgezeichnet wurden.

Bis dahin aber war es ein langer Weg. Zu Beginn der sechsten Klasse wurden die drei Schüler vor die Wahl gestellt: Wahlpflichtfach Französisch oder naturwissenschaftliche Praxis? „Auf Französisch hatten wir nicht soviel Lust“, gesteht Mats. „Dann haben wir gehört, dass es den Wettbewerb Jugend forscht gibt, an dem wir teilnehmen können.“ Mats zögert einen Moment: „Oder eigentlich müssen.“ Ein kleines Lächeln zeigt sich auf allen drei Gesichtern. Noch ist ihnen die Aufmerksamkeit etwas suspekt.

Ihr Projekt haben die drei Jungen, das attestieren Schulleiterin Gabriele Wilk-Batram und die betreuende Lehrerin Kathrin Kühn, „sehr selbstständig und diszipliniert verfolgt“. Von acht Gruppen, die den Wettbewerb als Ziel hatten, „haben es nur drei nach Diepholz geschafft“, erklärt Kühn. Der Rest sei an den Anforderungen, insbesondere dem rechtzeitigen Fertigstellen der Berichte gescheitert.

Erfolg nicht in die Wiege gelegt

Warum hat es bei Julian, Lauri und Mats geklappt? „Wir wollten schon zu ,Jugend forscht’, wollten aber nicht gewinnen“, erzählt Mats. Der olympische Gedanke hat auch in Lauris Darstellung das größte Gewicht: „Wir haben alles erreicht. Aber mehr geht natürlich immer.“ Ihre Einstellung habe sich auch vor dem Landeswettbewerb in Oldenburg nicht geändert, sagt Julian: „Nachher ist man nur enttäuscht, wenn man Dritter wird.“ Ihren Erfolg wissen sie bereits mit jungen Jahren herunterzuspielen.

Dabei besteht dazu kein Grund. Ihnen wurde der Erfolg keineswegs in die Wiege gelegt. Julians Vater konnte zwar bei Arbeiten an der Elektrik des Automaten helfen, auch der Zuschnitt der großen Bretter wurde unterstützt, doch der Bau des Automaten sowie die Beschaffung der Materialien, eine gesamte Produktentwicklung also, ist alleiniger Erfolg des Trios. „Wir haben uns Schritt für Schritt vorgearbeitet“, fasst Julian zusammen. Unter anderem weil sie keine fertige Box verwendet haben, sondern sich als Zimmermänner, Elektriker und Installateure bewiesen haben – interdisziplinär tätig waren – gab es den Sonderpreis.

„Immer drei bis vier Stunden hinterher“

Tiefen gibt es nicht, wenn Julian, Lauri und Mats über das Projekt sprechen, eine Erinnerung ihrer Lehrerin fördert dann aber doch kleinere Probleme zutage. „Anfangs haben wir den Zeitplan nie geschafft, waren immer drei bis vier Stunden hinterher“, berichtet Mats. Der Zeitplan wurde dabei von „Jugend forscht“ vorgegeben, die Anmeldefrist war unumstößlich. „Es war etwas stressig, weil nicht alle in Bassum wohnen“, fügt er hinzu.

Eines ihrer Erfolgsrezepte, um dieses Problem zu entschärfen, ist die Arbeitsteilung geworden und damit auch das Verständnis dafür, dass jeder eigene Stärken und Talente in eine Gruppe einbringen kann und niemand allwissend ist. Julian hat sich um die Technik gekümmert, Mats hat sich im Zimmern bewährt, und das Berichtschreiben und Protokollführen erledigte Lauri für die Gruppe.

„Das müssen wir noch mehr üben“

Da die Basis nun steht, stellt sich die Frage, ob die drei schüchternen Jungen noch etwas ändern wollen, ehe sie die Juroren beim Landeswettbewerb überzeugen wollen. Und auch wenn sie mit der bisherigen Leistung zufrieden waren, fällt ihnen natürlich vieles ein. Ein Abtropf werde dringend benötigt, und die Schläuche müssten erneut abgedichtet werden. „Der Anstrich muss auch neu gemacht werden“, meint Mats, „mein Vater hat ein Malergeschäft und war nicht so zufrieden, dass es etwas unsauber geworden ist“. Wieder ein Lächeln. Probleme dieser Größenordnung sollten nach dem langen Weg, den sie bereits gegangen sind, keine Nervosität mehr auslösen.

In Diepholz noch vernachlässigt, wollen die drei in Oldenburg noch besser darstellen, woher die Inspiration für das Projekt kam. „Das müssen wir noch mehr üben.“

Für andere Projekte sei daher auch noch keine Zeit und ohnehin, erklärt Julian, „schließen wir erstmal mit dem Wettbewerb ab. Übernächstes Jahr könnten wir vielleicht wieder teilnehmen“.

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