Integration übertrifft alle Erwartungen

Kooperationsprojekt von Real- und Erlenschule begeistert Schüler

Wenn Real- und Erlenschüler gemeinsam unterrichtet werden, sind jederzeit wenigstens zwei Lehrer und eine FSJ’lerin im Raum. So erhalten alle Schüler die notwendige Aufmerksamkeit.

Syke - Von Marc Lentvogt. „Good Morning Mister Apel“, erschallt es laut aus zahlreichen Kinderkehlen. Zwei fünfte Klassen haben Musikunterricht. Leidenschaftlich und inbrünstig beginnt die Stunde mit „Jingle Bells“, das laut intoniert durch den Trakt schallt. Einzelne Schüler, die aufgrund der kurzfristigen Raumplanänderung zu spät kommen, fügen sich nahtlos ein, noch ehe sie ihre Tasche niedergestellt haben. Doch der bilinguale Musikunterricht ist gar nicht die Besonderheit dieses Moments.

Die Besonderheit ist, dass Realschüler und Erlenschüler zusammensitzen. Letztere sind hier aber nicht mehr die Schüler von der Lebenshilfe, sondern einfach Klasse 5, betont Lehrerin Anne-Christine Lumpp. Es ist nach vier Wochen bereits Normalität eingekehrt.

Linn aus der 5 c der Realschule muss nicht lange nachdenken, um sich festzulegen, welches die größte Änderung seit Kooperationsbeginn ist: „Es macht viel mehr Spaß, weil wir viel mehr sind“, erklärt sie mit breitem Lächeln im Gesicht.

„Schüler gehen ganz intuitiv miteinander um“

40 Minuten zuvor hat sie Erlenschule-Lehrerin Karolina Haupeltshofer für einen Moment aus dem Konzept gebracht. Ihre Schülerin Vanessa war plötzlich weg – Linn hatte ihr von der Raumplanänderung erzählt und sie direkt mitgenommen. „Die Schüler gehen ganz intuitiv miteinander um“, zeigt sich Haupeltshofer begeistert.

Im Unterricht projiziert Musiklehrer Tobias Apel Bilder diverser Instrumente an die Wand. „This is difficult“, reizt er seine Schüler beim Zeigen des Jagdhorns. Das wirkt. Neben den vielen Fingern, die in die Höhe gestreckt werden, springen einige auf. Jeder will antworten. Welche Schüler am Nachmittag zurück in die Erlenschule gehen, ist nicht ersichtlich.

Schulleiter hatte Befürchtungen

„Ich muss etwas aufpassen, in dem quirligen Haufen auch die zu Wort kommen zu lassen, die diese Unterstützung brauchen oder sich auf andere Weise äußern“, sagt Apel. „Einige der Jungen haben den letzten Test mitgeschrieben. Den habe ich bewertet, nicht ihre eigentliche Lehrerin. Die haben eine 1 geschrieben und waren wahnsinnig stolz. Die Gruppe ist super integriert.“

Groß waren zuvor die Befürchtungen der Schulleiter. Ralf Rosenwinkel (Realschule) weiß um mögliche Ängste der Eltern, die Leistungen ihrer Kinder könnten durch die unterschiedlichen Leistungsniveaus leiden. „Doch es kam von keinem Elternteil irgendwas“, betont er. „Und unsere Eltern waren sehr glücklich“, fügt Martina Wrobel (Erlenschule) hinzu. Die Unterstützung ist groß, auch die Stadt steht hinter dem Projekt.

„Wir gehen hier nicht mehr raus!“

Rosenwinkel besteht darauf, dass alle Beteiligten ihr verdientes Lob erhalten. Und Lob haben, das zeigt diese Musikstunde, wirklich alle verdient.

„Goodbye everybody!“ „Goodbye Mister Apel!“ Ein fröhlicher Abschied – über das Wochenende gibt es keine Hausaufgaben. Die Schulwoche aber dauert noch einige Stunden. Das bedeutet: Der kooperative Unterricht geht weiter: Deutsch, Werken, Kunst und Religion stehen derzeit neben Musik auf dem gemeinsamen Lehrplan.

Und nach dem Schuljahr? „Wir gehen hier nicht mehr raus!“, erklärt Haupeltshofer lachend. Aber das will auch niemand. „Ich sorge dafür, dass hier ein Raum zur Verfügung steht. Da können sie sich drauf verlassen“, verspricht Rosenwinkel. Mehr als eine Gruppe wird aufgrund von Raumnot nicht in die Realschule wechseln können, aber dennoch: Das Projekt hat Zukunft.

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