Bremer Eckard Petri über das Syker Festival und die Zukunft des Jazz

„Wir erhoffen eine gewisse Neugierde beim Zuhörer“

Syke - SYKE. Der Begleittext zu ihrem Auftritt lässt jede Form von Interpretation zu. „Gemeinsam mit dem Trompeter Uli Beckerhoff erkundet das Bremer Blues-Quartett „Haunted by the Blues“ die Fundamente des Genres, ohne dabei einen Hauch von Fundamentalismus zu verspüren.“ Klartext: Eigentlich ist alles möglich.

Und genauso ist es gemeint. „Wir wollen eine gewisse Neugierde beim Publikum wecken,“ sagt der Bremer Haunted-Saxophonist Eckard Petri. Oder anders: „Das Publikum soll sich überraschen lassen.“ Oder noch anders: „Es wäre wichtig, dass sich die Zuhörer auch überraschen lassen wollen.“

Auf eine böse Überraschung müsse sich freilich nicht einstellen, wer sozusagen zum Schlussakkord des renommierten Syker Jazz-Folk-Bike-Festivals am kommenden Sonntag vor der Bühne im Kreismuseum Platz nehme. Im Gegenteil. „Jeder weiß ja im Prinzip, was an Jazz und Blues zu erwarten ist,“ sagt Petri schmunzelnd, „und auch uns ist das Publikums-Interesse nicht fremd. Natürlich wollen sich die Zuhörer gut unterhalten lassen. Das ist uns Verpflichtung.“ Seine Band „Haunted by the Blues“ mit Uli Beckerhoff als Stargast an der Trompete werden das Kreismuseum mit ihrem hoch gelobten neuen Programm „Sack o’ woe“ zum Swingen bringen.

Gute Unterhaltung versprechen am kommenden Wochenende freilich nicht allein die Arrangements im Kreismuseum. Gute Unterhaltung und vielleicht die ein oder andere Überrraschung zusätzlich darf an allen sieben Veranstaltungsorten erwartet werden, die im Rahmen von Jazz-Folk-Bike gern auch mit dem Fahrrad anzusteuern sind. Beim „Festival im Nordwesten“, das vor sechs Jahren spätestens mit dem Erhalt des niedersächsischen Tourismuspreises überregionale Beachtung gefunden hat, dürfen sich die Besucher auf so unterschiedliche Veranstaltungsorte wie die Wassermühle Barrien, das Freiluft-Idyll Wolfsschlucht oder den Künstlerhof Schnepke freuen. Und als publikumswirksam gilt es ebenfalls. „Wir rechnen mit gut 800 Besuchern“, sagt Gerd Harthus, einer der Organisatoren.

„Musikfestivals sind immer gut,“ sagt einer der es wissen muss, einer, dem die Syker Musiklandschaft nicht völlig unbekannt ist, sagt Saxophonist Eckard Petri. Aus teils leidvoller Erfahrung in der Hansestadt, sagt er das. „Früher spielte sich Jazz am Zapfhahn ab. In Kneipen also. Das hat jahrelang funktioniert. Inzwischen sind immer mehr Vereine in die Bresche gesprungen. Und da droht immer häufiger Finanzknappheit.“ Petris Fazit daraus: „Dem Jazz ergeht es nicht viel anders als beispielsweise der klassischen Musik. Einzelkonzerte finden eher selten die Aufmerksamkeit, die sie verdienen.“ Nur bei Festivals sei das noch anders. „Festivals setzen Schlaglichter.“

Zumal Jazz, Folk & Bike in Syke, das sich über Jahre einen Namen gemacht hat. Auch Petri stand hier schon auf der Bühne, damals wie kommenden Sonntag im Kreismuseum. „Das empfinde ich vom Rahmen her als sehr angenehm. Die Musik passt in das historische Ensemble.“ Und wer da gewesen ist, und Gefallen an dem Ambiente gefunden hat, der entdeckt auch seinen Appetit auf mehr. Petri geht es da nicht anders als anderen. „Mit unseren Kindern sind wir schon häufiger in der Stadt und in der Landschaft gewesen.“ Selbst er als gebürtiger Hesse, der er mit riesigen Waldlandschaften aufgewachsen ist, ließ sich einfangen. „Ein bisschen erinnert mich das an meine eigene Kindheit.“

Und wie hält er es mit der dritten Komponente des Festivals? Mit dem Bike, dem Fahrrad also? „An schönen Tagen sind wir gern auf Rädern unterwegs. Und nachdem wir oft schon das Blockland durchquert haben, haben wir jetzt die idyllischen Wege im südlichen Bremer Umland ins Auge gefasst. Über Syke, Weyhe und Stuhr hört man ja einiges Gute.“

Aber erstmal steht auch für ihn und für all die anderen Musik auf dem Programm. Erstmalig findet bei Jazz Folk & Bike ein Open Air Konzert im Park des Syker Vorwerks statt: Dort wird die Blues Company, Deutschlands erfolgreichste und mehrfach ausgezeichnete Bluesband, alle Register ziehen. Deutschlands bekanntester Straßenmusiker, Klaus der Geiger, geigt auf dem Hof von Elsa Töbelmann und Henning Greve in Schnepke, Le Sorelle Blu zelebrieren in der Wolfsschlucht Seemannslieder, der Liedermacher Jan Jahn singt von den Höhen und Tiefen des Lebens und die holländische Cajun- und Zydeco-Band Swamp verwandelt am Samstagabend die Diele des Kreismuseums in einen Honky-Tonk Schuppen.

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