Blick auf Nährstoffeinträge aus Abwasser

Landwirte zur Nitratbelastung: „Wir allein sind es nicht!“

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Das Landvolk Mittelweser mit Geschäftsführer Olaf Miermeister und Landwirt Christian Lohmeyer (v.l.) an der Spitze hinterfragt die Ursachen der Nitratbelastung in den roten Gebieten auf der Karte äußerst kritisch.

Syke - Die Politik sieht rot, wenn es um die Nitratbelastung des Grund- und Oberflächenwassers geht – und will Landwirten in den sogenannten roten Gebieten die Düngung kappen.

Für das Landvolk Mittelweser ist das jedoch eine viel zu simpel gestrickte und vor allem ungerechte Strategie. „Wir allein sind es nicht!“, betont Christian Lohmeyer als Mitglied des geschäftsführenden Vorstands, der zum Thema Nitratbelastung nachgeforscht hat. Das Ergebnis stellte er am Montag gemeinsam mit Landvolk-Geschäftsführer Olaf Miermeister und dem Fachingenieur Dirk Kleemeyer im Syker Landvolk-Haus vor.

Lohmeyer verweist auf die Kläranlagen in Niedersachsen, aus deren Abläufen Nitrat-Frachten ins Oberflächenwasser gelangen. Er hat die Zahlen für alle Anlagen im Land überprüft. Vor allem das Mischwasser – Regen- und Kanalisationswasser – bereitet dem passionierten Landwirt Bauchschmerzen. Denn bei starken Regenfällen gelange es per Überlauf ungeklärt in die Flüsse. Tendenz steigend: „Wir versiegeln in Niedersachsen 14 Fußballfelder pro Tag“, nennt der Landwirt einen Vergleich.

Landvolk Mittelweser sieht Handlungsbedarf

Ganz zu schweigen von Kloakenwasser, das direkt in Flüsse eingeleitet werde – wie in Magdeburg in die Elbe. Rechtlich sei das erlaubt. „Das ist skandalös“, so Lohmeyer und Landvolk-Geschäftsführer Olaf Miermeister unisono. Wo und wie viel Abwasser in Niedersachsen in Oberflächengewässer eingeleitet wird, dazu habe das Umweltministerium dem Landvolk keine Zahlen und Fakten nennen können, schütteln Lohmeyer und Miermeister den Kopf – ebenso wenig wie zu den konkreten Einleitungsstellen. 

Das Landvolk sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf. „Ich will, dass wir unsere Kläranlagen im Griff haben“, betont Lohmeyer. Zu klären sei die Frage, ob die Landwirte für die Nitratbelastung des Grund- und Oberflächenwassers allein verantwortlich seien: „Wenn ja, müssen wir etwas machen, das ist für mich selbstverständlich.“ Doch zurzeit, so das unmissverständliche Signal des Landvolks, seien noch zu viele Fragen ungeklärt.

Nitratbelastung: Rote Gebiete müssen überarbeitet werden

Für Landwirte, so Fachingenieur Dirk Kleemeyer mit Blick auf den Alltag in Niedersachsen, würden weit strengere Vorgaben gelten als für Kläranlagen – obwohl Gülle nicht so stark belastet sei wie Mischwasser aus der Kanalisation. Deshalb fordert das Landvolk eine Überarbeitung der roten Gebiete – unter Berücksichtigung der Nährstoffeinträge durch Mischwasserkanäle und ebenso durch geklärtes Abwasser aus Städten und Gemeinden.

Genauso müssten die Ursachen für jeden einzelnen erhöhten Messwert in den roten Gebieten ermittelt werden, fordert das Landvolk. Dass beispielsweise die gesamte Diepenauer Geest dazu erklärt wurde, obwohl nur einer von vier Messwerten im roten Bereich liegt, bezeichnet Olaf Miermeister als Willkür: „Dieser rote Messwert ist von drei Stellen überprüft worden. Aber es wurde kein Verursacher gefunden!“ Jetzt will das Landvolk den Fall gerichtlich klären lassen – per Feststellungsklage.

Landvolk-Forderung: Nitrateinträge analysieren

Kopfschütteln löst bei Dirk Kleemeyer, selbst Landwirt, wiederum die Tatsache aus, dass ein Teil des Wassergewinnungsgebiets der Syker Vorgeest im roten Bereich liegt: „Wir machen seit Jahren was und lassen uns beraten“, beschreibt er die systematische Düngemittel-Reduzierung, die sorgfältig dokumentiert wird. Ob das Nitrat im roten Bereich aus der Landwirtschaft stamme oder nicht, sei feststellbar. 

Deshalb fordert das Landvolk, alle Einträge zu analysieren. Und vor allem, die Messwerte differenziert zu erheben und sie immer wieder zu aktualisieren. „Es gab ja schon Verschärfungen“, erinnern die Landvolk-Vertreter an geltendes Recht. „Aber die Auswirkungen kann man nicht von heute auf morgen sehen.“ Deshalb sei eine nochmalige Verschärfung ungerecht.

Die Düngung in den roten Gebieten pauschal zu drosseln und nur noch unter dem Nährstoffbedarf der Pflanzen zu erlauben, hat laut Christian Lohmeyer fatale Folgen. „Was passiert mit einer Pflanze, die unterernährt wird?“ Das sei ähnlich wie bei der Unterernährung eines Menschen: „Sie wird krank!“

Zur Info: Nitrat-Mengen in der Region

Im Lagebericht über die Kläranlagen, den das niedersächsische Landesamt für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) veröffentlicht hat, sind auch die Nitrat-Mengen im Ablauf ausgewiesen. Die Übersicht für den Landkreis Diepholz:

Barnstorf: 15,6 Kilo pro Tag, Bassum: 9,4, Diepholz: 16,2, Ehrenburg: 2,0, Kirchdorf: 1,8, Lembruch: 1,3, Rehden: 5,0, Siedenburg: 0,8, Sulingen: 7,1, Syke: 12,3, Twistringen: 5,0, Varrel: 7,6, Wagenfeld: 1,3.

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