Öffentliche Präsentation nach den Ferien

Windkraft: Stadt brütet über neue Standorte

Die Windräder am Hohen Berg gehören zu den ältesten in Syke und sind technisch inzwischen dermaßen veraltet, dass nach Auffassung der Stadtverwaltung mittelfristig wohl nur ein Abbau infrage kommt. Sie durch modernere Anlagen zu ersetzen, wäre nach heutigem Stand nicht möglich. Derzeit arbeitet die Stadtverwaltung allerdings an einem Vorschlag für einen neuen Flächennutzungsplan. Der könnte dann ganz neue Standorte ausweisen. Foto: Jantje Ehlers
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Die Windräder am Hohen Berg gehören zu den ältesten in Syke und sind technisch inzwischen dermaßen veraltet, dass nach Auffassung der Stadtverwaltung mittelfristig wohl nur ein Abbau infrage kommt. Sie durch modernere Anlagen zu ersetzen, wäre nach heutigem Stand nicht möglich. Derzeit arbeitet die Stadtverwaltung allerdings an einem Vorschlag für einen neuen Flächennutzungsplan. Der könnte dann ganz neue Standorte ausweisen.

Syke - Syke steht zum ersten Mal seit fast 20 Jahren wieder vor einer intensiven Diskussion um Windenergie und mögliche Standorte für Windräder. Aktuell arbeitet die Stadtverwaltung an einer Überarbeitung ihres Flächennutzungsplans. Nach dem momentanen Zwischenstand könnten am Ende bis zu drei neue Standorte zwischen Okel und Wachendorf dabei herauskommen.

„Es gibt einen Drei-Punkte-Fahrplan zur Überarbeitung des Flächennutzungplans“, erklärt Stadtplaner Wolfram Schneider im Gespräch mit der Kreiszeitung. „Wind ist einer dieser drei Punkte.“

Im Grunde gehe es darum, zu überprüfen, ob der F-Plan insgesamt noch zeitgemäß ist. „Praktisch der gesamte Hoyaer Berg ist zum Beispiel immer noch für Wohnbebauung ausgewiesen“, erklärt Schneider. „Da wird sich aber nie etwas in dieser Größenordnung entwickeln. Also würden wir diese Flächen da rausnehmen und anders ausweisen.“ Zu solcherlei „Weiterentwicklungen“ des Flächennutzungsplans sind die Kommunen verpflichtet.

Aber wenn es im Wesentlichen um Wohnbebauung, Gewerbestandorte und Grünflächen geht: Warum spielt die Standortfrage für Windenergie dabei eine Rolle? „Weil der Gesetzgeber sagt, dass wir Windkraft ,substanziell Raum geben‘‘ müssen“, erklärt Schneider.

Eine Aussage, die Politik und Verwaltung nicht gern zu Kenntnis genommen haben. Anfang der 2000er Jahre war die Standortsuche für Windräder eines der am heftigsten umstrittenen Themen in Syke. Befürworter und Gegner von Windrädern lieferten sich jahrelang hochgradig emotional geführte Debatten. Am Ende stand der Beschluss über einen Flächennutzungplan, der die jetzigen Windkraftstandorte zementieren sollte. Bestehende Anlagen erhielten Bestandsschutz in der Gestalt, dass sie weiter betrieben und repariert, nicht aber modernisiert oder gar durch neuere, größere Anlagen ersetzt werden dürften.

Kaum war der F-Plan damals beschlossen, reichten Windkraftbetreiber, die sich Hoffnung auf den Bau weiterer Anlagen in Syke gemacht hatten, dagegen Klage ein – und verloren.

In den Jahren 2006/2007 erwies sich der Flächennutzungsplan über alle Instanzen als gerichtsfest. Und Politik wie Verwaltung waren sich einig: Den fassen wir jetzt nie wieder an!

Jetzt kommen sie nicht mehr darum herum. Weil sich die Gesetzlage seitdem verändert hat. Und weil sich auch die Rechtsprechung stetig ändert. „Ich gehe davon aus, dass unser F-Plan nach wie vor gerichtsfest wäre“, will Bürgermeisterin Suse Laue da keine Missverständnisse aufkommen lassen. Aber wie ihr Stadtplaner schon erklärt hat: „Irgendwann muss man da einfach wieder ran.“

Wie vor zwei Jahrzehnten arbeitet die Stadt dabei mit dem Planungsbüro NWP aus Oldenburg zusammen. Wolfram Schneider beschreibt die Arbeit wie ein großes Puzzlespiel mit verschiedenen Schablonen auf der Landkarte: Tabuzonen werden markiert und übereinandergelegt. Wo sich nichts überschneidet, wäre eine sogenannte Potenzialfläche. Und die müssen dann wieder auf alle denkbaren anderen Faktoren geprüft werden: Abstände, Erschließungsmöglichkeiten und, und, und.

Das Ergebnis daraus liegt im Rathaus seit etwa einer Woche vor. Die Verwaltung und die Fraktionen im Rat der Stadt müssen sich das jetzt anschauen und sich eine Meinung dazu bilden. „Es könnte ein, zwei, drei Flächen geben, an denen Windkraft zusätzlich möglich wäre“, sagt Schneider.

Für Okel müsse man überlegen, was mit den bestehenden fünf Windrädern geschehen soll: Repowern? Vergrößern? Ersetzen? Der Wachendorfer Bruch sei damals als Öko-Pool deklariert worden und damit aus der Diskussion gewesen. Das Öko-Pool-Konzept gebe es aber inzwischen nicht mehr. Damit wäre Wachendorf wieder in der Diskussion. Und auch in Osterholz gebe es eine Fläche, auf der Windkraft denkbar sei. Die würde aber vermutlich wieder rausfallen, wenn sich in Okel oder Wachendorf etwas tue. Schneider: „Es gibt eine Rechtsprechung, die sagt: Zwischen zwei Windparks müssten mindestens drei Kilometer Abstand sein.“

Wie viele Anlagen jeweils an diesen Standorten möglich wären, lasse sich heute noch überhaupt nicht sagen.

Wolfram Schneider: „Ich gehe im Augenblick davon aus, dass wir kurz nach den Sommerferien einen ersten Entwurf öffentlich präsentieren können.“

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