Niedersächsische Landesforsten klärt auf

Wildschweinjagd am Spielplatz?

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Die Jagd auf Wildschweine soll auch in heimischen Wäldern verstärkt werden. 

Syke - Von Marc Lentvogt. Die Westermark lädt mit idyllischen Spazierwegen und dem Waldspielplatz auch in der kalten Jahreszeit dazu ein, einige Zeit an der frischen Luft zu verbringen. Doch statt friedlich zu entspannen ist eine Leserin im vergangenen Monat gleich zwei Mal erschreckt worden, wie sie schreibt: „Die Afrikanische Schweinegrippe macht es anscheinend möglich: Wildschweinjagd am helllichten Tag in der Westermark. Da, wo Jogger und Spaziergänger unterwegs sind, nahe des Waldspielplatzes.“

Zwischen den Feiertagen sollen gleich mehrere Schüsse gefallen sein, Ende Januar ein einzelner. Davon ist den Niedersächsischen Landesforsten, die die Westermark bewirtschaften, nichts bekannt. Neben Revierleiter Heinz-Dieter Tegtmeier sei nur ein Jagdgast in der Westermark tätig, der für diese Tage jedoch keine abgegebenen Schüsse gemeldet hat, berichtet Pressesprecher Rainer Städing auf Nachfrage. Das bedeute nicht, dass Schüsse auszuschließen sind, im Normalfall würde aber jeder einzelne Schuss dokumentiert.

Grundsätzlich sei es so, dass auch in einem Naherholungsgebiet gejagt werden müsse, erklärt Städing. „Aber mit erhöhter Vorsicht. Ein Jäger wird nie in Richtung Spielplatz schießen, auch bei Hunderten Metern Entfernung nicht.“

Die Waldverjüngung verlange es, dass die Rotwild-Bestände kontrolliert werden – was ausschließlich durch Bejagung möglich ist. Und, da habe die Leserin recht, die Afrikanische Schweinepest mache es notwendig, die Wildschwein-Population und damit das Verbreitungsrisiko gering zu halten.

Absperrung nicht praktikabel

Wäre es nicht möglich, fragt die Leserin weiter, Waldbesucher zumindest zu warnen, wenn ein Jäger der Arbeit nachgeht? Ein Absperren des Waldes ist laut Städing weder üblich noch praktikabel. Es kann vorkommen, dass ein Jäger seinen Hochsitz einnimmt, aufgrund wechselnder Windverhältnisse jedoch mehrfach seinen Standort wechselt. Das soll helfen, vom Tier nicht bemerkt zu werden, hat aber den Nachteil, dass auch für den Jäger bei Betreten des Waldes nicht ganz klar ist, in welchem Raum er seiner Tätigkeit nachgeht.

Gefahr bestehe durch den Jäger aber nicht, betont Städing. Fahrlässigen Waffengebrauch durch den Revierleiter oder seinen Jagdgast schließt Städing konsequent aus. Selbst bei Treibjagden werde in der Westermark nur von Hochsitzen aus geschossen. Verfehlt der Jäger sein Ziel, schlägt das Projektil aufgrund der Flugbahn im Boden ein. „Für Spaziergänger besteht nur die Gefahr, einen Schreck zu bekommen“, so Städing.

Wildschweine aufgeschreckt

Erschrocken hat sich unsere Leserin ebenfalls, als die von ihr gehörten Schüsse Wildschweine aufschreckten. Rainer Städing zeigt dafür Verständnis, betont aber, dass eine Bache nur aggressiv werde, wenn ein anderes Lebewesen über das Nest des Tieres stolpert. Ansonsten handele es sich um eher schüchterne Tiere, die dem Menschen aus dem Weg gehen.

Bezüglich des zweiten Aufeinandertreffens mit den wilden Tieren heißt es im Brief an die Redaktion weiter: „Anscheinend angeschossen, kreuzte ein Wildschwein den Weg.“ Müsse ein Spaziergänger im Angesicht von verletzten Tieren Angst vor erhöhter Aggressivität haben?

Nur, so Städing, im Fall besonders großer Tiere, die hier jedoch selten seien. Außerdem könne davon ausgegangen werden, dass Jäger sich bereits auf der Nachsuche befinden.

Wer Hilfe wünscht oder auf ein verletztes Tier aufmerksam machen möchte, sollte laut Landesforsten die Polizei kontaktieren. Die Beamten kennen den zuständigen Jäger und können diesen informieren.

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