Projektfeld zur Energiegewinnung in Syke

Wildpflanzen könnten Mais verdrängen

Von der Saatmischung zur Wildpflanze: Feldbesitzerin Ulrike Templin freut sich über das Ergebnis. Foto: Jantje Ehlers
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Von der Saatmischung zur Wildpflanze: Feldbesitzerin Ulrike Templin freut sich über das Ergebnis. Foto: Jantje Ehlers
  • Lisa-Marie Rumann
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Ulrike Templin ist Landwirtin aus Jardinghausen. Am Benser Weg gehören ihr einige Felder, auf denen aktuell Zuckerrüben wachsen. Doch eine etwa zwei Hektar große Fläche hat sie vor drei Jahren Wildpflanzen überlassen – ein Versuch, der Aufschluss über eine mögliche Anbau-Alternative zu Energiemais geben soll. Ende Juli oder Anfang August sollen die Pflanzen gehäckselt und einsiliert werden. Damit ist das Projekt auf dieser Fläche vorerst beendet.

Die Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) übernimmt die Projektträgerschaft in Kooperation mit dem 3N Kompetenzzentrum Niedersachsen für nachwachsende Rohstoffe und Bioökonomie. Das Team beschäftigte sich mit den Themen Artenvielfalt, Biodervisität und der energetische Nutzung von Wildpflanzen. Die Endergebnisse, die am Donnerstag der niedersächsischen Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast vorgestellt wurden, zeigen auf, dass durch Wildpflanzenanbau ein Gesamtkonzept nachhaltiger Energieerzeugung entstehen kann. Denn, so erklärt es Andreas Rode von der Göttinger Ingenieurgemeinschaft für Landwirtschaft und Umwelt (IGLU), die Nitratwerte im Grundwasser lägen in einer Bodentiefe bis 90 Zentimeter bei 42 Milligramm pro Liter. „Der Boden wird dabei alle 30 Zentimeter untersucht.“ Im Vergleich: Anbauflächen ohne Wildpflanzen wären mit 127 Milligramm Nitrat pro Liter belastet. Außerdem stellte er fest, dass das Nitrat bei Wildpflanzenanbau nicht in tiefere Bodenschichten verlagert wird. Die Ergebnisse gelten im Zusammenhang mit dem aktuell praktizierten Düngeregime. „Das sind traumhafte Werte, die sonst kaum zu erreichen sind“, so Rode.

Wildpflanzen sind ein Paradies für Insekten

Er erwähnt einen weiteren positiven Aspekt: Insekten. Die Wildpflanzen würden einen „großen Mehrwert“ für Kleinstlebewesen bieten. „Da geht einem als Imker das Herz auf.“ Aber nicht nur für Insekten ist so eine Anbaufläche ein Paradies. Auch Hasen, Fasane und Reebhühner würden sich in Wildpflanzenfeldern einnisten, erklärt Josef Schröer, Vizepräsident der Landesjägerschaft Niedersachsen. Selbst wenn die Pflanzen in ein paar Wochen abgehäckselt sind, würde „die Stängeligkeit bleiben“, in die sich Tiere zurückziehen können. Herkömmlich bewirtschaftete Felder mit zum Beispiel Mais sind nach der Mahd kahl und bieten keinen Lebensraum mehr.

Schröer hebt ganz klar hervor, dass die jägerliche Anforderung – nämlich der Erhalt der Artenvielfalt auf Feldern – mit Wildpflanzenanbau definitiv nicht zu kurz kommt. „Das ist sogar das Optimum, das wir erreichen können“, beschreibt er. Mit Wildpflanzenanbau seien Landwirte sogar „aus der Gefahrenlage raus“, was die Brut- und Setzzeit einiger Tiere betrifft. Schröer macht seinen Standpunkt deutlich: „Wildpflanzenanbau ist ein Prinzip für die Feldflur.“ Jetzt müsse nur noch die Politik mitziehen.

Landwirtschaftsministerin Otte-Kinast voll des Lobes

Landwirtschaftsministerin Otte-Kinast zeigt sich sehr erfreut über die Ergebnisse dieses Projekts. „Ich bin fest überzeugt davon“, sagt sie. „Wahnsinn, was hier passiert.“ Dass Flächenbesitzerin Templin ein Stück ihrer Anbauflächen für das Projekt zur Verfügung gestellt hat, bestätigt Otte-Kinast in dem Gedanken, dass Landwirte grün denken und gesunde Böden wollen. Templin ergänzt: „Ich möchte einfach was tun für Biodiversität und Grundwasserschutz.“ Und weiter: „Das interessiert mich, ich will das sehen.“

3N-Geschäftsführerin Marie-Luise Rottmann erklärt an einem Beispiel, wie viel Energie aus Wildpflanzen gewonnen werden kann: „Bereits ein Hektar Wildpflanzen liefert ein Jahr lang den Strom für fast zweieinhalb Vier-Personen-Haushalte“

Hinter den Vorteilen verbirgt sich aber auch ein Nachteil. Der Biogasertrag sei je Hektar Wildpflanzen um 30 bis 50 Prozent geringer als bei der Maissilage.

Nicht nur das Land, das sich mit 150 000 Euro an dem Projekt beteiligt, möchte es voran treiben. So möchte Landrat Cord Bockhop auch auf Landkreisebene einen Beitrag leisten – gerade bei „praxistauglichen“ Projekten wie diesem. Er meint: „Ein Faktencheck sollte wichtiger sein als die Ideologie.“

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