Vielversprechende Zwischenergebnisse

Versuchsflächen in Jardinghausen: Wilde Blumen helfen dem Boden

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Bernd Nordmann beteiligt sich mit einer Fläche von rund 20 Hektar an einem Monitoring zur Nährstofffixierung durch mehrjährige Wildpflanzen.

Jardinghausen - Von Heiner Büntemeyer. Wenn sie etwas genauer hinschauen, entdecken Spaziergänger und Radfahrer in der Jardinghauser Feldmark Pflanzen, die sie entweder gar nicht kennen oder die sie seit Jahrzehnten nicht mehr auf Feldern gesehen haben: Wegwarte, Wilde Möhre, Alant, Eibisch, Malve, Rainfarn und einige andere Wildpflanzen, die in ihrer Gesamtheit das ganze Jahr hindurch blühen.

Keine Blumen zum Selberpflücken, vielmehr handelt es sich um eine von landesweit fünf Versuchsflächen, auf denen nach Alternativen zum Maisanbau geforscht wird. An dem Projekt sind der Verein „3N-Kompetenzzentrum Niedersachsen Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe“ und die Landesjägerschaft beteiligt.

Landwirt Bernd Nordmann hat auf drei Flächen mit insgesamt 20 Hektar diese mehrjährige Wildpflanzenmischung ausgesät. Sie steigert die Artenvielfalt und fördert die Biodiversität. Sie bereichert das Landschaftsbild und schafft dauerhaft Lebens- und Rückzugsräume für Wild und Vögel.

Der Pflanzen-Mix wurde so gewählt, dass das ganze Jahr hindurch immer irgendetwas wächst. Selbst bei der gegenwärtigen Trockenheit blühen der Rainfarn, die Wilde Karde, der Alant und der Steinklee. Diese verlängerte Blühzeit verbessert das Nahrungsangebot für Bienen, Schmetterlinge, Schwebfliegen, Hummeln und andere Insekten.

Regelmäßige Bodenproben zeigen: Als die Mischung vor einem Jahr gesät wurde, betrug der Stickstoffgehalt des Bodens 56 Kilogramm pro Hektar. Obgleich zur Düngung im Frühjahr weitere 150 Kilo Stickstoff eingebracht wurden, ging die Nitratbelastung auf gegenwärtig 18 kg/ha zurück.

Ob diese Blühmischung allerdings die „Eier legende Wollmilchsau“ sein wird, wie der Vorsitzende der Syker Jägerschaft Dr. Hans-Jürgen Hamann hofft, muss sich erst noch erweisen. Schließlich erwarten die Landwirte auch einen wirtschaftlichen Effekt. Auch hier sind einige Parameter sofort erkennbar: Die Flächen verursachen nur sehr geringe Investitions- und Pflegekosten, sie senken die Nitratbelastung des Bodens, verhindern die Bodenerosion und verlangen keinen Pflanzenschutz. Allein diese Faktoren wären ein Argument, den Anbau von Wildpflanzen finanziell zu fördern und als „Greeningmaßnahme“ anzuerkennen.

Außer dem Einsparpotenzial beim Anbau und der Pflege spielt für Landwirte natürlich auch der Ertrag aus der Ernte der Wildblumenmischung eine Rolle. In dieser Woche wurden die Felder gehäckselt und das Grüngut in die Biogasanlage transportiert. Dort wird in Versuchen ermittelt, wie hoch die Gasausbeute ist. Nach bisherigen Erfahrungen liegt sie um etwa ein Drittel unter der von Mais und wäre damit wirtschaftlich uninteressant. Allerdings wird vermutet, dass die Ausbeute bei einer Zumischung mit Maissilage zu erheblich höheren Werten führt. „Die Minderung zum Mais muss natürlich ausgeglichen werden“, fordert die Landwirtschaft.

Nachdem die Fläche jetzt abgeerntet ist, schießen die Pflanzen wieder durch und bleiben bis zur nächsten Ernte im Herbst 2019 unbearbeitet. Die Datensammlung für den wirtschaftlichen Nutzen hat begonnen und wird auf Bernd Nordmanns Versuchsflächen in den nächsten fünf Jahren fortgesetzt.

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