My home is my office

Wie viel Homeoffice steckt in den Syker Betrieben – und was bleibt davon nach Corona?

Ein Mann arbeitet im Homeoffice.
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Ein Mann arbeitet im Homeoffice. Eine Umfrage bei Syker Betrieben zeigt, dass je nach Branche und persönlichen Vorlieben ganz unterschiedlich mit dieser Option umgegangen wurde – und wohl auch künftig wird.

In Zeiten von Corona ist das Homeoffice zu einem effektiven Faktor bei der Eindämmung der Covid-Erkrankungen geworden. Auch viele Syker Unternehmen haben in den vergangenen Monaten ihre ersten Schritte in diesem Bereich zurückgelegt. Wie fällt ihr Zwischenfazit aus? Und wie geht es weiter, wenn die Pandemie hinter uns liegt?

Syke – Wer immer kann, soll von zuhause arbeiten, besagt die Homeoffice-Pflicht. Aber nicht jeder kann. Und was passiert, wenn die Homeoffice-Pflicht endet? Geht es dann automatisch wieder zurück zum Zustand vor Corona? Wir haben uns bei verschiedenen Syker Betrieben umgehört.

Wie praktisch nirgends im Leben, gibt es auch für diesen Bereich nicht nur schwarz oder weiß. Die Wirklichkeit besteht aus vielen Grautönen. Weder halten unsere Befragten Homeoffice für Teufelswerk, noch glauben sie, damit für ihren Betrieb das Ei des Columbus entdeckt zu haben. Sowohl arbeitgeber- als auch arbeitnehmerseits gilt: Viele machen’s einfach. Manche wollen, aber können nicht. Und umgekehrt.

IHK-Geschäftsführer Constantin von Kuczkowski weiß von seinen Mitgliedsbetrieben: „Acht von zehn bieten Homeoffice an. Es gibt auch Fälle, die könnten, aber wollen nicht.“ Entweder wegen fehlender räumlicher Gegebenheiten „oder weil man doch konkret bei Dienstschluss auch Ende machen möchte, und da fühlt man sich wohl zuhause verleitet, weiter zu arbeiten“.

Vieles, was jetzt aus der Not heraus ausprobiert wurde, wird nach Corona bleiben, glaubt er. „Gerade die vielen Sitzungen haben durch die virtuelle Version eine Straffung – Zeit, Fahrtwege – erfahren.“ Die Kehrseite der Medaille: „Bei Sitzungen sind oft auch die kleinen Pausen ganz wichtig, um mit Kollegen zu sprechen und um an Informationen zu gelangen.“

Bei der Kreissparkasse – mit rund 650 Angestellten (davon etwa 250 in der Hauptstelle) einer der größten Arbeitgeber in Syke –  war Homeoffice vor Corona unbekannt. „Um die Mitarbeiter in kürzester Zeit in die Lage zu versetzen, von zuhause aus zu arbeiten, mussten quasi aus dem Nichts die technischen Voraussetzungen geschaffen und teilweise auch geschult werden. Insofern war der Aufwand groß“, sagt Pressesprecher Dennis Landt.

Nicht in allen Bereichen war das möglich. „Unsere Kundenberater haben auch im Lockdown dringende persönliche Beratungsgespräche geführt. Homeoffice wäre hier nicht praktikabel gewesen.“ In anderen Bereichen haben einzelne Mitarbeiter über Monate im Homeoffice gearbeitet. Die Erfahrungen waren besser als befürchtet.

„Wie viele anderen Firmen haben auch wir festgestellt, dass viele Aufgaben auch von zuhause aus erledigt werden können. Auch ein neuer Rhythmus aus Telefonkonferenzen und Skype-Meetings ist zwar oft mühsam, kann aber effizient sein“, so Landt. „Das sind erst einmal positive Erkenntnisse. Wir sind aber ein Haus, das vom persönlichen Kontakt, kurzen Wegen und schnellen Entscheidungen lebt. Und das hat uns in dieser Zeit spürbar gefehlt.“

Darum wird es für die Sparkasse nach Corona eher zurück zu den alten Strukturen gehen. „Homeoffice wird aber sicher in Zukunft eine Möglichkeit darstellen, kurzfristig auf besondere Situationen zu reagieren und übergangsweise seine Arbeit von zuhause aus zu erledigen.“

Für Edgar Fischer von der Werbeagentur Printhaus ist Homeoffice nichts Neues. „Im Bereich Gestaltung und Werbekonzeptionen haben wir bereits seit Jahren einen Datenverbund zwischen Büro und Mitarbeitern. Das alles klappt ganz prima.“ Homeoffice ist fester Bestandteil der Arbeitsplatz-Kultur, „weil es bei einigen Jobs unumgänglich ist, in Ruhe und ohne äußere Einflüsse zum Beispiel ein komplettes Buch zu gestalten oder ein stimmiges Firmenlogo zu entwickeln“.

Im Bereich Schilderherstellung, Montage, Fahrzeugbeschriftungen und Folierungen sei Homeoffice hingegen nicht möglich, „weil handwerkliches Können am Objekt vonnöten ist“.

Roman Wohlgemuth, Inhaber von Wosta-Tresore, sagt: „Homeoffice war bei mir im Betrieb schlicht nicht umsetzbar. Wir haben aber andere, sehr hilfreiche Maßnahmen getroffen.“ Zweimal wöchentlich Corona-Tests für alle Mitarbeiter. Jeder bekam sein eigenes Büro inklusive Hardwareausstattung. „Außerhalb der Büros galt Maskenpflicht und Abstandsregelung, quasi die AHA-Regeln. In allen Büros galt eine Lüftpflicht für fünf Minuten alle 30 Minuten.“ Und in allen Firmenbereichen wurden täglich alle Kontaktflächen wie Türklinken, Tische, Stühle desinfiziert. „Wir sind mit diesen Maßnahmen gut durch diese schwere Zeit gekommen und sind für unser aller Mühen mit geschäftlichem Erfolg und erhaltener Gesundheit belohnt worden. Dafür sind wir alle dankbar und völlig zurecht stolz.“

Beim Wasserbeschaffungsverband Syker Vorgeest gibt es kein Homeoffice. „Aufgrund der Arbeitsplatzverhältnisse in unserem Verwaltungsgebäude konnten wir, bis auf die ersten Wochen während der Corona-Phase im letzten Jahr, auf Homeoffice für unsere 21 Mitarbeiter im Verwaltungsgebäude verzichten“, sagt Geschäftsführer Manfred Cattau. Durch die bauliche Erweiterung des Verwaltungsgebäudes sei die Raumsituation entsprechend der Vorgaben geregelt. „Die Mitarbeiter im technischen Bereich, die unser Rohrnetz betreuen, fahren von Haus aus in das Netz. Wir haben damit gute Erfahrungen.“

Beim Mittelweserverband mit Geschäftsstelle in Syke und Bauhof in Bruchhausen-Vilsen sind es die Mitarbeiter, die Homeoffice eher ablehnen. „Die Bauhofmitarbeiter müssen der Arbeit an den Gewässern und Deichen nachgehen, sodass Homeoffice natürlich nicht funktioniert“, sagt Geschäftsführer Peter Neumann mit einem Augenzwinkern.

Von den sechs Bürokräften in der Geschäftsstelle haben drei laut Neumann 2020 insgesamt sechs Wochen im Homeoffice gearbeitet, „sich dabei aber nicht wohlgefühlt“. Neumann zählt die Gründe auf: „Schnell von der Arbeit abgelenkt, soziale Kontaktarmut, keine vernünftige Bürolandschaft. Im Wohnzimmer saß schon der Mann oder Freund, in der Küche konnte man nur auf Barhockern sitzen.“ Sie arbeiten weiter im Büro an der Hermannstraße. „Da im Büro auch wenig bis gar kein Publikumsverkehr ist, fühlen sich die Mitarbeiter auch relativ geschützt.“

Markus Westermann, Bezirksgeschäftsführer Bremen-Nordniedersachsen der Gewerkschaft Verdi, zeichnet ein differenziertes Bild. Um überhaupt von zuhause arbeiten zu können, ist eine ausreichende Internetverbindung die Voraussetzung. Schon die sei nicht überall erfüllt. Pendler seien aber in der Regel eher froh, nicht mehr pendeln zu müssen.

„Gesamtbetrachtet gibt es schon das Problem, dass Arbeit und privat sehr verschwimmen“, sagt Westermann. Aber anders als vielleicht mancher Vorgesetzte glaubt: „Zulasten des Privaten!“ Geschlossene Schulen und Kitas belasten Eltern zusätzlich. Und das führt dazu, „dass die Arbeitsleistungen im Homeoffice nicht in der regelmäßigen Arbeitszeit erbracht werden konnten“.

Was gut funktioniere, seien Online-Termine und -Besprechungen – „wenn genügend Breitband vorhanden ist“. Woran es hapere, sei der persönliche Kontakt zu Kollegen. Dabei hat er, wenig überraschend, die Gewerkschafter-Brille auf: „Die Mitbestimmung von Betriebs- und Personalräten ist ohne direkten Austausch mit den Kollegen ebenfalls sehr schwer.“ Aber: „Auch das Führen der Mitarbeiter aus der Ferne liegt nicht jeder Führungskraft.“

Westermann glaubt: Nach Corona werde es sicherlich eine Mischung aus beidem geben können; Homeoffice und Präsenz im Büro. „Es muss aber zum Schutz der Arbeitnehmer geklärt werden: Was ist Homeoffice, und wer ist für den Arbeitsschutz und die technische Ausstattung zuständig? Da hat es in der Pandemie rechtlich immer noch Grauzonen gegeben, so weit, dass Beschäftigte ihre privaten Rechner nutzen mussten.“

Von Michael Walter

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