Garant für den Frieden

Wie Städtepartnerschaften über Corona und nationale Differenzen strahlen

2018 war eine Syker Delegation bei der Einweihung der neuen Bibliothek von Wabrzezno. Derzeit liegt der Austausch coronabedingt weitgehend auf Eis.
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2018 war eine Syker Delegation bei der Einweihung der neuen Bibliothek von Wabrzezno. Derzeit liegt der Austausch coronabedingt weitgehend auf Eis.

In Polens Politik weht derzeit ein kalter, europa-skeptischer Wind. Doch in den Partnerschaften zwischen Kommunen spielt das kaum eine Rolle, heißt es aus Syke. Dort wird die Freundschaft zur polnischen Partnerstadt Wabrzezno weiter gepflegt. Trotz Corona und trotz nationaler Differenzen.

Syke – Außenpolitik ist in der Regel keine kommunale Spielwiese. Dennoch könnte man die freundschaftlichen Beziehungen von Städten verschiedener Länder auch unter diesem Aspekt sehen. Auf alle Fälle sind sie ein geeignetes Mittel, um Interesse für unterschiedliche Kulturen und Lebensweisen zu wecken, gegenseitiges persönliches Kennenlernen zu ermöglichen und wirtschaftliche Verbindungen an der Basis zu knüpfen.

Die erste Partnerschaft zwischen einer deutschen und einer französischen Stadt existiert seit 1950. Syke ist seit 1973 Teil dieser Bewegung. Sykes damaliger Bürgermeister Ferdinand Salfer vereinbarte mit seinem französischen Pendant Dr. Roland Lebrun in La Chartre-sur-le-Loir Austausche. Seitdem lernten Generationen von Schülern die Partnerstadt und auch den Tagesablauf in französischen Familien ebenso kennen, wie in der Gegenrichtung französische Schüler in Syke.

„Im Laufe der mittlerweile 47 Jahre hat sich diese Partnerschaft von der offiziellen Angelegenheit immer mehr zu den persönlichen Beziehungen verschoben“, sagt Sykes Bürgermeisterin Suse Laue. „Die Pflege dieser Beziehungen hat ein Verein übernommen. Aber auch auf offizieller Ebene gibt es nach wie vor freundschaftliche Kontakte, die durch regelmäßige Treffen gepflegt werden. Gerade in der letzten Woche haben wir per Videokonferenz wieder geplant“, ergänzt sie.

2006 kam mit Wabrzezno eine polnische Partnerstadt hinzu. „Aufgrund der politischen Strukturen in Polen bewegt sich diese Partnerschaft mehr auf offizieller Ebene“, so Christian Flor, Ratsmitglied und Vorsitzender des Freundeskreises Syke-Wabrzezno. „Unser Ansprechpartner ist in der Regel der Bürgermeister“.

Polnischer Bürgermeister nahm am Syker Hachelauf teil

Zusammen mit Suse Laue ist er froh, in Wabrzezno „einen jungen, dynamischen und weltoffenen Ansprechpartner zu haben, der starkes Interesse am kommunalen Austausch hat“. „Bereits kurz nach seiner Wahl besuchte er Syke mit einer Delegation und nahm auch am Syker Hachelauf teil“, freut sich Flor. „Leider hat die Pandemie auch auf diesem Gebiet einiges ausgebremst“, sagt er.

In der „großen Politik“ entfernt sich Polen aktuell immer mehr von Europa. Derartige Tendenzen sind auf kommunaler Ebene nicht festzustellen, sind sich Laue und Flor einig. Diese Ansicht teilen die Vorsitzenden der CDU- und der SPD-Stadtratsfraktion, Wilken Hartje und Peter Jahnke. „Gerade, wenn es auf der Landesebene nicht so gut läuft, muss man an der Basis die Gespräche intensivieren und die Freunde stützen. Jetzt erst recht“, sagt Jahnke. Hartje sieht die „politische Kälte“ der polnischen Regierung als temporäres Problem, dem durch gute Kontakte an der Basis begegnet werden kann. Kommunale Partnerschaften sind für ihn „Garant für den Frieden“.

Dem stimmt Gerd Thiel in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Europa-Union im Landkreis Diepholz zu. „Bei den freundschaftlichen Begegnungen zwischen den Menschen spielt die ,große Politik‘ eher eine untergeordnete Rolle“, ist er sich sicher.

Frank Reglin, einer der „Gründerväter“ der polnischen Partnerschaft, pflegt seine persönlichen Kontakte „unabhängig von politischen Einflüssen“. Er ist sich aber auch sicher, in Polen Freunde gewonnen zu haben, die „in der Lage sind, über den Tellerrand hinaus zu schauen“.

Allen Gesprächspartnern ist wichtig, auch in politisch möglicherweise schwierigen Zeiten den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen. Wobei Suse Laue aber auch deutlich darauf hinweist, dass derartige Partnerschaften neu zu bewerten wären, falls „örtliche politische Gremien deutschland- oder europafeindliche Positionen einnehmen würden“.

Von Horst Meyer

Geplatzte und geplante Aktivitäten

Bürgermeisterin Suse Laue trifft sich mit den Partnern in La Chartre regelmäßig zu Planungen per Videokonferenz. 2020 scheiterte ein geplantes Treffen beider Partnerschaftskomitees in Aachen an der Pandemie. Auch ein Treffen im Oktober in Syke wurde abgesagt.

Sykes Jugendpfleger Abdelhafid Catruat brachte im Januar 2020 Jugendliche aus Syke, Wabrzezno und aus Marokko zu einem Workshop in Syke zusammen. Die Folgeveranstaltung in Marokko ist für Ende Mai geplant – sofern Corona das zulässt. Das 2020 geplante Treffen der Verwaltungen aus Wabrzezno und Syke zu einem „Spiel ohne Grenzen“ musste ebenso wie die Teilnahme polnischer Sportler am Hachelauf ausfallen.

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