Zauberhafter Schmerzvertreiber

Wie das DRK-Seniorenheim Friedeholz mit der Tover-Tafel spielerisch die Apathie durchbricht

Senioren spielen mit einem auf einen Tisch projizierten Elefanten.
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Spielen, Malen, Puzzeln, Lernen: Mit der Tover-Tafel ist praktisch alles möglich. Ein einfacher Tisch genügt als Projektions- und Spielfläche.

Ein High-Tech-Spielzeug sorgt derzeit im Syker DRK-Seniorenheim Friedeholz für Furore. Mit der „Tover-Tafel“ haben die Bewohner die Möglichkeit, mit Handgesten auf einer projizierten Fläche zu spielen oder zu malen. Mit erstaunlichen Folgen.

Syke – Der entscheidende Satz kommt von einer Bewohnerin: „Meine ganzen Schmerzen sind weg“, ruft sie lachend mitten im Eifer des Gefechts. Zusammen mit ein paar Mitbewohnern sitzt sie an einem Tisch im Speisesaal des DRK-Seniorenheims Friedeholz und spielt Fußball. Und da ist richtig Action!

Wie die Weltmeister trommeln die Senioren mit beiden Händen auf den Tisch und versuchen, den virtuellen Ball ins virtuelle gegnerische Tor zu befördern. Sie lachen, sie johlen, sie jubeln bei jedem Treffer – und sind plötzlich alle wieder zwölf.

Möglich macht das ein an die Zimmerdecke montierter Kasten. Eine Mischung aus Spielekonsole, Videobeamer und Sensor-Paket. Die Tover-Tafel. Tover – mit langem O – ist niederländisch und heißt Zauber. Tafel steht nicht für die Tafel an der Klassenzimmerwand, sondern für den Tisch. Und es macht genau das, was es sagt: Es macht aus dem Tisch darunter einen Zaubertisch. Auf dem man damit spielen kann oder malen oder Musik machen. Etwa 30 Programme sind serienmäßig installiert. Die Sensoren im Gerät erfassen die Bewegungen der Spieler und setzen sie direkt als Kommandos um. Playstation ohne Controller.

„Das ist das Highlight hier im Haus“, sagt Betreuerin Silke Höfemann. „Wir haben das Gerät jetzt ein paar Wochen und staunen jedesmal wieder, was es bewirkt.“

Die Idee dahinter ist: Auf spielerische Weise Apathie zu durchbrechen. Und das funktioniert. Selbst bei Bewohnern mit fortgeschrittener Demenz. Leiterin Inna Brodt bestätigt das und erzählt von einer Bewohnerin, die schon praktisch gar nicht mehr am Alltag teilgenommen hat. „Sie saß eigentlich nur noch da und hat gestarrt. Wir hatten den Eindruck, sie kriegt schon gar nicht mehr mit, was um sie herum passiert. Aber selbst sie hat hier mitgespielt und hatte Spaß. Das war ein richtiges Erfolgserlebnis. Für sie selbst und für unser Pflegepersonal.“

Für Demenzkranke hatte der Hersteller das Gerät auch ursprünglich gedacht. Es wird inzwischen aber weit vielfältiger eingesetzt.

Das ist das Gerät, das aus einem einfachen Tisch einen Zaubertisch macht. Es funtioniert quasi wie eine Spielekonsole mit eingebautem Beamer und Sensoren, die die Bewegungen der Spieler erfassen.

Acht Stück hat der DRK-Kreisverband insgesamt angeschafft. Für seine Seniorenheime in Barnstorf, Barrien und Syke sowie seine Tagespflegeeinrichtungen.

„Wir hatten ein mobiles Gerät zum Ausprobieren hier im Haus“, sagt Inna Brodt. „Das war aber noch vor meiner Zeit.“ Sie hat die Tover-Tafel selbst erst kennengelernt, als das Gerät im Speisesaal installiert worden ist. „Das ist ein fest verbautes Gerät, und das bleibt auch im Speisesaal“, sagt sie. „Die Idee ist, dass wir die Bewohner, die nicht mehr mobil sind, dann dort hinbringen.“

Spielen darf damit grundsätzlich jeder Bewohner. Aus dem Betreuerteam ist immer jemand dabei, hauptsächlich um bei der Bedienung und Einstellung zu helfen. Zum Beispiel Silke Höfemann oder ihre Kollegin Eugenia Singh. Auch Singh ist von der Tover-Tafel begeistert. „Das ist gut für die Feinmotorik, Gedächtnistraining ist mit dabei. Man kann sogar Noten damit lernen“, sagt sie. „Aber Fußball ist der Renner – auch für uns!“

Inna Brodt hat die Tover-Tafel inzwischen auch schon ausprobiert. „Das macht Spaß“, sagt sie. „Wenn ich nicht arbeiten müsste, hätte ich vielleicht ein bisschen länger gespielt. Aber mir macht es auch Freude zuzusehen, wenn Menschen, die kaum noch am Leben teilgenommen haben, wieder aktiv werden und Spaß haben. Das ist sehr beeindruckend. Darauf sind wir stolz, und dafür sind wir dankbar.“

Von Michael Walter

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