Permakultur-Vorbild in Okel

Ein „Werkzeugkoffer“ für ein besseres Leben

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Maike (l.) ist gern zu Gast im idyllischen Garten des Palkieshofes in Okel. Regelmäßig besucht sie Melanie und Martin Palkies und die beiden Söhne Sören (r.) und Thore.

Okel - Von Frank Jaursch. „Die Ausbeutung ist nicht unendlich.“ Beinahe beiläufig sagt Melanie Palkies diesen Satz im Verlauf des Gesprächs. Doch er ist letztlich so etwas wie eine Triebfeder: Wie schafft man es, als Mensch zu leben, ohne die Welt auszubeuten? Mit einem „gesunden Miteinander“, gibt Martin Palkies als Antwort. Das Okeler Ehepaar hat sich einer besonderen Art des nachhaltigen Lebens verschrieben: Sie wollen anderen Menschen das Konzept der Permakultur näherbringen.

Seit mehreren Jahren leben die beiden mit ihren Söhnen auf einem kleinen Hof. Über Jahre versuchten sie erfolglos, der Arbeit Herr zu werden. Haus sauber halten, Kinder erziehen, Tiere versorgen... Ein Full-Time-Job gewissermaßen, zusätzlich zu der „normalen“ Arbeit. Der Erfolg? Eher enttäuschend. „Das Gemüse ging im Unkraut unter“, nennt Melanie Palkies ein Beispiel.

Aber was tun, um all das zu bewältigen? Im Internet stieß sie auf den Begriff Permakultur. „Nachhaltigkeit“ ist längst ein übermäßig strapazierter Begriff geworden. Doch für die Idee hinter der Permakultur steckt genau das: Kreisläufe schaffen, die ohne viel Energie von außen funktionieren. Die Ressourcen besser nutzen. Dinge verwerten – und damit den Wert dieser Dinge erhöhen.

Mit Hilfe vergleichsweise einfacher Prinzipien gelang es den beiden Okelern, ihren Garten viel pflegeleichter zu gestalten. Palkies bezeichnen die Grundlagen als „Werkzeugkoffer“, der bei der Gestaltung einer nachhaltigen Lebenseinstellung hilft.

Weit mehr als bloß Gartengestaltung

Ein Beispiel ist die Auswahl von Pflanzen, die einen Platz in ihrem Garten finden. „Die Pflanzen, die hier wachsen, tun dem Körper oder der Seele etwas Gutes“, erklärt Melanie Palkies beim Spaziergang. Viele sind – kaum zu glauben – essbar. Von der Fetthenne über den Sonnenhut bis zur Süßdolde bereichern so manche Gewächse mit unverhofft exotischem Geschmack den Speiseplan.

Und was nicht essbar ist, kann der Seele Gutes tun. Etwa durch Duft oder schöne Blüten.

Am anderen Ende des Gartens picken und scharren Hühner vor sich hin. „Sie bereiten das nächste Beet vor“, sagt Martin Palkies. Die Hühner machen Unkraut den Garaus – und Bio-Dünger fällt dabei auch noch ab.

Längst geht es für sie nicht mehr bloß um Gartengestaltung – sondern vielmehr um die Gestaltung des Lebens. Mehr Lebensqualität bei niedrigerem Energieverbrauch. Das, so sind beide überzeugt, ist mit Permakultur möglich.

Melanie und Martin Palkies haben die Hilfe von anderen genutzt, um die Permakultur-Idee zu verstehen. Der Bremer Permakultur-Designer Volker Kranz hat ihnen viel vermittelt, von einem mehrtägigen Aufenthalt beim Essgarten in Harpstedt „haben wir ganz viel an Wissen mitgebracht“.

Lebensweise anderen näherbringen

Nun will das Ehepaar ihre Lebensweise und die Idee dahinter auch anderen näherbringen. Gemeinsam mit Freunden und Nachbarn haben sie den Verein Perma-Kultur-Garten Okel gegründet.

Das Ziel ist die Organisation von Seminaren und Vorträgen zum Thema – und die Präsentation der Umsetzung bei Besuchertagen. Die Möglichkeiten sind mannigfaltig und reichen von Themen wie Komposttoiletten über Gemüseanbau und essbare Stauden bis hin zu einem Workshop zum Thema „Bau von Lehmöfen“ oder Dach- und Fassadenbegrünung, und von der Wildkräuterküche über das Imkern bis zum Aufbau eines Waldgartens.

Ihren Hof nennen Melanie und Martin Palkies den „Palkieshof“; er soll sich als Treffpunkt und Wissenszentrum etablieren. „Auf unserem Hof wird das Konzept der Permakultur sichtbar und erlebbar“, betont Melanie Palkies. Sie weiß, dass ihr eigener Hof noch ebenso am Anfang steht wie ihre Idee vom Palkieshof. „Wir wollen dieses Wissen in die Breite bringen“, umschreibt es Martin Palkies.

Den ersten Vortrag zum Thema Permakultur gibt es bereits kommenden Montag. Ab 19.30 Uhr liefert Volker Kranz im Gleis 1 Informationen rund um diese Lebenseinstellung. Der Abend ist der Auftakt einer ganzen Reihe von Kurse. Die Teilnahme kostet drei Euro.

Weitere Informationen bietet die Homepage des Palkieshofs unter: www.palkies-hof.de

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