Zinspolitik der Europäischen Zentralbank

Banken im Landkreis ziehen die Kostenschraube an: „Wer klassisch spart, verliert Geld“

Eine Bankberaterin zählt Geld.
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Rückblick: Vor rund zehn Jahren gab es noch Zinsen auf Sparguthaben. Diese Zeiten sind seit der damaligen Bankenrettung vorbei.

Wer klassisch spart, verliert Geld. Aufgrund der Negativzins-Politik der Europäischen Zentralbank ziehen Banken die Kostenschraube an – auch im Landkreis Diepholz. Die Banken geben ihre Belastungen an die Kunden weiter. Was sagen die großen Geldhäuser aus der Region zu dieser Entwicklung?

Landkreis – Bargeld ist unverzinst, das Sparen auf dem Konto seit einigen Jahren auch. Nun ziehen die Banken aufgrund der Negativzins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) auch noch die Kostenschrauben für ihre Dienste an. Das trifft Kunden – auch im Landkreis.

Kirsten Dauelsberg (Volksbank Sulingen), Steffen Bußmann (Kreissparkasse Syke) und Sebastian Haarbauer (Oldenburgische Landesbank, Filialgebiet Bremen/Syke) nehmen Stellung zu den Folgen der Niedrigzins-Politik.

 Oldenburgische Landesbank (OLB)

Die OLB erhebt seit Januar ein sogenanntes Verwahrentgelt für Bestands- und Neukunden. Seit 1. Juni gelten 0,5 Prozent bei allen Kontomodellen, sagt Sebastian Haarbauer, Filialgebietsleiter. Bei Firmenkunden und Freiberuflern gelte der Satz ab 500.000,01 Euro.

Das klassische Sparen empfiehlt Haarbauer niemandem. Bei einer Null-Prozent-Verzinsung zehrt die Inflation das Guthaben auf. „Wer klassisch spart, verliert de facto jedes Jahr Geld.“ Auf 99 Prozent der Privatkunden habe das Verwahrentgelt keine Auswirkungen. In erster Linie seien Firmen- und Unternehmenskunden betroffen. Haarbauer: „Solange die Zinslandschaft so ist, bleiben die Verwahrentgelte.“

Die Entgelte seien nicht da, um Zinserträge zu generieren, sondern, um überschüssige Liquidität auf besser geeignete Produkte als Girokonto und Tagesgeld umzuschichten – wie Wertpapiere, so die Bank.

Generell rät die OLB zu „realen, anfassbaren und mit Substanz unterlegten Werten“. Dazu gehörten Aktien, Edelmetalle wie Gold oder auch Immobilien. Die Bank biete derweil immer noch ein Konto ohne Grundgebühr an, aber einzelne Services kosteten Geld. Zum Beispiel 30 Cent pro Buchungsposten. Für Schüler, Azubis und Studenten bis 27 Jahre gebe es weiterhin ein gebührenfreies Girokonto.

Volksbank

Auch die Volksbank berechnet laut Marketing-Sprecherin Kirsten Dauelsberg Negativzinsen. „Das anhaltende Niedrigzinsumfeld stellt für uns Banken eine starke betriebswirtschaftliche Belastung dar.“ Für Neukunden beginne der Negativzins ab 100.000 Euro, für Bestandskunden der Volksbank künftig bei 250.000 Euro.

2019 begann die Bank erstmals, Verwahrentgelte von 0,5 Prozent von Firmenkunden ab einem Guthaben von 500.000 Euro zu erheben – also 2.500 Euro jährlich. Die Kosten der EZB seien so 1:1 weitergegeben worden, unterstreicht Dauelsberg.

Seither stelle die Bank unverändert „einen enormen Zuwachs an Kundeneinlagen (Guthaben)“ fest. Im vergangenen Jahr seien diese um 11,2 Prozent angestiegen. Weitere Zinsanpassungen hingen derweil von der Entwicklung der EZB ab.

Für die Volksbank seien Negativzinsen auch nur ein Randthema, „98 Prozent unserer Kunden sind nicht betroffen“, sagt Dauelsberg. Kostenfrei ist zudem nur noch das Konto für Kinder und Jugendliche bis zur Beendigung der Ausbildung oder des Studiums. Alle anderen werden „bepreist“.

Dass Privatkunden deswegen ihr Geld abziehen, glaubt die Bank bisweilen nicht. „Aktuell stellen wir keine nennenswerten Kontokündigungen fest.“

Kreissparkasse Syke

Steffen Bußmann, Abteilungsleiter Vorstandssekretariat der Kreissparkasse (KSK) Syke, bestätigt, dass auch sein Geldhaus Negativzinsen erhebt. „Die Negativzinspolitik der EZB zwingt uns dazu, auch mit Verwahrentgelt zu agieren.“

Kunden erhielten einen Freibetrag auf ihre Konten in Höhe von 100.000 Euro, Neukunden in Höhe von 50.000 Euro. Das bedeutet: ab dann werden 0,5 Prozent der Einlagesumme fällig. Der Wert sei an den Referenzzinssatz der EZB gekoppelt. „Ändert sich dieser, passen wir unseren Zinssatz an“, so Bußmann. Das sehr niedrige Zinsumfeld der EZB wirke sich zudem negativ auf die Altersvorsorge der Kunden aus, so die Bank. Daher rät die Sparkasse zu alternativen Anlagemöglichkeiten wie Wertpapieren.

Ein kostenfreies Konto gibt es bei der Sparkasse nur für Azubis und Studenten bis 26 Jahre. Alle übrigen zahlen für ein Girokonto mindestens 5,11 Euro. „Diese Summe entspricht zehn Mark. Das entspricht unserer letzten Preiserhöhung aus dem Jahr 1994“, so Bußmann.

Auswirkungen auf den Kundenstamm gebe es nicht. 98 Prozent der Kunden seien bisher von den negativen Effekten verschont. Bußmann: „Bisher nehmen wir keine Kontokündigungen wahr.“ Er blicke daher „verhalten optimistisch in die Zukunft“.

Direktbanken

Eine Alternative zu klassischen Geldhäusern bieten Direktbanken. Diese verzichten auf ein Filialnetz. Bankgeschäfte laufen über das Internet. Doch auch Institute wie die Deutsche Kreditbank (DKB) berechnen Negativzinsen auf Konto-Einlagen.

Dennoch, der Corona-Lockdown habe den Trend hin zu Direktbanken verstärkt. Der Kundenstamm der DKB im Kreis stieg zwischen März 2020 und August dieses Jahres um 12,06 Prozent, berichtet Pressesprecher Hauke Kramm. Aus Wettbewerbsgründen nenne der Konzern keine absoluten Zahlen. „Nicht zuletzt die Pandemie hat für Privat- wie auch Geschäftskunden den Druck erhöht, möglichst schnell von analogen zu digitalen Angeboten zu wechseln“, so Kramm. Außerdem: Die Bank erhebt keine Kontoführungsgebühren.

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