Heiligenfelder Kirchenmäuse üben fleißig für ihr Musical „Franziskus“

„Wenn’s drauf ankommt, geben die alle Gas“

Was ist bloß mit Franziskus los? Lenya (r.) und Melinda unterhalten sich in ihren Rollen als Luigi und Clara über die Veränderungen des jungen Mannes. Im Hintergrund lamentieren die Bewohner und Ratsmitglieder. - Foto: Ehlers

Heiligenfelde - Auf dem Marktplatz von Assisi ist das Unverständnis fast fühlbar. Kopfschütteln bei den Stadtbewohnern, Erstaunen bei den Ratsherren. Was ist bloß mit Franziskus los? Der Marktplatz der italienischen Stadt befindet sich an diesem Nachmittag im Heiligenfelder Gemeindehaus. Und das Erstaunen ist natürlich bloß gespielt: Es laufen die Proben für das Musical „Franziskus“.

Mit der Aufführung des Kindermusicals wagen sich Ina Dettmann und ihre Heiligenfelder Kirchenmäuse an ein ziemlich anspruchsvolles Thema. Seit 2009 gibt es den Kinderchor nun schon, fast jährlich hat die Gruppe ein Stück eingeübt. Nach Stücken wie der Vogelhochzeit, dem Regenbogenfisch und dem Grüffelo wagt sich die Leiterin des Chores an ein großes christliches Thema: die erstaunliche Wandlung des Franz von Assisi.

„Das ist schon anspruchsvoller als die letzten Stücke“, sagt Dettmann. Die Kostüme werden teilweise extra für die Aufführung angefertigt, zudem dürfen die Kinder den riesigen Fundus von Kostümverleiherin Bettina Precht nutzen. „Ein super Angebot“, freut sich die Musiktherapeutin. Zudem gestalten die Kinder und ihre Eltern wieder gemeinsam das Bühnenbild.

Doch auch die schönsten Kostüme und das prächtigste Bühnenbild entfalten nur dann ihre Wirkung, wenn die jungen Schauspielerinnen ihre Rolle beherrschen. Und da macht Übung den Meister.

Noch einmal geht Ina Dettmann die Szene auf dem Marktplatz durch. „Er hat nur noch Jesus im Kopf“, beklagen sich seine ehemaligen Freunde, mit denen er einst so viel feierte, „nur noch Beten und Fasten.“ Und heute? Stiehlt Franziskus einen wertvollen Ballen Tuch aus dem Laden seines eigenen Vaters, um eine Kapelle wieder aufzubauen und die Bettler zum Essen einzuladen! Unerhört!

„Ihr müsst denken: ‘Der tickt nicht ganz sauber’“, erklärt Dettmann den Mädchen, die die Dorfbewohner spielen. Und die zeigen gestenreich, was sie von diesem seltsamen jungen Mann halten.

Auftritt des Bischofs. Der heißt eigentlich Lea, ist zehn Jahre alt und trägt heute ein T-Shirt mit der Aufschrift „Let’s do the Jungle Boogie“. Der Bischof soll ein Urteil über den Diebstahl fällen. Pietro Bernadone hatte seinen eigenen Sohn Franziskus wegen des Diebstahls verklagt. Und der nutzt die öffentliche Verhandlung, um sich von seinem Vater loszusagen. Ab sofort soll Gott der Vater sein, dem er dient.

„Wäre schön, wenn wir Jungs dabei hätten“

Jona hat die Hauptrolle des Franziskus übernommen. Der Text ihres Solo-Stückes sitzt, auch die Töne trifft die Zwölfjährige gut. „Das machst du klasse“, lobt Elke Altenbach, die die Übungsstunde mit ihrem Klavierspiel unterstützt.

Auch Dettmann ist zufrieden mit den Mädchen. „Sie kleben noch ein bisschen am Text“, schildert sie, „da bleibt die schauspielerische Leistung noch auf der Strecke. Aber wenn’s drauf ankommt, geben die alle Gas.“

Dettmann muss es wissen: Viele der Mädchen begleiten sie schon seit der musikalischen Früherziehung. Zwei Gruppen bietet Ina Dettmann an: Die Größeren (ab Schulklasse 2) treffen sich dienstags ab 16.30 Uhr, für die kleineren Kinder ist der Mittwochnachmittag reserviert. Die Gruppe mit den Jüngeren soll bei der Aufführung am 22. Mai ebenfalls mit dabei sein – wenn auch nur im Hintergrund.

Während der Marktplatz-Proben öffnet sich die Tür zum Übungsraum, und drei weitere Mädchen kommen herein. Dettmann winkt sie heran. „Willkommen! Ihr könnt gleich mitmachen, wir brauchen noch Ratsherren.“ Weitere Stimmen sind immer willkommen. Vor allem Jungen. „Die vermissen wir schmerzlich“, sagt die 49-Jährige. „Es wäre schön, wenn wir ein paar Jungs dabei hätten.“

Bis dahin müssen eben die Mädchen einspringen. Wie Mailin, die den Vater von Franziskus darstellt, oder Emma – sie hat die wichtige Rolle als Wolf ergattert.

„Franziskus“ wird am Nachmittag des 22. Mai in der Heiligenfelder Kirche aufgeführt. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.

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