Pastorin Thekla Röhrs verlässt Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz

Wenn das Leben endet: „Seelsorge ist Seel-Sorge“

Anke Orths (links) übernimmt das Seelsorge-Amt im Kinder- und Jugendhospiz von Thekla Röhrs. - Foto: Heinfried Husmann

Syke - Von Anke Seidel. Befristete Stellen sind nichts Ungewöhnliches – der Grund dafür im Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz aber schon: Weil diese Arbeit viel Kraft kostet, ist das Seelsorge-Amt im Kinder- und Jugendhospiz auf maximal sechs Jahre begrenzt. Grund: Eltern nach dem Tode ihres Kindes wieder Hoffnung und Zuversicht zu geben, ist eine Ausnahme-Aufgabe. Ausgefüllt hat sie in den vergangenen sechs Jahren die Pastorin Thekla Röhrs, die sich gestern aus ihrem Amt verabschiedete. Ihre Nachfolgerin ist Anke Orths.

„Es ist Seelsorge von kirchlicher Seite, aber Seel-Sorge“, betont Gaby Letzing als Leiterin des Kinder- und Jugendhospizes. Schließlich sind es Menschen mit völlig unterschiedlichen Glaubensgrundsätzen, die den Tod des eigenen Kindes verkraften müssen. Weil Seel-Sorge so wichtig ist, finanziert der Trägerverein von Löwenherz Dreiviertel der Vollzeit-Stelle (ein Viertel die Landeskirche).

70 Abschieds-Rituale hat Thekla Röhrs in ihrer Zeit als Löwenherz-Seelsorgerin gestaltet – Rituale, die den Schmerz lindern helfen sollen. Symbol im Kinderhospiz: der Schmetterling, der nur durch den Tod der Raupe seine faszinierende Schönheit entfalten kann. „Im Jugendhospiz haben wir das Segel dafür“, so Gaby Letzing.

Beide Symbole stehen für das Loslassen – und die Hoffnung: „Beim Abschiedsritual lassen die Eltern die Seele in den Himmel“, beschreibt Gaby Letzing das Ritual, das „körperlich ganz stark spürbar ist“. Dieses Aus-der-Hand-Geben ist nach der Erfahrung von Thekla Röhrs ein wichtiger Schritt auf dem Weg der Trauer. Ganz bewusst haben sich die meisten Mütter und Väter darauf vorbereitet: „Wenn sie mit ihren Kindern zu uns kommen, laden wir sie ein, diese Symbole selbst zu basteln“, erklärt Gaby Letzing. Bis auf die Eltern eines Kindes hätten alle dieses Angebot angenommen, so die Hospiz-Leiterin. „Und ein Jugendlicher hat sich bewusst dagegen entschieden“, fügt Thekla Röhrs hinzu.

Rituale sind ein tragendes Element der Seel-Sorge, wenn ein Kind diesen Planeten verlassen hat – für Eltern und Geschwister genauso wie für die Mitarbeiter des Kinder- und Jugendhospizes. Rituale sorgen ebenso in der Weihnachtszeit wie am Ostermorgen bei Sonnenaufgang für ein intensives, gemeinsames Erlebnis. Ein kreativer Erinnerungstag im Frühjahr und der weltweite Gedenktag für verstorbene Kinder am zweiten Sonntag im Dezember geben verwaisten Eltern ebenso die Möglichkeit, ihre Trauer zu leben und Zuversicht zu schöpfen.

Pastorin Thekla Röhrs hat sie in ihrer Zeit als Seelsorgerin bei Löwenherz gestaltet – ebenso wie insgesamt zehn Trauerfeiern von Kindern: auf Wunsch der Eltern und in den Heimatgemeinden der Verstorbenen. „Im Kinderhospiz habe ich aber auch schon Taufen und Konfirmationen erlebt“, freut sie sich über schöne Ereignisse in ihrer Zeit bei Löwenherz. Geprägt war sie andererseits aber auch von Gesprächen mit trauernden Eltern, die nach dem Verlust ihrer Kinder an der Gerechtigkeit Gottes zweifeln.

„Was, Gott, soll das?“ Diese Frage kann Pastorin Anke Orths gut verstehen: „Der Abschied vom eigenen Kind ist das Schlimmste, das man sich vorstellen kann.“ Die 51-Jährige hat viele Jahre Familien in Krisensituationen beraten – und bringt diese Erfahrung in ihre neue Aufgabe ein. Das Kinder- und Jugendhospiz nimmt die Pastorin als „Oase“ wahr – als Ort, an dem Eltern nicht stark sein müssen, und der auch Raum bietet für die ganz persönliche Anklage an Gott oder die „Gott-Verlassenheit“, wie die 51-Jährige es formuliert.

Sowohl den trauernden Eltern als auch dem Team im Kinder- und Jugendhospiz will sie „ein Stück von der Hoffnung anbieten, von der ich getragen bin“.

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