Lokale Allianz für Menschen mit Demenz veranstaltet vielfältige Projektwoche im Juni

Wenn die Kirchenglocken läuten...

Die Fotoausstellung „Lebensfreude trotz Demenz“ ist ein Teil der Projektwoche im Rathaus. - Foto: Gregor Beltzig

Syke - Von Frank Jaursch. Für Menschen mit Alzheimer – und für ihre pflegenden Angehörigen – ist die Auseinandersetzung mit der Krankheit vor allem eine Auseinandersetzung mit Defiziten. Dass es auch Lebensfreude und Potenziale gibt, soll Anfang Juni bei einer Projektwoche der „Lokalen Allianz für Menschen mit Demenz“ deutlich werden. Gestern stellten einige Beteiligte die Veranstaltungsreihe, die sich vom 5. bis 10. Juni erstreckt, vor.

Den Auftakt macht am Sonntag, 5. Juni, ein „Vergiss-mein-Nicht-Gottesdienst“ in der Christuskirche. Ab 11 Uhr gestalten Pastorin Albertje van der Meer und die Lüneburger Diakonin Antje Stoffregen den Vormittag. Gemeinsam sind Menschen mit und ohne Demenz aufgerufen, miteinander zu singen, zu beten, zu erzählen und das Leben zu feiern.

Stoffregen, die in ihrer Stammgemeinde seit Jahren regelmäßig solche Gottesdienste anbietet, berichtet von faszinierenden Effekten. „Die Angehörigen sind ganz erstaunt, wenn die Mutter, die sonst kaum noch redet, plötzlich alle fünf Strophen von ‘Geh aus mein Herz’ mitsingt.“

Auf Menschen mit Demenz habe die Begegnung mit dem Kirchenraum etwas Vertrautes. So berichtet van der Meer zum Beispiel von der wohltuenden Wirkung des Klanges der Kirchenglocken auf demente Menschen. „Wir lassen etwas aufleuchten, das ihnen guttut“, ist sich Antje Stoffregen sicher. Das gemeinsame Erleben soll alle Teilnehmer an kostbare Momente erinnern – und vielleicht ein paar neue hinzufügen. Der Gottesdienst trägt aus diesem Grund diesen Titel: „Kostbare Momente“.

Der Dienstag, 7. Juni, steht im Rathaus im Zeichen einer Fotoausstellung zum Thema „Lebensfreude trotz Demenz“ im Ratssaal und in der Stadtbibliothek. Zudem stellen ab 10 Uhr Schüler der Berufsbildenden Schulen ihre Facharbeiten zum Thema Demenz vor.

Die kurzen Referate illustrieren die Vielfältigkeit, mit der sie sich dem Thema genähert haben. Christine Körbel vom Diakonie-Pflegedienst gibt Beispiele: „Es gibt Rollenspiele, Power-Point-Präsentationen und Umfragen – zu Themen wie dem Umgang von demenzkranken Menschen mit Tieren oder der Frage: ‘Wie kann ich Grundschülern erklären, dass meine Mutter Demenz hat?’“

Am Mittwoch präsentieren sich im Rathaus die Teilnehmer und Kooperationspartner des auf zwei Jahre angelegten Projektes, das im September ausläuft. Auf Stellwänden wird veranschaulicht, was seit Projektbeginn geschehen ist – und was davon bleibt.

„Wir wollen das Gute weiterführen“, betont Körbel. Pflegende Angehöriger sollen auch künftig begleitet und ein Stück weit entlastet werden, die ambulanten Strukturen in Syke sollen gefestigt werden. Regelmäßige Treffen sollen den Austausch ermöglichen, Beratungen und Vorträge Hilfestellungen für Betroffene geben.

Den Abschluss der Projektwoche bildet der Vortrag „Das Herz wird nicht dement“ von Prof. Dr. Annelie Keil am Freitag, 10. Juni, um 17 Uhr im Rathaus. „Wir haben schon mehr als 100 Anmeldungen“, freut sich Heike Wilhelm von der Stadtverwaltung über die große Resonanz. Es gibt bei ihr (Tel. 04242 / 164 325) nur noch wenige Restkarten zum Preis von sieben Euro.

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