Barrier Nachbarschaft leidet unter zu viel Pflege

Tierliebe läuft aus dem Ruder: Wenn Katzen zur Plage werden

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Das ist Emmi – ehemals Mitglied der Barrier Katzenplage. Inzwischen ist der kleine Streuner in liebevolle Hände vermittelt worden. Einige seiner Geschwister hatten dieses Glück noch nicht.

Barrien - Von Heiner Büntemeyer und Michael Walter. Eigentlich hat Emmi das große Los gezogen: Friedlich schnurrt sie auf dem Arm von Andrea Winterboer, die schon Emmis drei Geschwister an andere Katzenfreunde vermittelt hat.

Emmi ist Teil der Katzenplage an der Straße Am Schützenplatz in Barrien. Dort hatte eine Anwohnerin über längere Zeit hinweg rund 20 Katzen beherbergt und regelmäßig gefüttert. Aber nicht alle Katzen hatten „Familienanschluss“. Sie waren sich weitgehend selbst überlassen und streunten durch die benachbarten Gärten – sehr zum Ärger vieler Nachbarn, die beispielsweise bei der Gartenarbeit immer wieder in Katzendreck traten.

Inzwischen ist diese Dame verstorben. Ihr Sohn hatte die Katzen danach aus dem Haus entfernt. Damit waren die Tiere allerdings nicht weg. Sie vermehrten sich unkontrolliert und entwickelten sich in der Nachbarschaft zur regelrechten Plage. Beim Tierheim Arche Noah erhielten Anwohner aus der Nachbarschaft die Auskunft, dass man dort diese Katzen nicht aufnehmen könne. Das Syker Ordnungsamt erklärte sich für nicht zuständig und verwies auf das Veterinäramt bei der Kreisverwaltung in Diepholz. Das Veterinäramt wollte allerdings nicht ohne Aufforderung durch die Stadtverwaltung aktiv werden.

Wer Katzen anfüttert, wird automatisch Halter

Tatsächlich gab es anfänglich ein paar Irritationen zwischen den Behörden: Tierschutz ist in der Tat ein Aufgabenfeld, für das der Landkreis zuständig ist. Es gibt in diesem Fall aber noch eine andere rechtliche Komponente: „Wer streunende Katzen anfüttert, wird automatisch zum Tierhalter“, erklärt Thorsten Abeling, der stellvertretende Leiter des Vererinäramts in Diepholz. „Er wird damit einem Eigentümer rechtlich gleichgestellt. Mit allen Rechten und Pflichten.“

Als das Veterinäramt zum ersten Mal mit dem Barrier Katzenproblem konfrontiert worden ist, ergaben sich für die Behörde daher zunächst einmal zwei Folgerungen. Erstens: Im Prinzip müssten sich die Erben der verstorbenen Frau um die Katzen kümmern. Und zweitens: „Wir konnten die Tiere gar nicht einfach so wegfangen. Das wäre, rein rechtlich gesehen, Diebstahl gewesen.“

Den Katzen ging es nicht schlecht

Hinzu kam: Den Katzen ging es nicht schlecht. „Tierschutzrechtlich mussten wir da nicht eingreifen“, sagt Abeling. Damit wäre die Sache also lediglich ein ordnungsrechtliches Problem – und damit im Zuständigkeitsbereich der Stadt Syke.

Inzwischen zeichnet sich jedoch eine Lösung ab: Ortsratsmitglied Christian Eilers startete einen Facebook-Aufruf, eine Syker Tierfreundin, die namentlich nicht genannt werden möchte, stellte über Umwege den Kontakt zum Verein Katzenhilfe Bremen her, der sich nach Aussage der Vorsitzenden Ilse Duhr auch für solche Streuner zuständig fühlt.

Die meisten Katzen konnten inzwischen eingefangen werden. Der Bremer Verein kümmert sich um sie. Dort werden sie zunächst kastriert, anschließend entwurmt und entfloht und an Tierheime vermittelt. Doch noch immer streunen Katzen durch die Nachbarschaft.

Auf der Suche nach Katzennestern

Thorsten Abeling: „Wir wissen von mindestens drei erwachsenen Katzen, und zwei davon haben inzwischen Junge.“ Was das Ganze erheblich erschwert. „Unsere größte Sorge ist, dass tierliebe Menschen jetzt die Muttertiere wegfangen, weil sie ihnen helfen wollen. Dann würden die Jungen jämmerlich eingehen.“ Der Plan ist jetzt, das Zutrauen der Muttertiere zu gewinnen und darüber die Katzennester aufzuspüren. Dann könnten die Katzenfamilien komplett eingefangen, betreut und weitervermittelt werden. „Wir haben dazu Absprachen mit den Nachbarn getroffen“, sagt Abeling.

„Es ist Geduld gefragt“, meint eine Syker Tierschützerin, die sich daran beteiligt. Sie geht davon aus, dass die gesamte Aktion durchaus noch ein Jahr dauern könnte. Sie sei bereit, die Katzen so lange zu füttern, bis auch die letzte eingefangen ist. Und so lange bezahlt sie auch das Katzenfutter aus eigener Tasche, wird dabei aber auch von Nachbarn unterstützt.

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