33-Jährige fühlt sich übervorteilt

Streit unter Kleingärtnern: Wenn das Idyll zur Hölle wird

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Die Gartenfreunde Ostland haben ihre Parzellen nahe der B 6.

Ruhe und Erholung, sinnvolle Freizeitbeschäftigung, ein kleines Stückchen Selbstversorgung und Ausgleich für den Alltagsstress: Für knapp eine Million Menschen in Deutschland sind ihre Schrebergärten ein kleines Paradies auf Erden. Für Malalay Jarchow-Latifi hat sich dieses Ideal dagegen als ihre kleine persönliche Hölle herausgestellt.

Syke - Nach einem jahrelangen Streit mit dem Vorstand des Syker Kleingartenvereins Ostland und einer verlorenen gerichtlichen Auseinandersetzung fühlt sich die 33-Jährige übervorteilt. Nach dem Motto: Viel Ärger gehabt, viel Geld verloren, und am Ende ist sie auch noch ihre Gartenlaube los. Die gehört jetzt dem Verein. Rolf Helfritsch, der zur Zeit dieser Auseinandersetzung Vereinsvorsitzender war, spricht dagegen von „üblem Nachtreten“ und sagt: „Ich hab mit dieser Frau von Anfang an nur Ärger gehabt.“

Wobei Malalay Jarchow-Latifi streng genommen sogar zwei Jahre vor Helfritsch im Verein war. 2002 hatte ihre Familie dort eine Parzelle gepachtet, auf der sie selbst auch regelmäßig war. 2012 pachtete sie dann selbst einen Garten, und wie das bei Kleingartenvereinen so üblich ist, erwarb sie die Laube darauf in ihr Eigentum.

Das war noch bei Helfritschs Amtsvorgänger. Und als der 2015 aus Altersgründen abtrat und Rolf Helfritsch gewählt wurde, ging für Malalay Jarchow-Latifi laut eigener Schilderung der Ärger los. Sie fühlte sich zunehmend unter Druck gesetzt und gegängelt.

An die Spielregeln halten

Helfritsch sagt, er habe lediglich darauf geachtet, dass sich Jarchow-Latifi an die Spielregeln halte, wie sie die Vereinssatzung und das Bundeskleingartengesetz für alle Vereinsmitglieder vorgebe. Das betrifft zum Beispiel die maximale Höhe von Zäunen oder Hecken, Art und Umfang der Bepflanzung des Gartens, die regelmäßige Pflege der eigenen Parzelle und der Laube sowie die Beteiligung an gemeinschaftlichen Arbeitsdiensten für den Verein.

Malalay Jarchow-Latifi sagt, sie habe wegen dieser ständigen Streitereien schließlich die Lust verloren und die Parzelle abgeben wollen. Sie kündigte die Mitgliedschaft und den Pachtvertrag. Vier Interessenten hätte sie gehabt, die sie als Nachpächter vorgeschlagen habe. Keiner davon sei dem Vorstand recht gewesen. Theoretisch hätte sie daher die Laube abreißen müssen. „Wenn man keinen Nachfolger hat, muss man braune Erde übergeben“, sagt sie. Und Rolf Helfritsch bestätigt: „So steht das im Gesetz. Laube und Grünpflanzen müssen dann entfernt werden.“

Verein bekommt Gartenlaube

Jarchow-Latifi wollte daraufhin die Kündigung zurückziehen, der Verein bestand jedoch darauf, reichte eine Räumungsklage ein, bekam vor Gericht Recht. Auch die Prozesskosten musste die Beklagte zahlen. Das war Mitte März. Da hatte dieser Streit bereits zwei Jahre gedauert. Zwei Jahre, in denen Jarchow-Latifi auch keine Pacht mehr gezahlt hat. Auch darüber gab es nun Streit, den der Verein – unter Helfritschs Nachfolger – außergerichtlich beilegte.

In Form einer gegenseitigen Verzichtserklärung: Der Verein verzichtet auf die komplette Räumung der Parzelle und einen Teil der ausstehenden Pacht, Jarchow-Latifi zahlt einen Pauschalbetrag und tritt ihre Gartenlaube an den Verein ab.

„Das hätte sie alles anders haben können“

Genau das ist der Punkt, an dem sich Malalay Jarchow-Latifi über den Tisch gezogen fühlt. Sie empfindet das so: Erst ekelt der Vorstand sie aus dem Verein und am Ende hat er auch noch umsonst die Gartenlaube bekommen.

„Das hätte sie alles anders haben können“, sagt Rolf Helfritsch dazu. „Ein viel frühzeitigerer Vergleich wäre von unserer Seite aus möglich gewesen. Das hat sie aber nicht gewollt.“

Auseinandersetzungen wie diese seien im Verein kein Einzelfall und der Grund gewesen, warum er nach nur einer Amtsperiode nicht noch einmal für den Vorsitz kandidiert habe, sagt Helfritsch. „Das ist so frustrierend! Es hat einfach keinen Spaß mehr gemacht. Wir haben demnächst einen Gerichtstermin in einer ganz ähnlichen Sache: Da wurde die Mitgliedschaft gekündigt, die Suche nach einem Nachfolger ist gescheitert. Seit zwei Jahren zahlt die Gegenseite schon keine Pacht mehr, nutzt den Garten aber munter weiter.“

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