Literaturwoche findet mit dem ersten Syker Poetry-Slam einen stimmigen Abschluss

Wenn Chipstütenknistern wie Applaus klingt

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Poetry-Slam-Urgestein Wehwalt Koslovsky fügt seinen mehr als 400 Siegen bei Dichter-Wettbewerben in Syke einen weiteren hinzu.

Syke - Von Detlef Voges. Eine Dichterschlacht war es nicht. Eher ein Dichterwettstreit, der am Samstag im Park des Vorwerks das Ende der Literaturwoche mit einem Poetry-Slam einläutete und in Wehwalt Koslovsky seinen Sieger hatte.

Der letzte Akt der Literaturwoche war trotz der leiseren Töne interessant, weil das Quartett die Poesie sehr unterschiedlich auslotete und von der klassischen Interpretation bis hin zum politischen Anliegen eine bunte Vielfalt bewies. Zudem handelte es sich bei den vier Slam-Poeten um versierte Macher, die schon Meriten eingefahren haben. Dazu gesellte sich mit Sven Kamin ein Moderator, der sich bundesweit als Poetry Slammer einen Namen gemacht hat.

Beste Voraussetzungen also für die etwa 120 Zuhörer auf einen netten Open-Air-Abend, der frisch war, aber trocken blieb. Das Gros des Publikums, das das Eltern- und Großelternalter erreicht hatte, folgte bereitwillig.

Poetry Slam – das ist nicht nur poetischer Konsum, bei dem die Slammer selbstgeschriebene Texte innerhalb einer bestimmten Zeit vortragen. Das Publikum entscheidet mit Noten (Kamin: „Wie beim Eiskunstlauf“) und Applaus über den Sieg. Deshalb war die Aufwärmphase kurz. Kamin legte als Appetitanreger mit einem Parforceritt durch die Klassik und einem Dialog mit den Dichterfürsten Heinrich, Johann Wolfgang und Co. gleich los.

„Nicken ist besser als 1000 Worte“: Sebastian Hahn aus Papenburg thematisiert die sprachliche Knappheit in seiner Heimat Ostfriesland.

Sebastian Hahn aus Papenburg besetzte als Einsteiger die Humorschiene mit einer Positionierung der sprachlichen Knappheit in Ostfriesland. Nicken sei besser als 1000 Worte, meinte Hahn und zitierte seinen Opa, der auf Fragen immer mit „hmm“ geantwortet habe. „Das ist echte Lebensfreude“, erklärte der Papenburger trocken. Bei seinem Poem über Trendsportarten musste die Oma herhalten. Für die war Tanzen ein vertikaler Ausdruck eines horizontalen Verlangens. Das kam an.

Das sei ja wie eine Therapiesitzung, er könne mit dem Publikum über seine Probleme sprechen, eröffnete Florian Wintels sein Poetry-Album. Der Bad Bentheimer sinnierte über die Applaus-Sucht seines Alter Egos und freute sich darüber, dass irgendwann schon eine knisternde Chips-Tüte wie Applaus klinge. Wintels suchte humorvoll den Dialog mit dem Publikum und kokettierte mit Sprach-Bildern wie „Ich schmecke jeden Satz“.

Eva Matz wandelte weder auf der Sympathiewelle noch bot sie dem Publikum das Du unter dem Motto „Ich hab euch alle lieb“ an. Allein ihre Kleiderwahl im Wandergesellin-Outfit signalisierte Protest. Mit „Hambie stinkt“ stand sie an der Seite der Protestierenden am Hambacher Forst und lobte deren Kampf für den Wald und die Zukunft der Kinder. Gleichzeitig entlarvte die Bremerin die Kritiker, die nur lamentierten, aber nichts täten. In einem zweiten Beitrag dichtete sie Nenas Text zu „99 Luftballons“ um und monierte die Abgrenzungen in der Gesellschaft am Beispiel eines Spielplatzes, auf dem Kinder sich mit Pflastersteinen Festungen bauten. Poetry Slam leise, engagiert und mit Meinung gegen gestraffte Ärsche und aufgespritzte Lippen.

„Wie beim Eiskunstlauf“: Moderator Sven Kamin bringt den Poetry-Slam-Neulingen im Publikum das Bewertungssystem näher.

Eine andere Seite der Poesie schlug Wehwalt Koslovsky auf: intellektuell, wortstark und klassisch besetzt. Der Poetry-Slam-Pionier aus Hamburg mit rheinhessischen Wurzeln lebt die Poesie in Mimik, Gestik und Sprache. Wenn er Sätze wie „Der Schmerz kommt in Schüben, die Wahrheit in Scheiben“ sagt, verfällt mancher in Schnappatmung und sucht gern Anschluss an das eigene Denken.

Hochkomplex wird das poetische Wortgerüst des Rheinländers, wenn er Schillers Glocke in sein „Lied von der Pocke“ dramaturgisch brachial umdichtet. Die sprachliche Bilderflut lässt niemanden unbefleckt, weil „Mitesser den Tisch eindecken“ und die adoleszente Körperhygiene zu allerlei pickeligen Vorstellungen Anlass gibt. Koslovsky beschreibt das radikal mit einer sprachlichen und gestenreichen Performance, die den Lauscher in ihren Bann zieht. Das Publikum honorierte seinen Auftritt mit den höchten Noten und kürte ihn zum Sieger des Syker Poetry Slams.

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