Besondere Ideen durch Lockdown

Wenn Balu seinen Mogli nicht treffen darf: Mentoring-Programm der BBS läuft trotz Corona weiter

Balu Alina Pleus mit ihrem Mogli Divine: Beim Spaziergang mit Hund im Wald lassen sich die Corona-Abstandsregeln ohne Probleme einhalten.
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Balu Alina Pleus mit ihrem Mogli Divine: Beim Spaziergang mit Hund im Wald lassen sich die Corona-Abstandsregeln ohne Probleme einhalten.

Das Mentoring-Programm der BBS Syke „Balu und Du“ läuft während des Lockdowns weiter. Die angehenden Erzieherinnen haben sich besondere Ideen einfallen lassen, um mit den Kindern, die sie betreuen, in Kontakt zu bleiben.

Syke – „Probier‘s mal mit Gemütlichkeit“, singt der Bär Balu in der Disney-Verfilmung des Dschungelbuches von 1967. Menschenkind Mogli macht mit und sitzt dabei auf Balus Bauch, während sie sich von der Strömung eines Flusses treiben lassen. Von Abstand keine Spur. Balu nimmt den kleinen Mogli unter seine Fittiche und bringt ihm bei, gelassener durchs Leben zu gehen. Dabei ist die körperliche Nähe der beiden zueinander einer der Eckpfeiler ihrer Beziehung.

Diese beiden Kameraden sind Namenspaten des Projektes „Balu und Du“. Angehende Erzieherinnen und Erzieher der BBS Syke widmen sich bei diesem Mentoring-Programm Kindern mit besonderem Förderbedarf und nehmen sich dieser an. Genau wie die Freundschaft zwischen Balu und Mogli im Film lebt auch die Beziehung der Projektteilnehmer vom direkten persönlichen Kontakt zwischen den Balus und den Moglis. Blöd, wenn die Corona-Verordnungen gerade das über einen längeren Zeitraum unmöglich machen. Durch kreative Ideen haben die 17 angehenden Erzieherinnen der BBS Syke aus der Not eine Tugend gemacht und konnten sogar etwas Positives aus der neuen Situation ziehen.

Balus lernen durch Corona-Situation, am Ball zu bleiben

Lisa Kroll ist eine der 17 Balus. Sie meint, dass sie durch die Umstände des Lockdowns gelernt habe, am Ball zu bleiben. „Von den Familien der Moglis kam in dieser Zeit oft nicht viel. Wir haben aber nicht aufgehört, den Kontakt zu halten“, erinnert sie sich. Zu merken, dass es belohnt wird, wenn man dran bleibt, „hat uns Balus ganz viel gegeben“, sagt die Schülerin. „Der lange Atem ist eine Kompetenz, die ihnen in der späteren Tätigkeit als Erzieherinnen nützen wird“, ist die Projektbetreuerin und Koordinatorin Imke Lehmkuhl sicher.

Die Balus der BBS Syke

Tamara Klein, Katharina Knutas, Lisa Kroll, Lara Maibaum, Lara Meyer, Josephine Millhahn, Alina Pleus, Chiara Polley, Anja Rudolph, Inka Schlottke, Jasmin Soostmeyer, Henrike Spiecker, Tabea Stehmeier, Saskia Steinke, Paula Tegge, Jolyne Terveen, Sarah Weyd.

Dennoch seien die Mentorinnen durch eine schwere Zeit gegangen, als der Lockdown den persönlichen Kontakt zu den Moglis jäh unterband, meint Lehmkuhl. Balu Saskia Steinke beschreibt es so: „Mein Mogli ist sehr selbstständig und war nicht auf mich angewiesen.“ Vor dem Lockdown habe sie sich mit der Familie und dem Umfeld ihres Moglis vertraut gemacht. Das ging in der Form plötzlich nicht mehr. Sie überlegte sich eine Alternative: „Wir waren jetzt im Wald spazieren mit meinen zwei Hunden. Tiere helfen, um ins Gespräch zu kommen. Unser Schlüsselmoment war, als mein Mogli zu mir sagte: ,Ich habe dich vermisst.‘“

Durch die coronabedingten Kontaktbeschränkungen fielen auch die regelmäßig geplanten Treffen der Balus mit ihren Moglis aus. „Wir haben viel gespielt, gemalt, gebastelt“, meint Sarah Weyd. Um mit ihrem Mogli trotzdem regelmäßig in Kontakt zu bleiben, setzt sie auf die Möglichkeiten der heutigen Technik: „Wir haben abgemacht, zu den normalen Zeiten per Videokonferenz zu telefonieren.“ Das fördere nicht nur den Zusammenhalt zwischen Balu und Mogli, sondern auch die Medienkompetenz auf beiden Seiten, ist sich Paula Tegg sicher. „Ich habe meinem Mogli in einem Brief eine Anleitung beschrieben, wie man Youtube als Medium nutzen kann“, erklärt sie.

Brieffreundschaften leben durch den Lockdown wieder auf

Apropos Brief: „Was ich schön finde in den digitalen Zeiten, ist, dass viele Balus mit ihren Moglis die Brieffreundschaften wieder aufleben lassen“, sagt Saskia Steinke. Koordinatorin Imke Lehmkuhl meint: „Das ist ein gutes Beispiel für informelles Lernen.“ Durch das Schreiben von Briefen würden sich die Moglis automatisch ein besseres Sprach- und Schreibverständnis aneignen.

Der Lockdown habe die Kreativität der Balus herausgefordert. Wer damit umzugehen wusste, brachte unkonventienelle Ideen hervor. Sogar Spiele wie Tic-Tac-Toe funktionieren auf einmal auf Abstand – man muss nur wissen wie. „Ich habe ein Riesen-Spielfeld auf die Straße vor das Haus meines Moglis gemalt“, erklärt Jolyne Terveen. „Er stand am Fenster und ich draußen. Wir haben dann abwechselnd unsere Züge gemacht.“

Das Projekt „Balu und Du“

Das Projekt „Balu und Du“ ist vor 20 Jahren in Osnabrück ins Leben gerufen worden. Mittlerweile gibt es deutschlandweit 123 Standorte des Mentoring-Programms. In Syke bietet es die BBS seit 2007 an. Seitdem sind laut Pressemitteilung der Schule rund 170 Grundschulkinder – die Moglis – von 170 angehenden Erzieherinnen und Erziehern – die Balus – im gesamten Landkreis Diepholz betreut worden.

Die Teilnahme am Projekt hat nachweislich positive Wirkungen sowohl auf die Moglis als auch auf die Balus. Das ist das Ergebnis einer Forschung des Bonner Briq-Instituts. Es sei eine Win-Win-Situation. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe würden die Moglis laut Institut in einem weit gefächerten Spektrum vom Programm profitieren.

In diesen Bereichen machten die Moglis nach einem Jahr Fortschritte, so die Forschung: Lebenszufriedenheit, fröhliche Grundstimmung, Unterrichtsbeteiligung in der Schule, Konzentration, Selbstorganisation und realistische Selbsteinschätzung.

Ein weiteres besonders kreatives Beispiel für die Projekt-Arbeit unter Einhaltung der Corona-Auflagen gefällig? Katharina Knutas hat eine Art Schatzsuche mit ihrem Mogli gemacht. Über Bilder, die sie ihm geschickt hat, musste er bestimmte Orte erreichen. Seine Schwester habe ihn dabei unterstützt. „Dadurch hat er seine Gegend auch gleich besser kennengelernt“, sagt Katharina Knutas.

Und obwohl ihr Mogli nach ihren Aussagen seine Zeit ungern draußen verbringt, habe ihm das so viel Spaß gemacht, dass sie kurze Zeit später dieselben Aufgaben von ihm bekommen habe. „Er hat den Spieß umgedreht“, kommentiert sie. „Man ist zwar nicht zusammen unterwegs, aber man erlebt es doch irgendwie gemeinsam.“

Balu Lara Meyer hat im November noch mit Mogli Jin gemalt und gebastelt.

Nichtsdestotrotz wünschen sich alle Balus eine gewisse Normalität. Nicht zuletzt, weil das Projekt auch nicht ewig weiterläuft. „Die Balus bereiten zurzeit Netzwerkkarten vor“, sagt Imke Lehmkuhl. Dabei steht das Ziel auf der Agenda, das Kind nach dem Projekt dort anzugliedern, wo es sich weiter entfalten kann. Danach beginnt das Ganze dann für Imke Lehmkuhl mit einem neuen Jahrgang von vorn an. Die Planungen für das kommende Jahr laufen schon. „Wer Interesse hat, einen potenziellen Mogli zu vermitteln, kann sich gerne bei mir melden“, sagt sie. Per E-Mail an imke.lehmkuhl@bbs-syke.de nimmt sie Mogli-Vorschläge entgegen.

Und wie geht es weiter für die aktuellen Balus? „Im Optimalfall bauen die Schüler eine Beziehung zu den Moglis auf, die über das Projekt hinausgeht“, erklärt die Koordinatorin. „Vielleicht fällt es diesem Jahrgang leichter, weil sie es durch den Lockdown gewohnt sind, den Kontakt auf Abstand zu halten.“

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