Hauptstraße in Syke: Erkenntnisse zur geänderten Verkehrsführung

Wenig Beschwerden und kein Lob

Die neue Verkehrsführung an der Hauptstraße stößt nicht gerade auf spontane Gegenliebe. Seit Anfang Februar läuft die Testphase.
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Die neue Verkehrsführung an der Hauptstraße stößt nicht gerade auf spontane Gegenliebe. Seit Anfang Februar läuft die Testphase.

Die Stadt Syke konnte erste Erkenntnisse über die neue Einbahnstraßenregelung auf der Hauptstraße gewinnen. Das Ergebnis ist nicht gerade berauschend.

  • Neue Einbahnstraßenregelung auf der Hauptstraße besteht seit dem 1. Februar.
  • Einige Anwohner beschweren sich über die neue Situation.
  • Testphase läuft noch bis Sommer.

Aber wirklich gut findet die neue Regelung anscheinend auch niemand.

Die Reaktionen von Passanten wie Anliegern reichen von „Vorher war’s besser“ über „Mein Schleichweg ist jetzt weg“ bis zu „Dann sollen sie doch gleich ‘ne richtige Fußgängerzone draus machen.“ Ein nicht repräsentatives und willkürliches Meinungsbild, eine Momentaufnahme aus einer spontanen Straßenumfrage. Aber es deckt sich inhaltlich mit den ersten Erkenntnissen, die die Stadtverwaltung seit Beginn der Versuchsphase gewinnen konnte. „Es gibt Beschwerden“, sagt Erster Stadtrat Thomas Kuchem. „Von Geschäftsleuten aus der Hauptstraße und umzu sowie von ein paar Nutzern der Straße. Nur vereinzelt aus persönlichen Gesprächen, hauptsächlich per E-Mail oder über die sozialen Medien.“ Die Stadt geht jeder einzelnen Beschwerde nach, und jede fließt in die Auswertung am Ende der Testphase ein.

Sturm der Entrüstung blieb aus

„Beschwerden gab es auch vorher schon“, betont Bürgermeisterin Suse Laue. Von Fußgängern und Radfahrern, die sich durch den Autoverkehr belästigt fühlten, und von Bewohnern über Angeber, die zu später Stunde viel zu schnell mit ihren Autos durch die Hauptstraße brackern. Den Durchgangsverkehr rauszunehmen, ohne den Zielverkehr zu Geschäften, Arztpraxen und Büros abzuwürgen, war das Ziel des Versuchs. Ein Fachbüro wird im Auftrag der Stadt die Ergebnisse der Testphase auswerten und dann Vorschläge machen, wie es zukünftig mit der Hauptstraße weitergehen könnte. Und darüber muss die Verwaltung dann mit der Politik und den Anliegern diskutieren.

Ob es am Ende die momentane Regelung mit zwei Einbahnstraßen in entgegengesetzter Richtung bleiben wird, scheint zumindest fraglich. Der große Sturm der Entrüstung ist zwar ausgeblieben. Richtig gut findet die Regelung aber auch niemand.

Für uns ist die aktuelle Situation tatsächlich eine Katastrophe.

Christian Herzog, Paketbote

„Für uns ist die aktuelle Situation tatsächlich eine Katastrophe“, sagt zum Beispiel Paketbote Christian Herzog. „Wir müssen unsere Zustellzeiten einhalten, aber jetzt große Umwege fahren.“ Er erklärt: „Jetzt komme ich bis zum Schuhhaus Kastner, dann muss ich durch die Gesseler Straße und den Mittelweg fahren, um zum anderen Ende der Hauptstraße zu kommen. Und dann fahre ich die Gesseler Straße noch mal, weil ich da ja auch Pakete abliefern muss.“ Die Tour zu ändern und die Gesseler Straße einfach vor dem zweiten Teil der Hauptstraße zu beliefern, geht nicht. „Dann würde ich bei den Firmen erst in deren Mittagspause ankommen.“

Thomas Winkler aus Oldenburg will nichts liefern, sondern etwas abholen. Und steht auf dem Schlauch. Sein Navi lotst ihn zielsicher über die Gesseler Straße an die Hauptstraße. Und da kommt er nicht weiter. Die geänderte Verkehrsführung ist in die Navigationsdaten noch nicht eingepflegt.

Eine Frau aus Barrien ärgert sich an derselben Stelle mehr über sich selbst: „Ich hatte ganz vergessen, dass es hier nicht mehr weitergeht. Ich will zur Georg-Hoffmann-Straße. Jetzt muss ich ganz außen umzu fahren.“

Jessica Wiecher geht jeden Tag die Hauptstraße entlang: Vom Bahnhof zur Arbeit und umgekehrt. Die geänderte Verkehrsführung hat sie zwar mitbekommen. „Aber ich hab mir weiter nichts dabei gedacht. Ich hab geglaubt, das wäre wegen der Baustelle hier.“

Anwohner sehen in der neuen Regelung wenig Sinn

Ein älterer Mann aus Syke, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, bezweifelt, dass die Verkehrsführung überhaupt irgendetwas an der Hauptstraße nennenswert ändert. „Es ist doch nichts mehr hier“, sagt er, zeigt mit den Händen fast schon verzweifelt in den Abschnitt zwischen Gesseler Straße und Ernst-Boden-Platz und lässt dabei die Worte traurig, tot und Schlafwagen fallen. „Meiner Meinung nach muss die Straße offen sein, damit Leben ist. Und dann muss es auch Parkplätze vor den Geschäften geben.“ Von Verkehrsberuhigung oder gar Fußgängerzone hält er gar nichts. „Syke ist doch kein Kurort!“

Klaus Siever hat einen Friseursalon in eben diesem oberen Teil der Hauptstraße. „Seinem“ Straßenabschnitt bescheinigt er grundsätzlich fehlende Attraktivität. Der veränderten Einbahnstraßenregelung kann er nicht viel abgewinnen. „Ich persönlich bin gegen die neue Verkehrsführung. Ich bin ja nun täglich hier und mir ist nicht aufgefallen, dass hier Tausende Autos fahren. Eher im Gegenteil. Begegnungsverkehr, zumindest in diesem Abschnitt, würde es den paar verbliebenen Geschäften einfacher machen, weil sie dann besser erreichbar wären.“

Ein Kunde schaltet sich spontan ins Gespräch ein und bestätigt: „Es ist so wenig Verkehr hier, das würde gar nicht stören.“

Testphase dauert noch bis zum Sommer

Für die Stadtverwaltung alles keine neuen Argumente. „Die Syker haben ein sehr emotionales Verhältnis zur Hauptstraße“, sagt Bürgermeisterin Suse Laue. „Die einen wollen Begegnungsverkehr und die anderen eine Fußgängerzone.“ Der jetzige Zustand ist die Folge dieser entgegengesetzten Wünsche: Eine befahrbare Fußgängerzone, in der sich alle Verkehrsteilnehmer dieselbe Fläche teilen. Bundesweit einmalig. „Das Schild am Eingang der Hauptstraße ist ein Beispiel auf Verkehrsplaner-Seminaren“, weiß Suse Laue. „Mit dem Tenor: Was will uns der Autor damit sagen?“

Obwohl die Testphase noch bis in den Sommer läuft, kündigt Erster Stadtrat Thomas Kuchem eine erste Änderung an. Genauer eine Ergänzung: Schilder an den Zufahrten zur Hauptstraße mit dem Hinweis auf die geänderte Verkehrsführung und einer alternativen Fahrtstrecke.

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