Montessorischüler proben Theaterstück

Wer mit wem? Oder: Schlag nach bei Shakespeare

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Frei nach Shakespeare kombiniert das Theaterensemble der Montessorischule in „Love Is In The Air“ Motive aus dem „Sommernachtstraum“ und „Romeo und Julia“.

Syke - Von Michael Walter. „Everybody’s Got A Hungry Heart“, röhrt Bruce Springsteen aus der Lautsprecherbox vor der Treppe zum Vorwerk. Nebenan auf der Brüstung haben zwei Teenager gerade die Balkonszene aus „Romeo und Julia“ gespielt. Shakespeare und der Boss – eine eher unübliche Mischung. Die aber durchaus Sinn ergibt, wenn daraus etwas Neues, etwas Eigenes entsteht.

In diesem Fall heißt das „Love Is In The Air“, und damit ist nicht der Song von John Paul Young gemeint. Den könnte Kirsten Meier-Ebert aber durchaus im Sinn gehabt haben, als sie nach einem passenden Titel für ihre eigene Shakespeare-Adaption für die Freie Aktive Schule gesucht hat.

Theater ist an Montessorischulen ein vollwertiges Unterrichtsfach

Meier-Ebert? Ist das nicht diese Theaterverrückte von der Grundschule Heiligenfelde? – Ganz genau. Und die inszeniert jetzt ein Stück mit den Schülern der Montessorischule. Freitag um 18 Uhr ist die Aufführung im Garten des Vorwerks. Eintritt: Drei Euro.

„Die Schulleiterin hatte mich letztes Jahr nach der Aufführung mit den Grundschülern im DGH Heiligenfelde praktisch weggegriffen“, sagt Kirsten Meier-Ebert mit einem Augenzwinkern. Seit August ist die studierte Pädagogin jetzt Lernbegleiterin an der Freien Aktiven Schule für Englisch, Sport und Theater. Denn Theater ist an Montessorischulen ein vollwertiges Unterrichtsfach.

Stundenlange Proben bei Wind und Wetter

Seit September arbeitet die Heiligenfelderin mit 19 Schülern der Jahrgänge fünf bis neun jetzt an dem Stück. Die letzten zwei Wochen vor der Aufführung proben sie jeden Tag stundenlang, selbst bei Wind und Wetter.

„Love Is In The Air“ kombiniert zentrale Handlungsstränge aus Shakespeares „Sommernachtstraum“ und „Romeo und Julia“, geht aber sehr frei mit dem Stoff um. Die eigentliche Handlung ist dabei fast nebensächlich. „Es geht einfach hin und her, und zwischendurch bekämpfen sie sich noch“, sagt Meier-Ebert. „Die zentrale Frage lautet dabei: Wer mit wem? Und das ist ein sehr großes Thema bei Jugendlichen in diesem Alter.“ Zustimmendes Nicken aus den Reihen der Darsteller unterstreicht die Richtigkeit dieser Aussage.

Anfassen und Liebeserklärungen klappen in der Altersgruppe nicht

„Wer mit wem?“ ist in dieser Altersgruppe aber nun mal auch fast immer mit vielen Hemmungen verbunden. Davon sind auch die Darsteller nicht frei. Flammende Liebeserklärungen mit dem Blick schüchtern zum Boden statt zum Bühnenpartner: Da kriegt Meier-Ebert den Föhn. „Noch schlimmer ist Anfassen“, sagt sie. „Geht gar nicht.“ Und so gibt es für sie in den letzten Tagen vor der großen Aufführung noch eine ganze Menge zu tun.

Wie die gesamte Produktion überhaupt sehr aufwändig ist. Das Bühnenbild kann zum Beispiel erst zur Generalprobe aufgebaut werden und kann auch nicht über Nacht stehen bleiben. Der Straßenverkehr bewirkt eine ständige Nebengeräuschkulisse, weshalb Richtmikrofone vor der Bühne erforderlich sind. Die müssen eingerichtet und ausgesteuert werden. Kostüme mussten geschneidert und angepasst werden, und schließlich müssen alle Darsteller ihre Texte beherrschen und ihre Stichworte kennen.

Kirsten Meier-Ebert ist da der Fels in der Brandung. „Das kriegen wir alles hin. Das wird schon.“

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