Zahlreiche tanzende Gäste im Garten des Vorwerks

Weltmusik von Diakanda: Der Funke springt über

Bei bestem Konzert-Wetter herrschte während des Auftritts der Gruppe Diakanda im Garten des Vorwerks eine lockere Atmosphäre: Heißblütige und bluesige Klänge animierten zahlreiche Besucher zum Tanzen. - Foto: Jantje Ehlers

Syke - Von Dagmar Voss. Klasse Wetter, gut besuchte Freiluftkonzerte und wie verrückt tanzende Gäste: Gerd Harthus vom Organisationsteam des Festivals Jazz Folk Bike zog vor den drei abschließenden Konzerten gestern eine positive Bilanz. „Das Duo Expression am Samstagabend im Kreismuseum war für mich eine Offenbarung“, so Harthus. Einzig, dass das Konzert von Diakanda am Samstag eine halb Stunde zu spät anfing und der Auftritt von Shoot the Moon am Freitag „zu wenig besucht“ war, habe ihn gestört.

Bewegend in jedem Wortsinn spielte die polnische Folkgruppe Diakanda am Samstagnachmittag. Ihre Musik ging in die Arme, Beine und Hüfte, verführte im Garten des Vorwerks viele Konzertgäste zum Tanzen und sorgte mit ihrer Weltmusik für beste Stimmung – auch wenn das Publikum eine halbe Stunde lang warten musste. Als es dann losging, sprang der Funke gleich über und riss die Zuhörer mit.

Gelungene Variationen erklangen von Volksmusik aus Osteuropa, aus Polen, Weißrussland, aus Bulgarien und Mazedonien, manche sogar aus Deutschland oder der Türkei, aus Indien oder Arabien. Das alles gemischt mit Einflüssen kurdischer oder von Roma-Musik und aus dem Jiddischen. Die sieben Musiker mit Frontfrau Ania Witczak (Gesang, Akkordeon), der Sängerin Kasia Bogusz, dem Geiger Andrzej „Fiz“ Jarzabek und dem Trompeter Szymon Bobrowski, mit Daniel Kaczmarczyk (Percussion), Pjotr Rejdak (Gitarre) und Grzegorz Kolbrecki (Kontrabass) spielten mit hörbarer Freude und Hingabe. Ihre ganz eigenen Kompositionen und Melodien bewiesen, dass sie zu den führenden Weltmusik-Künstlern zählen, dass sie mit ihren heißblütigen oder auch bluesigen Klangwelten begeistern können.

Auch wenn die Ansagen von Witczak häufig nur aus ein paar Übersetzungen der Lieder bestanden, so spielte das letztlich keine Rolle, denn es ging um musikalischen Genuss und die damit vermittelte Lebensfreude. Die kraftvollen Interpretationen von Volksmusik zeigten einen lebendigen Folklorestil, der von Spontaneität und Spielfreude erzählte. Dabei wurden die Soli von Geige oder Trompete zu klangvollen Einsätzen. Dann wieder überraschend ein Maultrommel-Solo, sich im Lauf des Stücks vereinigend mit einem Gesangsstück aus der Mongolei.

Da erklangen sanft-schmelzende Liebeslieder, in denen der Nebel gebeten wird, sich zu lichten, der Wind möge dabei helfen, denn es soll ein Lied zu einem fernen Liebsten bringen. Oder temperamentvolle Tanzlieder, in denen ein Vater seine Tore und sein Portemonnaie öffnen soll für die Hochzeit der jüngsten Tochter.

Festival Jazz Folk Bike

Langanhaltender Beifall überzeugte die Band Dikanda – der Name soll ein Fantasieprodukt sein oder aus dem Afrikanischen stammen mit der Bedeutung Familie – zu ein paar Zugaben. Und da gab es plötzlich den altbekannten Song „99 Luftballons“ von Nena, ein bisschen deutsch und dann wieder polnisch. Für dieses Jazz-Folk-Bike-Wochenende hatten die Organisatoren von JFK (Jazz Folk Klassik) tatsächlich einen Glücksgriff getan, denn mit dieser feurigen Band verbringt man gern einen warmen sonnigen Nachmittag im Vorwerk-Garten.

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