Gäste begeistert von Klezmer-Konzert in der St. Bartholomäuskirche Barrien

Die Welt der Mädele und Gänsele

Klezmermusik gab es in der Barrier St. Bartholomäuskirche zu hören. Die Besucher erfreuten sich an temperamentvollen Weisen. - Foto: Ehlers

BARRIEN - Von Dagmar Voss. Mit ihrer gefühlvoll-warmen Stimme begeisterte Valeriya Shishkova am Freitagabend das Publikum in der St. Bartholomäuskirche mit dem Programm „A teyl vun dir – a teyl vun mir“. Begleitet wurde sie von Annett Otto (E-Piano, Akkordeon) und Gennadiy Nepomnjaschiy (Klarinette).

Das Trio hatte traditionelle jiddische Lieder und Klezmer im Gepäck. Klangvolle Balladen aus dem jüdischen Familienleben, Tänze, Liebes- und Volkslieder sowie Vertonungen von Gedichten eines jiddischen Poeten gehörten dazu; zudem amüsante Erklärungen und manches Mal komische pantomimische Einlagen des Klarinettisten.

Um ein bisschen von dem Hintergrund der jiddischen Sprache zu verstehen, gab die in Moskau geborene Shishkova zunächst eine Einführung in die Entstehungsgeschichte. Zwar basiere alles auf dem Deutschen, aber es habe eben eine intensive Vermischung mit osteuropäischen Kulturanteilen gegeben. Daher spreche ein Jude eben diese besondere Sprache. Es gebe jahrhundertealte Erfahrungen der Verschmelzung mit anderen Kulturen wie auch der Vertreibung aus ihr. Die Sprache, die er spreche, die Melodien, die er in seinem Herzen bewahre – all das sei von seinem Volk und von jenen Völkern, bei denen sein Volk gelebt habe. So wird aus Mädel das Mädele, aus Gans das Gänsele. Mit dem gleich lautenden Lied verabschiedete sich das Trio – zuvor jedoch erlebten die Gäste zwei Stunden voller mitreißender Lieder, mal sanft, dann wieder temperamentvoll feurig.

Liebe, Trauer und Lebensfreude spiegelten sich in den Liedern, lustige Gedankengänge über mütterliche Ratschläge für verliebte Töchter, jiddische Hochzeitsmusik, eben Klezmer, Schlager, kontrastierend dazu ein jiddischer Tango und quirlige Czardas- und Kasatschok-Klänge. Da zeigte der „einzige tanzende Klarinettist der Welt“, so Shishkova, was in seinen Beinen steckte. Dazu gesellten sich im zweiten Teil vertonte Gedichte von Itzik Manger (1901-1969), dem Prinzen der jiddischen Ballade; für Juden etwa so bedeutungsvoll wie Goethe für die Deutschen. Und so erklang das poetisch-bluesige „Auf einem Weg steht ein Baum“. Auf dem Klangteppich der Klavierakkorde erhob sich Shishkovas fabelhafte Stimme, manches Mal verstärkt durch die Klarinette. Besonders eindrucksvoll bei der „Megille“, ebenfalls von Manger, einer traurigen Ballade über einen Schneiderjungen, der sich in eine Königin verliebt, hingerichtet wird und von seiner Mutter zutiefst betrauert wird.

Emotionen, umgesetzt in Musik, Perfektion und Temperament rissen das Publikum zu anhaltendem Applaus hin. Erst nach zwei Zugaben wurde das Trio entlassen.

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