Neues aus dem Haus Sonnenuntergang

Sybille Bullatschek zum sechsten Mal in Syke

Mal wieder zu Gast im Gleis 1: Sybille Bullatschek – und ebenfalls mal wieder an zwei Abenden nacheinander.

Syke - Von Michael Walter. Sybille Bullatschek und das Gleis 1 – das ist fast schon eine Liebesgeschichte. Längst schon hat es die Comedienne nicht mehr nötig, auf derartigen Bühnen vor maximal 120 Zuschauern zu spielen. Aber sie kommt trotzdem immer wieder. Am Wochenende war sie schon zum sechsten Mal in Syke und spielte Samstag wie Sonntag vor restlos ausverkauftem Haus.

Sybille Bullatschek macht auch in ihrem Weihnachtsprogramm das, was man von ihr erwartet: Sie erzählt im rasanten Schwäbel-Schwall von ihren neusten Erlebnissen als Altenpflegerin im Haus Sonnenuntergang und den Schrullen der Kollegen und Bewohner. Vom Weihnachtsmarkt im Altenheim, wo es selbstgehäkelte Rollatorhüllen zu kaufen gibt. Vom Streit bei der Rollenverteilung fürs Krippenspiel und von der unglücklichen Kombination aus Kleptomanie und Demenz, die den zu unrecht beschuldigten Kollegen Juri letztlich den Job kostet.

Zwischendurch widmet sie sich immer mal wieder ihrem Publikum. Mal mit Kennenlern-Spielchen, mal plaudert sie auch einfach drauf los. So erfährt sie zum Beispiel, dass Mireille im Publikum tatsächlich von ihren Eltern nach Mireille Mathieu benannt worden ist. „Aber sei froh, dasch'd 'ne andere Frisur 'kriegt hascht.“.

Pause. Das Publikum – bei dem die Pflege-Fraktion diesmal übrigens eindeutig in der Minderheit ist – zieht seine Halbzeitbilanz. „Bis jetzt ist es nicht schlecht“, hört man aus der einen Ecke. Die Hardcore-Fans differenzieren etwas stärker: „Vieles hab ich schon früher bei ihr gesehen“, sagt da der eine zum anderen. „Aber man kann wohl auch nicht erwarten, so ein Weihnachtsprogramm komplett neu zu machen.“

Mal wieder zu Gast im Gleis 1: Sybille Bullatschek – und ebenfalls mal wieder an zwei Abenden nacheinander.

Im Foyer warten die Devotionalien auf Käufer: CDs, Buttons, Kaffeebecher und T-Shirts mit neckischen Aufschriften wie „Rollator Angels“ oder „Nachtdienscht“. Während im Saal Elvis Weihnachtslieder schmachtet (leider nicht persönlich), steht Sybille Bullatscheks reales Ich Ramona Schukraft vor dem Hintereingang und zieht schnell noch eine Kippe durch, bevor sie wieder in ihre Paraderolle schlüpft.

Im zweiten Teil ist Nina aus dem Publikum fällig: Sie wird ungefragt Kandidatin beim großen Weihnachts-Pflägequiz. Die Regeln hat Sybille schnell erklärt: „Wie Wer wird Millionär – nur ohne die Million.“ Den Aushilfs-Jauch gibt sie sehr charmant. Zumal sie Nina ja auch gewinnen lassen will.

Bei all dem Klamauk hat die Bullatschek aber tatsächlich was zu sagen. Wer die Botschaft bis dahin noch nicht rausgehört hat, wird in der Zugabe mit der Nase drauf gestoßen. Sybilles Weihnachtsgeschichte handelt von einem alten Mann, der vor Gebrechen und Einsamkeit die Lust am Leben verloren hat. Ihm schickt der Weihnachtsmann einen Engel vom ambulanten Pflegedienst, der sich von da an täglich um ihn kümmert, sich sogar ein bisschen Zeit zum Reden nimmt und dem Mann neuen Lebensmut gibt. Eine rührende Hommage an alle Altenpfleger.

Sybille kann sogar Wunder: Kurz vor ihrer letzten Nummer wirft sie auf der Bühne die Schneemaschine an. Und praktisch im gleichen Moment fallen auch draußen die ersten echten Schneekrümel dieses Winters. Als ob sie am Ende selbst ein Pfläge-Engel wäre. Wer weiß?

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