Uwe Wegert bringt neue Projekte der Kreismusikschule auf den Weg

Musik – Medizin bei Demenz

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Uwe Wegert, Direktor der Kreismusikschule.

Syke - Von Anke Seidel. Seit fast zehn Monaten gibt er den Takt in der Musikschule des Landkreises Diepholz vor – und hat bereits neue Projekte auf den Weg gebracht: Dem neuen Musikschuldirektor Uwe Wegert liegt Musik als Schlüssel zu besonderen Fähigkeiten sehr am Herzen. Deshalb soll nach dem Sommerferien das Projekt „Musikschule macht Schule“ beginnen. Aber genauso ein weiteres Angebot, das Menschen mit Demenz helfen will. Bei ihnen soll Musik wie Medizin wirken.

„Wir wollen Lieder mit diesen Menschen singen“, sagt Wegert über das Projekt in Zusammenarbeit mit der Stadt Syke. „In einem Pflegeheim in Sudwalde machen wir das schon.“

Weil die Musik eine wichtige Lebensbegleiterin ist, möchte Wegert allen Erstklässlern die Möglichkeit bieten, einmal ein Instrument in die Hand zu nehmen – in dem Projekt „Musikschule macht Schule“. Das beginnt nach den Sommerferien in fünf Grundschulen des Landkreises (Heiligenrode, Leeste, Barnstorf sowie die Diepholzer Grundschulen Hindenburgstraße und am Mühlenkamp). Dafür schafft die Kreismusikschule neue Instrumente an, die alle Jungen und Mädchen in der ersten Klasse dann selbst ausprobieren können – eine Chance vor allem für die Kinder, die Zuhause keinen Zugang zu Musik und Instrumenten haben.

„Wir haben großzügige Spender dafür“, sagt Wegert mit Blick auf die Kreissparkassen Syke und Diepholz. Aber auch die Kreismusikschule, die beteiligten Schulen sowie Kommunen und das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur stellen Geld dafür zur Verfügung.

Zu Hause ist die Kreismusikschule bereits in den Schulen, in denen Bläser- oder Streicherklassen bestehen – ein klassischer Bildungsbereich der kreiseigenen Einrichtung. Ebenso wie der klassische Unterricht in der Kreismusikschule selbst, in dem Kinder und Jugendliche Geige, Klavier, Gitarre oder ein anderes Instrument erlernen – oft im Duo bei einem Lehrer: „Wir haben festgestellt, dass die Zahl der Schüler in Zweiergruppen gestiegen ist“, sagt Wegert. Insgesamt sind es rund 2800 Kinder und Jugendliche, die Unterricht über die Kreismusikschule erhalten.

Dazu kommen die erwachsenen Schüler. Wie viele genau, hat Wegert nicht im Kopf. „Natürlich sind die auch wichtig. Aber das ursprüngliche und eigentliche Klientel ist das Kind“, sagt der Kreismusikschuldirektor. Dass sie schon früh mit der Klassik in Kontakt kommen – beispielsweise mit Werken von Mozart, Händel oder Beethoven – ist eine genauso starke Säule der kreiseigenen Bildungseinrichtung wie die bereits genannten Kooperationsklassen für Streicher und Bläser. Wegert will noch eine dritte Säule hinzufügen, die Pop-Musik. Dafür soll an der Kreismusikschule ein eigenes Team gebildet werden, das Unterricht in E-Gitarre, Drum-Set oder E-Bass erteilt. „Ganz wichtig ist auch der Vokalbereich“, fügt der Kreismusikschuldirektor hinzu. Geplant ist, dass aus dieser Pop-Schule auch Bands entstehen.

Die drei Säulen will die Kreismusikschule auf ihrer neuen Internet-Seite präsentieren. „Sie ist zurzeit in Arbeit, und über diese Seite sollen auch An- und Abmeldungen online möglich sein“, sagt Wegert.

Unter dem Stich sieht er große Chancen für die Kreismusikschule, die „sehr gut aufgestellt“ sei. Andererseits benennt der Musikschulchef große Herausforderungen in einer sich rasant verändernden Gesellschaft. „Die Schülerzahlen in den Bläser- und Streicherklassen sind gesunken“, nennt er ein Faktum, das verschiedene Ursachen hat. Einerseits den Geburtenrückgang, der im Landkreis Diepholz 8,4 Prozent (seit 2013) betrage, und andererseits die verkürzte Schulzeit: „Das 13. Jahr fehlt uns“, blickt Wegert auf das Turbo-Abitur, das bald Geschichte ist – und hofft, dass die Verlängerung der Schulzeit auch positiven Einfluss auf die Schülerzahlen der Kreismusikschule hat. Zu ihren Herausforderungen gehöre aber auch die zunehmende Zahl der Ganztagsschulen im Landkreis: „Wir dürfen von Schülern im schulischen Ganztagsbereich keine Gebühren nehmen.“ Außerdem sei der Einsatz von freien Mitarbeitern, sprich Honorarkräften, dort nicht möglich. Genau deshalb war die Einrichtung von zwei Percussion-Klassen an der Oberschule Wagenfeld geplatzt: „Die Schule hat das Geld, wir haben den Mitarbeiter. Aber es gibt rechtliche Probleme.“ Im Klartext: Weil der Percussion-Lehrer bei der Kreismusikschule nicht fest angestellt ist und auf Honorarbasis arbeitet, sei er nicht weisungsgebunden – was für einen Einsatz an einer Oberschule aber unbedingt der Fall sein muss.

Eine große Herausforderung für die Kreismusikschule sei im Flächenlandkreis Diepholz auch die Organisation über große Entfernungen hinweg: „Sie können keinen Lehrer aus Lemförde für eine Stunde nach Stuhr schicken.“

Festzustellen sei außerdem ein verändertes Verhalten der Eltern. Durch berufliche oder andere Verpflichtungen seien sie immer weniger in der Lage, ihre Kinder zum Kreismusikschul-Unterricht zu fahren. Auch wenn in den Duo-Gruppen ein Zuwachs zu verzeichnen sei, müsse musikalische Früherziehung so früh wie möglich im Kindergarten beginnen. „Zum Singen von Liedern gehören ja auch Texte – das ist Sprachförderung“, argumentiert Wegert.

Unabhängig davon belegten Studien Stress und große Fremdbestimmtheit bei Kindern. „Wir müssen aufpassen, dass wir die Kinder offen halten für andere Möglichkeiten“, mahnt Wegert. Er hofft, mit einem neuen Image und den neuen Angeboten neue Schüler gewinnen zu können – und gleichzeitig alle Herausforderungen meistern zu können, auch wenn sie mit Ausgaben verbunden sind.

„Eine moderate Gebührenerhöhung sollte kein Tabuthema sein“, sagt der Kreismusikschuldirektor. Die Entgelte seien zuletzt vor sechs Jahren erhöht worden.

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